G. Weltliches und geistliches Drama 1017
er die Tür stürmen, aber Merkur ist stärker als er; und so schreit er nachAlcmena, ihr Gemahl sei zurückgekehrt. Aber er muß sich aufs Bitten legenund ersucht den Merkur ihm zu sagen, ob es denn zwei Geta gebe. Dieserteilt ihm mit, daß er selbst der einzige Geta sei und schildert ihm eingehendseine überaus häßliche Person. Aufgefordert, von seinem Wesen zu reden, 1sagt Merkur, daß er ganz Wollust sei und eine Thais nach der andern liebeund die niederträchtigsten Sklavenstreiche ausgeführt habe. Geta hat nungenug und klagt, daß er nun nichts sei (398 Vae mihi qui fueram, qui modofio nihil). Aber als er sich anfaßt, merkt er, daß er etwas ist (408 Quodquevalet tangi, non erit hercle nihil), und er verwünscht die Dialektik, die ihndazu gebracht habe, sich als nichts zu glauben. Da kommt der wirklicheAmphitryon und Geta meint nun, falls dieser ihn als Geta begrüßt, so seier es, falls nicht, so sei er nichts. Amphitryon erschrickt, als er Geta sieht,und hält dies für ein böses Vorzeichen; er redet Geta an und fragt ihn, ober die Seinen gesund angetroffen habe. Geta erwidert, daß ein zweiter Am-phitryon und auch ein Geta im Hause seien und daß dieser Geta ihn zurück-gewiesen und eine Beschreibung von ihm gemacht habe. Darauf sagtByrrhiazur Seite gewendet, daß die beiden gesund nach Griechenland gegangen, aberverrückt wiedergekehrt seien; die Dialektik mache jeden zum Toren. Am-phitryon erkennt, daß ein Ehebrecher im Hause sei und befiehlt den beidenSklaven, Waffen zu bringen, um das Haus zu stürmen, Byrrhia aber fürch-tet sich und sinnt auf Flucht. Indes öffnet sich der Himmel und nimmt dieGötter wieder auf und als Amphitryon nach Hause kommt, eilt ihm Alc-mena erschreckt entgegen, besänftigt ihn und empfängt seinen Kuß undberuhigt den auf Kampf sinnenden Geta. Doch auf ihre Rede, daß sie ihrenAmphitryon umfangen habe, wird der wirkliche Amphitryon wild und dringtmit Schlägen auf sie ein. Alcmena beruhigt ihn mit den Worten, daß sie dasalles geträumt habe, wozu Byrrhia seine Zustimmung gibt. So erfreut sichAmphitryon nun an seiner Frau, Byrrhia an der Küche und Geta daran,daß er wieder ein Mensch ist.
Man sieht aus diesem Inhalt, wie stark die Quelle des Vitalis von derKomödie des Plautus abwich. Zugleich aber erkennt man die mittelalter-liche Zubereitung des Stoffes: Der Dichter warnt augenscheinlich vor inten-siver Beschäftigung mit der Logik, da diese zu den unsinnigsten Schlüssenführen könne. Jedenfalls hatte Vitalis sich in der Dialektik umgesehen, 2und er macht nun den faulen Schlingel Byrrhia gewissermaßen zum Ver-treter des Laienverstandes, der von den Subtilitäten der Logik nichts wissenwollte. Ohne Zweifel ist die Verwendung des Doppelgängers zum Anbrin-gen der logischen Trugschlüsse 3 geschickt benutzt, und die Komödie magdem mittelalterlichen Leser ungemein gefallen haben. Dies prägt sich inder großen Zahl von Handschriften ebenso aus wie in der häufigen Be-nutzung des Werkes bei Späteren. Immerhin ist die Abhängigkeit von der
1 357 Die age quo pacto, quibus arlibus 3 Vs. 164 Jamque probare scio quod sitAmphitryonem Fallis, et ut factis sis ego asellus homo. 167 Sum logiciis, faciain quae-simque nihil. eis animalia eunetos. 401 Sum Plato? me
2 Vs. 173 Hoc etiam didiei quod res nequit forsan artes fecere Plalonem.ulla perire.