1004 Vierter Abschnitt. Die Dichtung
Die ersten drei Gedichte 1 gelten In nativitate domini und sind christo-logischen Inhalts; das zweite hebt besonders die wunderbare Geburt her-vor und im dritten wird Christus allegorisch mit einer Nuß und ihren ein-zelnen Teilen gedeutet und ausgeführt, daß Maria bei Christi Geburt ebensounverletzt geblieben sei, wie ein Krystall, der das Feuer der Sonne aufge-nommen habe, dadurch nicht zerspringe; 2 im ersten Gedicht ist nur Doppel-strophe 9 abweichend, 4. 6. 4. 6. 4. 4. 4—7silber mit Reim ababccb, sonststets, wie auch im zweiten, aabccb; das dritte mit elf Doppelstrophen hatdavon gleich 2. 3 und 4. 5. 6. 9. 11, alle übrigen verschieden, so daß sechsverschiedene Strophenarten angewendet werden, bei Doppelstrophe 4 und 5sind auch die Einzelstrophen verschieden (Anal. hymn. 54,150—154; Missetet Aubry p. 171.177. 176). In N.4 In circumcisione domini wird der Glanzund die Macht des Christuskindes gerühmt und seine allegorische Bedeutunghervorgehoben; zehn Strophenpaare, davon gleich 1. 2. 8 und 4. 6. 7. 9, sodaß fünf verschiedene Strophenarten erscheinen, auch hier die Teile derDoppelstrophen 5 und 7 ungleich (Anal. 54, 160f. Misset p. 178). In octavisEpiphaniae (neun gleiche Doppelstrophen, Reim aaab—cccb) wird die An-betung der Könige besungen und der Unterschied der Synagoge vom neuenGlauben gekennzeichnet (Anal. 54, 161 f. Misset p. 180). Im sechsten Ge-dicht In transfiguratione domini wird der Grund zur Feier angegeben unddie Ursachen des Festes aus dem biblischen Berichte bestimmt, wobei so-gar Lucas als von Matthäus abweichend hingestellt wird und der Dichtersich sehr genau an den Wortlaut der Bibel hält; 12 Strophenpaare und eineSchlußstrophe, davon 1. 2. 4. 5—9 und 10. 11 gleich, verschieden 5. 12 undSchlußstrophe, so daß fünf verschiedene Strophenarten erscheinen (Anal. 54,163f. Misset p. 204). N. 7 De saneta cruce betont die mystische Bedeutungdes Kreuzes stark, wie auch der Verfasser selbst hervorhebt: 3 Das Kreuzist die Leiter der Sünden, seine vier Enden bedeuten die vier Weltgegenden. 4Schon mit ihm schlug Moses Wasser aus dem Felsen, und in keinem Hauseist Heil, wenn nicht die Schwelle mit dem Kreuz bezeichnet ist; Eingangs-und zehn Doppelstrophen, von denen gleich sind Eingang, 1. 3—7 und 8.9,ungleich 2. 10, also vier Strophenformen. Doppelstrophe 7 hat außer demüblichen Reim auch Binnenreim 5 (Anal. 54, 188f. Misset p. 189). Die sechsnächsten Gedichte lauten In resurrectione domini. Im ersten (Eingangs-,End- und sieben Doppelstrophen, davon gleich Eingang, 1. 2 und 4. 5, un-gleich 3. 6. 7. Endstrophe, also sechs Formen) wird als das neue PassahChristus besungen, der im Alten Bunde durch Simson vorbedeutet wurde.Das zweite (acht Doppelstrophen, gleich 1—3. 6—8 und 4. 5; 6 jambischeAchtsilber zu zweit gereimt). Das dritte Gedicht (sechs Doppelstrophen,
1 Ich führe die Gedichte nach Blume und 3 7, 1, 1 In scripturis sub figuris IslaBannister, Analecta hymnica 54, 150ff. latent.
55, 3ff. vor, obwohl die Ausgabe von 4 Vgl. Sedul P. C. 5, 188—195.
Misset et Aubry sich im einzelnen genauer 5 7, 1, 1 In scripturis sub figuris Isla h-
an die hdschr. Ueberlieferung zu halten tent, sed iam patent Crucis benefiaa.
scheint. 6 Erst je zwei, dann je vier Achtsilber; der
2 4,1,1 Si crystallus sit humeeta Atque soli Herausgeber meint vielleicht richtig, daßsit obieeta, Scintillat igniculum: 4, 2, 1 Nee die Sequenz ursprünglich aus Zweizeilerncrystallus rumpitur Nee in partu solvitur Pu- bestand.
doris signaculum.