998 Vierter Abschnitt. Die Dichtung
tenzenreiches Gedicht betitelt sich nach einer Terenzstelle (Phorm. 186) Deeoquilavatlaterem: Wer eine Volljährige vor Schaden bewahren, eine an freies Leben Gewöhnteeinschließen will, der wäscht Ziegel, so wie der am Gestade sät, wer den Schlichen derSchlange nachspürt, denn sie weiß alles zu hintergehen, ebenso wie der Fuchs unter demfrommen Gewand der Taube seine Listen ausführt. Und wer sich vom Weibe umgarnenläßt, der denke nur an Salomos Ende; die öffentliche Meinung betrachtet ihn als ver-lornen Mann. (Drei Strophen von 15 Zeilen Fünf-, Sechs- und Siebensilber 1 aus beiDreves Anal. 21,157, 224.)
2. GODESCALG VON LIMBURG
Godescalc, dessen Herkunft unbekannt ist, war in der zweiten Hälftedes 11. Jahrhunderts Mönch in Limburg. Er verfaßte Sequenzen und er-litt wegen dieser Dichtungen allerhand Angriffe, so daß ej sich genötigtsah, in einigen kleineren Schriften seine Lieder zu verteidigen. Das hierbeibewiesene literarische Geschick mochte den Königshof auf ihn aufmerk-sam machen, und er wurde daher zum Hofkaplan Heinrichs IV. und zumPropst am Liebfrauenmünster in Aachen ernannt. Später zog er sich indas Kloster Klingenmünster zurück und widmete dem Kaiser eine Se-quenzensammlung, die Wimpheling noch sah, während sie heute ver-loren ist. Wahrscheinlich gehört in dieselbe Zeit eine Sammlung von vierPredigten, die der Anonymus Mellicensis kannte und die noch im großenKatalog von Prüfening 1347 erscheint. Diese Predigten sind aber nicht,wie v. Winterfeld meinte, 2 mit jenen Verteidigungsschriften der Se-quenzen identisch, denn die in jenem Katalog angefübrten Titel sprechendagegen. Gundlach 3 wollte dem Godescalc das Carmen de bello Saxonicound sogar die Vita Heinrici IV. zuschreiben; das erstere ist aber sachlichsehr unwahrscheinlich, und da Godescalc schon um 1098 gestorben ist, soist seine Autorschaft am Leben Heinrichs IV. natürlich ausgeschlossen.
Zeugnisse. Mönch in Limburg vgl. Opusc. 3, 21 (G. M. Dreves, Gottschalk Mönchvon Limburg a. d. Hardt, Leipzig 1897) S. 129 Abundium, cuius corpus in monasterioLintburgensi nos ibidem tenemus famulantes. Daß er bei Abfassung von Opus. 2 vier Se-quenzen verfaßt hatte, erwähnt er 2,12 p. 105 und seine Op. 1 und 2 sind der Verteidi-gung der Mariensequenzen Fecunda verbo und Exsulta exaltata gewidmet; zur Verfasser-schaft vgl. 2, 10 p. 102 Quod aHieronymo qui caelum est ambigitur . . . a Godescalco quicaenum est quomodo affirmaretur und am Schluß Ecce sequentiola quam composui docentedominoegoqualiscunque idiota... sequentiolapeccatorisGodescalci. Daß ihm Daniel, Thes.hymn. 2, 35 ff. fünf Sequenzen beilegt und zwar drei ohne nähere Quellenangabe, be-ruht auf Wimpheling, 4 De himnorum et sequentiarum auctoribus, wo nach Dreves(S. 27) sich der Passus findet Godescaleus quoque capellanus Henrici tertii imperatoris etpraepositus Aquensis scripsit sequentias. Inter quas sunt nonnullae quibus utimur puta:Caeli enarrant gloriam dei. Dixit dominus ex Basan. Laus tibi Christe. Psallite regi. Exul-tent filie Sion. Damit stimmt die Angabe bei Quix (Necrologium eccl. b. Mariae virg.Aquensis, Aachen 1830 p. 65) VIII Kai. Dec. . . . obiit Godescaleus praepositus fraler nosteret presbiter, qui divisionem apostolorum celebrem fecit (Sequenz Caeli enarrant); vgl. außer-dem Quix, Geschichte d. Stadt Aachen 1, 53. 75, wo das Todesjahr 1098 angegeben wird.
Zu den vier Predigten vgl. Anon. Mellicensis 114 ed. Ettlinger S. 95 Gotscalchus mo-nachus Declinge 5 scripsit inter alia libellum quattuor sermonum quorum primus estdecon-ceptione s. Johannis baptiste, seeundus de s. Maria, tercius de dispersione apostolorum,
1 Reim ababeedababbab. 4 Der das alte Sequentiar von Klingen-
2 Neues Archiv 27, 511. münster benutzte.
3 Ein Dictator aus der Kanzlei Hein- 6 Das wird von Ettlinger als Klosterrichs IV., Innsbruck 1884 und Wer ist der Deggingen bei Nördlingen erklärt, was vonVerf. des Carmen de b. Saxonico, Inns- v. Winterfeld aber (N. A. 27, 510) mitbrück 1887; vgl. Neues Archiv 13, 237. Recht zurückgewiesen wird.