Druckschrift 
3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
Entstehung
Seite
1024
Einzelbild herunterladen
 

1024 Vierter Abschnitt. Die Dichtung

hält die Frau nach -neun Monaten ein Kind. Der Mann kehrt nach einemJahre zurück, erkennt aber das Kind nicht an: seine Frau soll sich wegenEhebruchs verantworten, aber sie wird freigesprochen, da das Söhnchenmit ihrem Manne große Ähnlichkeit hat. Nun aber beginnen erst dieeigentlichen Leiden der Frau. Afra wird mit dem Knaben von ihremMann auf eine wüste Insel gebracht, wo sie erst das Kind mit ihrer Milchund ihrem Blute nährt und dann nach sieben Tagen entsetzlichen Hungersden Knaben aufißt und nur eine Hand zurückbehält. Als sie dann am Uferumhergeht, bemerkt man sie von einem Schiffe aus, und nachdem sie denSchiffern Kunde von ihren Schicksalen gegeben hat, bringt man sie in dieHeimat. Nun muß sich Flavius vor Gericht verantworten, doch er erklärtentgegen der Meinung aller, daß er schuldlos sei. Als nun aber Volk undRichter ganz auf Afras Seite treten, schlägt ihr das Gewissen wegen derTötung ihres Kindes; so erklärt sie, daß sie schuldig sei und den Tod ver-dient habe. Sie wolle sterben, und wenn die Richter sie nicht zum Tode ver-urteilen würden, so werde sie sich selbst den Tod geben und die rechteHand, die das Kind getötet habe, werde dann auch die Mutter töten.

Der hier behandelten Geschichte fehlt das eigentliche Ende, und es siehtfast aus, als ob der Stoff einer alten Kontroversia entnommen sein könnte.

UeberlieferungimMus. Brit. Cotton. Cleop. AVIIIs. XIII. Ausgabe von Th.Wright,Selection of latin stories. Percy society vol. 8 N. 28 p. 208214 (London 1842). Vgl.R. Peiper, Archiv f. Literaturgeschichte 5, 531 f. Cloetta a. a. 0. S. 120 ff. Groeber,Grundriß der roman. Philologie 2, 411 f.

5. MATTHÄUS VON VENDÖME

Milo. Matthäus, den wir schon als vielseitigen Dichter kennen lernten(S. 738 ff.), scheint dies als erstes größeres Werk unter seinen Dichtungen ver-faßt zu haben, da er es in den Endvers auslaufen läßt Debile Matthaei Vin-docinensis opus und es in seinem Schriftenkatalog an die Spitze stellt. DasStück heißt übrigens Gomoedia Milonis und De Milone Gonstantinopolitano,vielleicht auch Ovidius de Afra, und Matthäus bemerkt im Anfang (Vs. 3),daß er eine bekannte griechische 1 Geschichte besinge. Vielleicht hielt derDichter etwas starke Erotik als zur Komödie gehörend für notwendig.Der Inhalt ist folgender. Milo und seine Gattin Afra leben in Konstanti-nopel von ihrer Hände Arbeit, Milo bebaut das Land. Aber der König desLandes stört den Frieden dieser Ehe: als Milo abwesend ist, verführt erdessen Frau, und als Milo das entdeckt, verstößt er Afra. Da wird Milovon Afras Brüdern beim Könige verklagt, daß er sein Gut schlecht be-wirtschafte und es geduldet habe, daß ein Löwe bei ihm eingebrochen sei.Der König sieht dieser Scheinklage auf den Grund und erkennt, daß ermit dem Löwen gemeint ist. Daher söhnt er Milo mit Afra wieder aus und

1 Ob das nach den Namen Milo und Afra rischen übersetzt) Fabulae Romanenses

wahrscheinlich ist ? Allerdings hat die Fabel Graececonscriptaeed.A.Eberhard (Leip-

des Stücks einen orientalischen Einschlag zig 1872). Die lateinische Vorlage desMat-

und findet sich im Orient, vgl. R. Peiper, thaeus ist mit der jüngeren Hist. VII sa-

Archiv f. Literaturgesch. 5, 536. Cloetta pientum (ed. Hilka, Heidelberg 1912)

S. 79n.l. Griechisch im mittelgriechischen nicht identisch.Syntipas (angeblich s. XI ex. aus dem Sy-