G. Weltliches und geistliches Drama 1021
Hs Bern. 568 s.XII f,15b —17b. Ausgabe von H. Hagen, Jahrb. f. klass. Phil., hrsg.von Ä. Fleckeisen N. F. 14 (1868), 718—725. Vgl. Cloetta S. 74 f. Reinhardstött-ner S. 614 f.
3. WILHELM VON BLOIS
Wilhelm von Blois, Lehrer und Mönch, war der Bruder des PetrusBlesensis, der Großsiegelbewahrer und Erzieher des jungen Königs Wil-helm II. von Sizilien war und als solcher seinem Bruder Wilhelm 1167zur Abtei Matina in Sizilien verhalf. Doch Petrus war es auch, der demBruder 1169 aus Sorge um dessen Seelenheil eindringlich riet (Ep. 90), dieseStellung aufzugeben, und er fügte in einem andern Briefe (Ep. 93) die Be-schwichtigung hinzu, daß Wilhelm durch seine Tragödie von Flaura undMarcus, durch sein Gedicht über den Streit des Flohes mit der Fliege unddurch seine Komödie Alda sowie durch seine Predigten und übrigen theo-logischen Werke mehr Ruhm als durch den Besitz von vier Abteien erlangthabe. Aber in einem dritten Briefe (Ep. 76) an Magister Petrus von Bloisschrieb er als Archidiakon von Bath, daß er seinem Bruder Wilhelm mitErfolg ins Gewissen geredet habe, die Beschäftigung mit leichtsinnigenKomödien und Tragödien aufzugeben, und daß dieser sich fortan zur kirch-lichen Literatur gewendet habe.
Zeugnisse. Zum Rat seines Bruders vgl. Petri Bles. Ep. 90 (Migne 207, 283B) 1 sedinsignia episcopalis eminentiae in abbate nee approbo nee aeeepto und 285 A resignetis in-signia aut. . . renuntietis in manu domini papae monasterii administrationem. Zum ErfolgEp. 93 col. 291C congratulor quid iuxta parvitatis meae consilium reiectis insignibus . . .curam Malinensis monasterii sponte in eius manibus resignastis, 292 D Nomen vestrum... reddent tragoedia vestra de Flaura et Marco, versus de pulice et musca, comoediavestra de Alda, sermones vestri et cetera theologicae facultalis opera. . . Plus honorisaecrevil vobis ex vestris operibus quam ex quatuor abbatiis. Ferner Ep. 76 col. 235A Illudnobile ingenium fratris mei magistri Willelmi quandoque in scribendis comoediis et tragoe-diis quadam oecupatione servili degenerans salutaribus monitis ab illa peremptoria vanitateretraxi. Wilhelm korrigierte seines Bruders Petrus Werk De praestigiis fortunae, vgl.Ep. 77 col. 239D Libri mei siquidem prima pars a magistro Willelmo fratre meo correetaest, und daß er Mönch war, sagt Petrus in Ep. 65 col. 190 A Cum nuper . . . magister Wilel-mus Blesensis monachus frater meus oecurrisset. Vgl. außerdem die Aufschrift im Harlei.3872 Musa Vionensis Guillermi sive Blesensis Scriptores iuvenes volt refugitque senes,vgl. Alda ed. Lohmeyer p. 5 und Faral p. 333—336.
Die Tragödie De Flaura et Marco ist verloren. Lohmeyer 2 hat mit Rechtnicht nur die Vermutung Ginguenes 3 zurückgewiesen, daß der Name Flauraauf die von Ivo von Chartres in Ep. 66 4 genannte Flora zu beziehen sei,sondern auch die Ansicht von V. Le Clerc 5 bestritten, daß mit Flaura etMarcus die Tragödie Versus de AfTra et Flavio (S. 1023) gemeint sein könne.Das Gedicht De pulice et musca wird von Wilhelm im Prolog zur Alda (Vs. 9Müll.) erwähnt, und da Wilhelm es ,pulicis et muscae iurgia' nennt und dasWort risi dazusetzt, so wird man unbedingt an ein scherzhaftes Gedicht zudenken haben, in dem Floh und Fliege ihre Untaten am Menschen gegen-seitig rühmten. Auch hiervon hat sich nichts erhalten.
Alda. Den Stoff zu diesem Stück, das auch Comedia Ulfi genanntwird, 6 führt Wilhelm im Prologe auf Menander zurück. Das wird vonLohmeyer 7 dahin wohl mit Recht eingeschränkt, daß dem Wilhelm bei
1 Aufschrift col. 281C Carissimo fratri suo 4 Migne 162, 83.M. Willelmo Bles. abbati Matinensi. 5 Hist. litt. 22, 55.
2 Guilelmi Blesensis Aldae comoedia p.7f. 6 Im Lambac 100.
3 Hist. litt. 15, 414. ' Alda p. 15—20.