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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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1020 Vierter Abschnitt. Die Dichtung

2. BAUCIS

Die anonyme Komödie Baucis, auch Thraso genannt, in 162 Distichenentbehrt, wie L. Müller feststellte, 1 der Elision gänzlich und dürfte daherunbedingt nach Vitalis fallen. Da die bisher einzige Handschrift aus Frank-reich (vielleicht Fleury) stammt und L. Müller auf einen Gallizismus auf-merksam machte, 2 so ist die Komödie vielleicht französischen Ursprungsdoch läßt Greizenach England als ihre Heimat gelten. Allerdings läßtsich die Abfassungszeit nicht genauer bestimmen, denn wenn Cloetta(S. 74) die Obszönität des Inhalts für spätere Ansetzung geltend macht, soist das ganz unsicher. Die Hauptperson des Stückes ist der Soldat Thrasoaber es ist keine Mileskomödie; mit Plautus hat das Gedicht gar nichtsgemein, wie denn auch die Namen der Personen alle aus Terenz stammen.

Wir haben es hier mit einer Kupplerkomödie zu tun. Die KupplerinBaucis versteht es, ihre Mädchen für den Gebrauch schön herzurichten undhat es mit Glicerium, die sie auch unter dem Namen Philomena preisgibt,auf Thraso abgesehen. 3 Er zahlt auch, aber sie hält ihn unter allerhand Vor-wänden hin und verschwindet plötzlich. Thrasos Sklave Davus versprichtnun seinem Herrn Hilfe 4 und es gelingt ihm, die Zusage für die nächste Nachtzu erhalten. Da machen sich beide im Finstern auf den Weg, Davus wirdvorausgeschickt, um alles einzuleiten, und Thraso verbirgt sich in einemGraben. Dort aber rächt sich Birria, ein Feind des Davus, auf eine äußerstschamlose Weise an Thraso, 5 wofür Birria von Davus tüchtige Prügel erhält.Und als nun Thraso bei Glicerium eintritt, wird ihm mit Bestimmtheit dienächste Nacht versprochen. Denn erst will Baucis der Glicerium die Virgi-nität wieder herstellen, was unter Zuhilfenahme der wunderbarsten Mittelgeschieht, wie der Weiße eines Raben, dreier Windhauche, der Haare einesKahlkopfs, des Gehörs eines Tauben, der Worte eines Stummen usw. 6 Unddann erst gelangt Thraso nach reichlichen neuen Geschenken ans Ziel seinerWünsche.

Im allgemeinen ist die Sprache des Gedichts nicht so klar wie die in denKomödien des Vitalis, dagegen teilt der Dichter dessen Vorliebe für Epi-soden, wie z. B.Vs. 221240 das Selbstgespräch Birrias über die an Thrasozu nehmende Rache. Aber lesbar ist das Stück durchaus, und es wird man-ches auf die Beobachtung der Antike zurückgehen. Aber ich glaube nicht,daß dem Stück eine antike Komödie vorliegt, wie H. Hagen (S. 726)meint. Dazu ist die Erfindung doch zu einfach, der Witz zu seicht und dasPossenhafte zu unbedeutend. Von den Künsten der Kupplerin wußte jader mittelalterliche Geistliche hinreichend Bescheid, und es ist durchaus zu-treffend, daß L.Müller 7 die Ansicht H. Hagens bekämpft hat. W. Grei-zenach a. a. 0. 1,28 f.

1 Jahrb. f. klass. Philo]. (1868) Bd. 14, 731. piger est, esse prophela solet.

2 A. a O. S. 730. Vgl. aber hierzu Cloetta 6 Vs. 240 Permingatur enim ... 243 RwusS. 75. aquae saliens os implel suspicientis.

3 Vs. 29 (hrsg. von H. Hagen, Jahrb. f. Vs 311320 scherzhafte Verdrehung derklass. Phil. N. F. 14, 1868, 718) Obvius Heilmittel (wie im Speculum stultorumexit ei Traso, cui gloria potus, Cui venter des Nigellus).

deus est, cui Venus apta comes. 1 S. 729735. Zum Inhalt vgl. Faral

4 Hier das Sprichwort Vs. 80 Injans qui a. a. O. p. 362369.