1038 Vierter Abschnitt. Die Dichtung
„Welcher Lohn", schließt der Dichter, „wird einer so großen Tat werden?Es ist nichts Kleines und daher mögen die Rechtsgelehrten entscheiden "Die Dichtung von 26 Distichen ist in Italien entstanden, worauf das Wortlumaca deutet. Nach seinem Gewände — die Metrik und Prosodie sind fasteinwandfrei — gehört es dem 12. oder 13. Jahrhundert an und will wohldie bäuerliche Feigheit gegenüber der ritterlichen Tapferkeit in satirisch-humoristischer Weise beleuchten.
Ueberlief erung im Laurent. XXXVIII, 36 s. XV Hss. außerdem in München, LeidenSchläglu.a. Ausgaben von H. St. Sedlmayer, Wiener Studien 6,151 f., und Fr. Novati'Attraverso il medio evo, Bari 1905,119 ff. Vgl. Cloetta S. 97; P. Bahlmann, Zentralbl'f. Biblw. 10, 469. P. Lehmann, Pseudoantike Literatur des MA. S. 6. 94.
16. RICHARD VON VENOSA
Richard lebte zur Zeit Kaiser Friedrichs II. als Richter in Venosa undverfaßte, als Herzog Raynald Reichsverweser in Sizilien (1228—1229) wareine lange Komödie De Paulino et Polla, die er dem Kaiser Friedrich wid-mete. Außer diesen der Dichtung selbst zu entnehmenden Daten ist überRichard nichts weiter bekannt.
De Paul, et Pollall (Dumeril, Poes. ined. p. 375) Hoc acceptet opus FredericusCesar et illud Maiestate luvet atque favore suo. Cuius ad interitum Venusinae gentis ahm-nus Iudex Richardus tale peregit opus; Vs. 1127 (p. 416) Raynaldi mox Fulco ducis regnummoderantis Provocat examen, scripta ferenda petens. Stoff Vs. 15 Materiam nostri, quis-quis vis, nosce libelli, haec est: Paulino Polla nubere petit.
Richard sagt im Eingange seiner Dichtung, daß das Stück für ernsthafteund für scherzhafte Menschen geschrieben sei und daß jeder sich das Seineauswählen möge. Gewidmet sei das Werk dem Kaiser Friedrich, und er, derRichter Richard aus Venusia, habe es dem Kaiser unterbreitet. Der Stoffdes Werkes sei, wie Polla den Paulinus heiraten will, die beides alte Leutesind, und daß Fulco ihre Sache in die Hand nimmt. Die alte Polla ist zuFulco gekommen und singt sein Lob. 1 Fulco wird dessen überdrüssig undbittet sie, den eigentlichen Zweck ihres Kommens mitzuteilen, 2 wobei ersich in Spott auf die Geschwätzigkeit des Alters ergeht. Polla weist denSpott zurück, aber Fulco wiederholt seine Aufforderung und gibt ihr unterlangem Erguß über die Bedeutung des Geldes einen Denar. Sie äußert sichhierauf über den schlechten Einfluß des Geldes auf den Menschen, 3 aberer wird nun ungeduldig und wirft ihr Feigheit vor, 4 wogegen die Alte wiederin langer Rede die Furcht verteidigt. Fulco entgegnet, daß sie das Gegen-teil von dem tue, was er wünsche, 5 und verbietet ihr alle weitere Rede; erwerde Gewalt anwenden, wenn sie nicht freiwillig gehe. Wieder ergeht derRedefluß der Alten, und als er nun Miene macht, sie zu entfernen, fragt sieihn, ob sie schlechte Worte zu ihm gesprochen habe, sie habe doch nur Gutesgesagt. Schon auf der Schwelle stehend, sagt sie, sie habe ihm nicht gleichnach ihrer Ankunft alles sagen können, da Eile oft schädlich wirke, und siebitte ihn um Geheimhaltung. Als er ihr solche versprochen, eröffnet sie,
1 Vs. 35 aus Verg. Georg. 2, 43. 4 Vs. 189 Sis audax igitur, vanum depone
2 Vs. 43 aus Catonis Dist. 1,27,2 und timorem.
Vs. 49 aus Dist. 1,14, 2. 5 Sprichwörtlich Vs. 235 Ire volo Romam,
3 135 avaritia monachus periurus habetur. Capuam me mittis ad urbem.145 Denario sedes maculatur pontificalis.