G. Weltliches und geistliches Drama 1033
innewohnende dialektische Element beigetragen, das sich namentlich inder starken Differenzierung und langen Ausführung des Dialogs geltendmacht, denn die 391 Distichen zerfallen in 63 Einzelreden, wenn man denAnfangsmonolog des Pamphilus, einige weitere Monologe und die Schluß-worte der Alten mitrechnet.
Die Personen sind Pamphilus, Galathea und eine Kupplerin, dazu inallerdings sehr beschränktem Maße Venus. Pamphilus liebt Galathea undmöchte sie gewinnen; er wendet sich daher zuerst an Venus. Diese rätihm, vorsichtig und langsam zu Werke zu gehen. Doch bringt sie dem Lie-beskranken keinen Trost, und er wendet sich unmittelbar an Galathea underklärt ihr seine Liebe. Doch er kommt übel an und bittet daher erneutum ruhige Aussprache, die sie ihm auch gewährt, wie sie auch darauf ein-geht, ihm Umarmung und Kuß zu gestatten. Pamphilus ist glücklich, soviel erreicht zu haben, will sich aber zu weiterem Vorgehen der Diensteeiner Alten versichern. Diese erbittet sich aber von Pamphilus für ihreHilfe ihre Aufnahme in sein Haus. Pamphilus gewährt ihr die Bitte undzugleich die Herrschaft in seinem Hause. Die Alte ist glücklich und äußerstdankbar und als sie Galathea sieht, erhebt sie ihr gegenüber den Pamphilusin den Himmel und ersucht sie, ihr ihre Liebesgeheimnisse zu entdecken.Galathea weiß sich nicht den Grund hierzu zu erklären, die Alte weistaber jeden Gedanken an Belohnung ab. 1 Doch Galathea fürchtet, ins Ge-rede zu kommen; die Alte verspricht ihr, ihre Liebe völlig geheim zuhalten. Da vertraut ihr Galathea an, daß Pamphilus ihr schon seine Liebeerklärt hat, die Alte möge ihn ausforschen und ihr alles, was er gesagt,berichten. Die Alte begibt sich zu ihm und gibt vor, aus seiner Liebe könnenichts werden, da für Galathea die Hochzeit mit einem andern gerüstetwerde. Da gerät er außer sich und will sterben, doch die Alte flößt ihm Mutein und rät ihm zu List und Anstrengung und verrät ihm, daß Galatheaihr ganz zu Willen lebe. Pamphilus zweifelt anfänglich an der Wahrheitdieser Aussage, ist aber dann hoch erfreut, als er hört, daß sich die Ge-liebte nach ihm erkundigt habe und ihm im Herzen zugetan sei, und dieAlte ihm zu verstehen gibt, daß sie eine Zusammenkunft mit Galatheaermöglichen werde. Nun spricht sie mit Galathea und wirft ihr vor, daßsie dem Pamphilus ihr Versprechen nicht gehalten habe, worüber dieserelend und unglücklich geworden sei; sie solle keine Furcht hegen, dennder Geliebte wolle sie zur Gattin haben. Galathea antwortet, daß sie stetsvon der Mutter bewacht werde, worauf die Alte erwidert, daß sie zu einemStelldichein kommen möge, sie werde schon dafür sorgen, daß kein üblesGerede entstehe. Galathea schwankt zwischen Liebe und Furcht, die Altelockt sie immer mehr, und endlich tritt Galathea bei ihr ein. Alsbaldmacht Pamphilus mit viel Geräusch die Türe der Alten auf, er stürmtherein und umarmt Galathea, die ebenfalls von Liebe erfaßt wird. DieAlte gibt vor, einen Gang zu haben, und verläßt beide, und nun wirdGalathea von Pamphilus in der Liebe überwältigt, trotzdem sie sichtapfer wehrt. Er spricht ihr dann Mut ein und bittet sie, ihre Tränen zutrocknen, als die Alte erscheint und sich völlig unwissend stellt. Doch sie
1 Vs.401 Cum pares estis, sociari iure polestis, Deficit in vobis nil nisi solus amor.