1028 Vierter Abschnitt. Die Dichtung
Planeten ihre Bewegung lasse, er wolle nun aber Ruhe haben und in der
Küche des Bischofs Feiertag machen. Pamphilus schämt sich, daß er als
Verwandter des Königs Heinrich zu Fuß in die Stadt einziehe, worauf Birria
bemerkt, daß es dem erlaubt sei, zu Fuß zu gehen, wer kein Pferd habe. Sie
werden nun von Glisceriums Vater freundlich aufgenommen und Pamphilus
heiratet seine Geliebte.
Zeugnisse. Zu den Oertlichkeiten Vs. 6 Parisius veniunt, 163 Ebroicam donec venia-mus ad urbem, 195 Lexovium . . . Birria cum domino Gliscerioque venu. Zu Heinrich IIvgl. 203 Henrici regis cognatus in urbem Intrabo. Vgl. Lohmeyer, Z. f. dtsch. Altert. 41152 f. Ueber den geistlichen Stand des Dichters vgl. Lohmeyer a. a. O. S. 153, wo auchS. 154 f. Anklänge an die Vulgata. Genannt wird das Gedicht im Katalog von St. Andrede Villeneuve 1307 (Delisle, Le cab. des mscr. 3, 8) N. 45 Item Pamphilius et Birriaund in Grünberg (Augustiner) 1423 (Zeitschr. d. Ver. f. Gesch. Schlesiens 59,104) N. <jcontinens inter cetera eciam Pamphilum ponentem multas truphas de amore hovizancium (?).Ueberlieferung nur im Vat. reg. 344 s. XII. Ausgabe von K. Lohmeyer, Zeitschr. f.dtsch. Altertum 41,145—150; kleine Stücke gab Haureau, Not. et extr. 29, 2, 360. VglE. Müllenbach, Comoediae elegiacae p. 5 n. 2. Cloetta 1, 83. Lohmeyer a. a. O. S.144.150—155. Ob die Worte bei Balderich von Bourgueil Carm.248,17 (Phyllis Abrahams,Les oeuvres poet. de Baudri de Bourgueil p. 358, Paris 1926) ,Ebria Glicerium tibi Pam-philus omnis hiator, Qui tibicumque placet, mox tibi Pamphilus est sich auf diese Dichtungbeziehen, ist sehr fraglich, da Gliscerium hier sich mit der ihr in den Worten zugedachtenRolle nicht identifizieren läßt. Es ist danach möglich, daß es noch ein weiteres StückPamphilus et Glicerium gegeben hat, das dem Balderich bekannt gewesen ist, denn derPamphilus de amore (vgl. unten) kommt nicht in Betracht.
8. COMOEDIA BABIONIS
Dies besonders auf englischer Überlieferung beruhende Stück umfaßt243 Distichen. Wenn sein neuester Herausgeber Ermini 1 mit der Deutungvon Vs. 473 f. recht hat, daß hier auf den dritten Kreuzzug angespielt wird,so gehört es noch ins 12. Jahrhundert. Der Verfasser war jedenfalls einEngländer; Er mini versetzt ihn in die Bretagne und läßt ihn in Parisstudiert haben, da er sich in der Logik unterrichtet zeigt. 2 Die örtlichenAnspielungen —Vs. 132 trans Alpes und 321 (354. 383) die Stadt Soloe —bezeugen, daß der Dichter diesseits der Alpen lebte und daß er Kennt-nisse von orientalischen Ortschaften hatte. Vielleicht war er Lehrer, daer sich im klassischen Altertum wohl unterrichtet zeigt; 3 sein Stückberuht auf der Verbindung antiker Momente mit dem Leben der Gegen-wart. Vielfach fehlt es an einer raschen Aufeinanderfolge der Hand-lung und die Reden der fünf auftretenden Personen sind oft recht langausgesponnen, ohne die Handlung zu fördern, und oft so aneinander-gesetzt, daß weder Ort noch Zeit berücksichtigt wird. Der Priester Babio— sein Name scheint Tor 4 zu bedeuten —, verheiratet mit Petula, 5 liebtderen Kind aus erster Ehe, seine Stieftochter Viola, die aber von seinemHerrn, dem Ritter Croceus, zur Ehe begehrt wird, während BabiosSklave Fodius die Petula liebt. 6 Der Gang der Handlung ist in kurzemfolgender.
1 Filippo Ermini, II Babio, commedia 4 Vgl. Ermini p. 13f.
latina del secolo XII, Rom 1928, p. 10. 5 Diese Namensform verdient vor Fecula
2 Vs. 135f. den Vorzug, vgl. Ermini p. 17 n. 1 nacn
3 Vs. 35ff. 75f. 177f. 213f. 239ff. Wohin Vs. 211. ■ .aber weisen die Namen Eulalus, Gulius und 6 Nach der Praefatio im Oxon. Digfcy M.Bavo Vs. 119f. 122. 144? gedruckt bei Ermini p. 17.