1008 Vierter Abschnitt. Die Dichtung
Petro et Paulo (zwölf Doppelstrophen) würdigt die Bedeutung der beidenApostelfürsten für die Kirche in teilweise neuen Bildern und besingt dannihre Schicksale in Rom und ihren dortigen Tod (aus Assis. 695 s. XIIIParis. 15615 s. XIII u. a. Anal. 55, 321 f. Misset p. 201). Das Gedicht Des. Stephano protomartyre bietet ein dramatisch gestaltetes Zwiegesprächzwischen Stephanus und seinen Gegnern; dem Bericht über seinen Tod wirdhinzugefügt, daß er nach dem Zeugnis Augustins sechs Tote auferweckthabe (elf Doppelstrophen, davon gleich 1. 2. 4—8, also fünf verschiedneRhythmen, aus Mus. Brit. Add. 15722 ca. 1200, Assis. 695 s. XIII u.a. Anal.55, 341. Misset p. 172). Zwei Gedichte endlich sind dem Victor von Massiliadem Patron von Adams Kloster, gewidmet. Das erste De s. Victore Massi-liensi besingt zunächst die enge Verbindung des Märtyrers mit Christus undsodann sehr ausführlich sein Martyrium (zehn Doppelstrophen, davon gleich1—3. 5. 8, also fünf verschiedene Rhythmen; aus Assis. 695 s. XIII, Paris.14452 u. a. Anal. 55, 374. Misset p. 202). Das zweite De susceptione reli-quiarum s. Victoris Massiliensis handelt am Anfang und am Ende gleichfallsüber Victor und ergeht sich im Mittelstück Str. 4—9 über die Göttlichkeitder Musik (elf Doppelstrophen, davon gleich 1—3 und 4. 5 und 8. 9 und10. 11; aus Mus. Brit. Cotton Calig. A XIV, Vatic. 3259 s.XIII u.a. Anal.55,375. Misset p. 197).
Ueberlieferung. Das Lexikon zur Bibel, alphabetisch angelegt, befand sich nachalten Katalogen in sehr vielen Bibliotheken Englands und Frankreichs, eine Erklärungzu den Bibelprologen z. B. nach 1285 in Canterbury und 1395 in Durham. Hss. zumLexikon sind Paris. 14795, Monac. 3214 s. XIV, 7528 s. XV. Erlang. 245 246 s. XIV;zur Glosse über die Prologe Berol. 410 s. XIV f.133, 411 s.XV f.ll; Erlang. 132; Mo-nac. 5196 s. XV f. 1; zu den Sequenzen vgl. oben unter den einzelnen Stücken. Ausgabeder Sequenzen bei Migne 196, 1423—1534 (36 Gedichte), von L. Gautier, Les Oeuvrespoetiques d'Adam de St. Victor, 3 Paris 1894; von E. Misset und P. Aubry, Les prosesd'Adam de Saint-Victor, Paris 1900 (= Melanges de musicologie critique 2); die Ein-leitung zu dieser Ausgabe p.3—110 = Misset, Essai philol. et hist. surlesoeuvrespoeti-ques d'Adam de Saint-Victor, Paris 1881; die Ausgabe selbst p. 171—224 Texte undp.225—322 Texte mit Musik. 1 Vgl. K. Bartsch, Die Sequenzen des Mittelalters 170ff.F. Bonnard, Histoire de l'abbaye royale et de Fordre des chanoines reguliers de St.Vic-tor (Paris 1904) 1, 128ff. Raby, A history of Christian-latin poetry (Oxford 1927)p. 345—375.
6. ERBO
Ein Kleriker Erbo verfaßte um 1189 ein Klagegedicht in 60 meist leoni-nischen Distichen auf den Fall von Jerusalem Threni captis Hierosolyrais.Er gibt seiner Trauer über das für die Christenheit so unglückliche Ereignisin allen Einzelheiten Ausdruck und setzt diese in Beziehung zu Christus.Er hält der christlichen Welt vor Augen, welches Unglück sie betroffen habe,und ermahnt sie, in den Kampf gegen die Ungläubigen auszuziehen. Allenvoran aber müsse der Papst ziehen, da Kaiser Friedrich schon auf dem Wegeist, obwohl er eigentlich wegen seines Alters der Ruhe und der Schonungbedarf. Aber alle jungen Männer haben jetzt die Pflicht, das Kreuz zu neh-men. In zwei Schlußversen verrät der Dichter seinen Namen: Obsecro lec-torem, cum legerit haec mea, dicat: Carminis auctorem deus Erbonem benedicat.
Die Verse sind wegen der Häufung von Asyndeta auffallend, vgl. 9.11.13. 55.58.91, doch hat sich unter die Hexameter auch ein Trininus saliens geschlichen 61 urdo
1 lieber die Musik Adams vgl p. 111—166. 58 Dictat amat peragit pectore voce manu.
2 55 Viribus arte minis incestucede rapinis, Die erste Hälfte von 55 ist Leyser p. *<>*