1018 Vierter Abschnitt. Die Dichtung
alten Komödie groß, besonders wenn man den Geta mit späteren Stückenvergleicht, und er entbehrt keineswegs des heidnischen Kolorits und derRücksicht auf szenische Verhältnisse, wenn diese auch nur aus der Erzäh-lung des Dichters hervorgehen. So ist der Apparat des altrömischen Dich-ters ziemlich gewahrt. Allerdings scheint sich Vitalis wesentliche Abwei-chungen von der Vorlage gestattet zu haben, denn in dieser spielte nachJonas von Orleans noch Nocturnus (Plaut. Amph. 272) eine Rolle. 1 DieSprache ist durchaus klar und verständlich, ohne gesuchte Worte, und dieVerskunst steht auf ziemlich hoher Stufe.
Ueberlieferung. Die Benutzung der Komödie bei Matthaeus in den Aequivoca s.v.lentus — Vs. 168; bei Gerhoh von Reichersberg Vita Bereng. et Wirnt. Prol. Pez Thes!anecd. 1,3, 400 A und c. 2 col. 402 D; bei Bberhardus Alemannicus im Laborintus 615 p. 358F ar a 1; bei Hugo von Trimberg im Registr. mult. auct. 738 ff. (der Querolus oder AululariaVs. 760ff. 764 f.) bei Huemer, Wiener SB. 116,181 f.; bei Galfred de Vino salvo 1366ff.,besonders 1374 (Faral p. 239); in der Lydia Vs. 11 und 13 (Dumeril, Poes. ined. du moyenäge p. 354), bei Osbern vgl. A. Mai, Class. auct. 8, 347; bei Conrad von Mure im FabulariusS. 76 und 269 (ed. Basil. 1473); im Novus Avianus 3, 2, 5 (ed. Emil Grosse, Königs-berg 1868 S. 21); bei Jeremias von Montagnone, Osann p.VII. Weitere von Müllen-bach, Comoed. elegiacae p. 9 ff. gesammelten Stellen sind nicht gerade beweiskräftig.In alten Katalogen erscheint der Geta s. XII in Lambach (Cod. Berol. theol. qu. 140),s. XIII bei Richard von Fournival, in Zürich (Lehmann 1, 463, 5) und je einer unbe-kannten Bibliothek Deutschlands und Frankreichs (Wiener Studien 7,167 und Delisle,Le cab. des mscr. 2,169), s. XIV in St. Andre de Villeneuve, in der Sorbonne und inLeiden (1380), s. XV bei Amplonius, Borso d'Este und in Bordesholm. Hss. 2 Bern. 702.Monac. 14809 s. XII. Berol. Lat. 916 s. XIV und Phillipp. 1796 s. XIV Vindob. 303 s.XIV.Amplon. 0 4 s. XIII und D 20 s. XIV. Paris. 8509A s. XIV. Laurentian. 33, 31. Ausgabenvon A. Mai, Class. auct. 5, 463. Vitalis Bles. Amphitryon et Aulularia eclogae ed. Frid.Osann, Darmst. 1836. C.W.Müller, Anal. Bernensia part. II, Bern 1840. A. de Mon-taiglon in Bibl. de l'Ec. des Chartes 9, 486—505. Zu den Florilegien, die Stellen aus demGeta enthalten, vgl. Cloetta a. a. O. S. 69 n. 1. Französische Uebersetzung (ca 1400)von Eust. Deschamps hrsg. von Marquis de Queux de St. Hilaire, Le traicte deGetta et dAmphitrion, Paris 1872. Italienische Uebersetzung wohl von Fil. Brunelle-schi und Domenico da Prato, hrsg. von C. Arlia, Geta e Birria, Bologna 1879. Vgl.P. Bahlmann, Centralbl. f. Bibl.-Wesen 10, 463 f. V. Le Clerc, Hist. litt. 22,39—50.Cloetta a. a. O. 68—74. Zur Geschichte des Stoffes vgl. W. B. Sedgwick, Rev. of Engl.Stud. 1927, Juliheft.
b) Aulularia. Auch in diesem Stück hat der Dichter die Vorlage freibenutzt und vielfach gekürzt. Im Eingang des Dramas, wo Querulus ein-geführt wird, liest man nur Klagen über Götter' und Menschen, und derQuerulus, der sie ausstößt, macht hier seinem Namen alle Ehre. Erst vonVs. 183 (es sind im ganzen 792 Verse, während der Geta 536 zählt) setztdie Komödie wirklich ein. Nämlich der Vater des Querulus vertraut imSterben seinem Sklaven Sardona an, daß er in seinem Hause — er warschon sieben Jahre auf Reisen — einen Topf mit 1000 Talenten eingegrabenhabe, deren Besitz er seinem unklugen Sohne verhehlt habe. Er möge demSohne Mitteilung machen und solle dafür 10 Talente erhalten; er lasse ihnhiermit frei und gebe ihm den Namen Paulus. Der Alte stirbt und Paulustriumphiert über sein Glück, denn er will den Schatz allein haben. 3 So kehrter in die Heimat zurück, hält sich aber verborgen und verkleidet sich als
1 Migne 106, 382D Libere proclamabis te magnae fortitudinis Hercules nasceretur.esse aut Mercurium propter nummorum eu- 2 Ich nenne nur die Haupthandschriften.piditatem aut Nocturnium iuxla Plauti 3 Vs. 281 Paulus ero, Pauli Romani con-
Amphitryonem quo dormiente in Alcmenae sulis heres (ed. Müllenbach p. 65).adulterio duas noctes lupiter copulavit ut