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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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1002 Vierter Abschnitt. Die Dichtung

wegen des Todes von Christi Bruder Jakobus, der als erster Bischof imTempel von Petrus eingesetzt wurde. Der Tempel, wie er jetzt steht sollvon Justinian oder von Helena oder Kaiser Heraklius aufgebaut seinglücklicherweise konnte er wie das hl. Grab den Türken entrissen werden!Diese haben ihn freilich nicht beraubt, wohl aber haben das Christen mitseinen Mosaiken und Marmorstücken getan. Balduin möge dem Tempelden Baub zurückgeben, dessen vierte Weihe im Sommer erfolgen mögenachdem die Juden ihn dreimal geweiht hatten. Das Gedicht lehnt sichmeist eng an den Wortlaut der Bibel an 1 und besitzt einen klaren und ver-ständlichen Stil. Die Fünfzehnsilber sind nicht strophisch gegliedert, son-dern durch Tiradenreim gebunden.

Ueberlieferung. Die Hs.Vat.reg. 150 s.XIIf. 159b164a (517Verse) wird ergänztdurch ein Fragment in Braunschweig (Stadtbibliothek), .Bruchstück [24]' s. XII, das264 Verse enthält, von denen Vs. 194 dem Vaticanus fehlen und wohl am bestennach Vs. 194 V. einzusetzen sind (nach P. Lehmann). Ausgabe des Vat. von Marquisde Vogue, Archives de l'Orient latin 1, 567579; diese Ausgabe blieb mir unbekannt,erst P. L e h m a n n, der als erster die Zusammengehörigkeit der beiden Stücke erkannte undNeuausgabe plant, hat mich gütigst auf sie aufmerksam gemacht, da mir nur der Druckdes Braunschweiger Fragments von W. Brandes, Neues Archiv 14, 424 ff. bekannt war.

4. IMBRICO VON WÜRZBURG

Vom Bischof Imbrico von Würzburg (11251146), dessen Sprengel injenen Jahrzehnten literarisch fast brach liegt, besitzen wir ein Gedicht von102 gereimten Hexametern unter dem Titel Lessus paenitentis. ConfessioImbriconis episcopi Wirceburgensis. Es ist eine Beichte, in der der Dichteretwa folgendes ausführt:Wenn ich bedenke, was ich in meinen Sündenbin, so muß ich sagen: Gott, was soll ich tun ? Wer wird mein Herz erleich-tern ? Alles Üble habe ich getan und alle Sinne sind mir zum Verderbengeworden. 2 Und ich bin zum Bischof ohne mein Verdienst erhöht worden,da doch niemand so große Sünden getan hat wie ich. Aber ich verzage nichtund bitte Christus und Gott um Hilfe. Und es ist gut, daß es unter denVorfahren von Christi Mutter auch Sünderinnen gegeben hat, wie Thamarund die Frau des Urias solche waren. Also bitte auch ich Christus um Gnade."

Ueberlieferung im Vorauiensis 33 (111) s. XII XIII. Vindob. 878. Ausgabe von Blu-me, Analecta hymnica 33, 234ff. N. 237.

5. ADAM VON ST. VICTORVon Adams Persönlichkeit ist nur wenig bekannt, trotzdem er einer derbedeutendsten liturgischen Dichter des Mittelalters war. Vielleicht wird ermit Recht als Brito bezeichnet und er trat jedenfalls zu Paris in das StiftSt. Victor ein und wurde dort Schüler des berühmten Gelehrten Hugo. Hierhat er in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts als Kanonikus gelebt, undda er eine Sequenz auf Thomas Becket dichtete, 3 muß er dessen Heiligspre-chung erlebt haben. Als sein Todesjahr wird gewöhnlich 1192 angenommen. 4

Zeugnisse. Hist. litt. 15, 39. L. Gautier, Oeuvres poetiques dAdam de Saint-Victor 3 , Paris 1894. 5 Eug. Misset, Essai philol. et litt, sur les oeuvres poetiques d'Adara

1 Außerdem ist Josephus und Eusebius 3 ed. Misset et Aubry N. 4 p. 175f.benutzt. * Zwei Epitaphien, davon ein selbstge-

2 Dieser Gedanke wird Vs. 1838 weiter dichtetes, bei Migne 196, 1422C.ausgeführt und durch biblische Beispiele 6 Vgl. Bibl. de Fecoles des chartes 4, 5erläutert. p. 169 ff.