Druckschrift 
3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
Entstehung
Seite
996
Einzelbild herunterladen
 

996 Vierter Abschnitt. Die Dichtung

s. XIII bei Dreves, Anal. 21, 152f. N. 219; auch Carm. Burana N.189 H.). Zur Nach-ahmung dient der Inhalt des Gedichtes Dictamen de presbyteris in achtzehn Va-gantenstrophen. Es gebe viele Priester, meint der Dichter, die nicht wissen, was derHahn auf ihrer Kirche zu bedeuten hat. Und so setzt er in fünfzehn Strophen den Hahnin Beziehung zum Pleban, indem er diesem die vielen löblichen Eigenschaften des Hahnesals nachahmenswert vorhält; am Ende fordert er den Pleban auf, es dem Hahn nachzutun (aus Engelberg. 314 s. XIV und Vindob. 883 s. XIV/XV bei Blume, Anal. 33190 ff. N.213), aus vielen Hss. bei Rheinfelder, Bayer. Blätter, f. d. Gymnasialschul-wesen 65 (1929, 83 ff.). De pastore et mercenario zeichnet in scharfen Strichen denUnterschied eines wirklichen Geistlichen, wie er sein soll, von einem Manne, der nur desLohnes wegen seine Stelle versieht; 51 halbe Vagantenstrophen (aus Vindob 883 sXIV/XV bei Blume, Anal. 33, 195198 N. 215). De praelatis et subditis bezeich-net einen scharfen Ausfall gegen die hohe Geistlichkeit in sechzehn Vagantenstrophen.Hier werden mit großer Anschaulichkeit die Veränderungen geschildert, die sich beitörichten Menschen ergeben, wenn sie erst Geistliche geworden sind: Sie schinden dasVolk in der gröbsten Weise und suchen aus ihren Untertanen möglichst viel heraus-zuschlagen (bei Dreves, Anal. 15, 247f. N. 223).

1) Persönliche Stoffe

In einem Gedicht De morte spricht sich der Dichter mit großer Offenheit überseinen Tod aus und stellt dar, wie es die Seinigen damit halten werden. Sodann äußerter sich über den Zustand des Körpers im Grabe und bittet Gott um Beistand beimjüngsten Gerichte (aus Monac. 641 s. XV bei Dreves, Anal. 15, 269f. N. 235). InDe chori officio (24 Vagantenstrophen) vergleicht der Dichter den Zusammentrittder Geistlichen auf dem Chore mit der Zusammenkunft der Ritter beim Turnier. Erhält es für den Mönch für unbedingt notwendig, die Matutin zu singen und preist daszeitige Aufstehen als Mittel, das Leben zu verlängern. Schließlich erzählt er von einemMönche, der viel Kenntnisse in der Medizin besaß und deshalb von den Großendieser Erde häufig aufgesucht wurde; doch wurde er für die Vigilien untauglich, dennman verwöhnte ihn und er wollte nicht mehr singen. Eine Vision brachte ihn aber schließ-lich auf den richtigen Weg, und nachdem er den Rat des Abtes angenommen hatte, wurdeer ein sehr brauchbares Mitglied des Klosters (aus Vind. 883 s. XIV/XV und 3848 s.XVbei Dreves, Anal. 15, 259ff. N. 229). In Status clericalis aliis preferendus be-lehrt ein Vater in zwölf Vagantenstrophen seinen Sohn darüber, welche Lasten die ein-zelnen Gewerbe zu tragen haben und er erwähnt hierbei die Schmiede, Wagner, Kürsch-ner, Schuhmacher, Weber, Kaufleute, Fischer, Schankwirte, Bauern und Adeligen.Und er führt ihm zu Gemüte, wie gut es dagegen ein Kleriker hat, dessen reiches undangenehmes Leben er in den Schlußstrophen darlegt (aus Guelferb. Heimst. 1140 s. XVund Vindob. 883 s. XIV/XV bei Blume, Anal. 33, 332f. N. 274).

Hieran sei noch einiges Antike gereiht. Ein Dichter behandelt das Thema Qu odveritas odium parit in drei Strophen (zwei zu neun und eine zu vierzehn Zeilen, ver-schieden gebaut und gereimt), ein Terenzspruch (And. 1, 1, 41), der im Mittelalterhäufig erscheint (aus Laur. Plut. 29, 1 bei Dreves, Anal. 21, 124 N. 180). Ein seltsamesGedicht ist der Proteus, in 28 Vagantenstrophen, in denen Str. 127 Vs. 7f. ein Hexa-meter aus Horaz 1 ist, wonach das Gedicht vielleicht englische Abkunft besitzt. Vielfachenthalten die einzelnen Strophen Paradoxa, die durch den Horazvers einen gewissenAusgleich finden, doch scheint der Dichter diese Horazverse mehr zum Ausgangspunktvon Erklärungen genommen zu haben, die er ihnen dann voranstellte. Am Ende sagter, daß er noch mehr Paradoxa aus Horaz hätte vorbringen können, doch er überlassedem Leser das Auflesen von nützlicheren Körnern 2 (aus Vindob. 883 s. XIV/XV beiBlume, Anal. 33, 340ff. N. 278). Außerdem sei hier bemerkt, daß so maches geistlicheGedicht mit irgendeinem antiken Vers oder Gedanken beginnt und also zum Teil wenig-stens in der Antike wurzelt. Ich erwähne hier Anal, hymn.21, 109 N. 169 3 Cum animad-verterem Dist. Catonis prol. 1; 133 N. 191 4 Caelum non animum Mutat stabilitas Hör.Ep. 1, 11, 27 (vgl. 3, lf. Hör. 1, 2, 40. 5, lf. Hör. 1, 1, 90 und 5, 11 f. wieder 1, 41, 27);151 N. 216 5 O curas hominum Pers. 1, 1; 106 N. 157 Nitimur in vetitum Et negata cupimusOvid. Am. 3, 4, 17. Zu vergleichen ist auch Anal. 21, 124 N. 179, 2, 4f. Nusquam tutafides, Experto credite Verg. Aen. 4, 373. 11, 283, oder 21, 145 N. 207 1, 3 Fungar tarnenvice cotis und 5, 7 Fallit enim vitium Specie virtutis Hör. Ep. 2, 3, 304 und Juv. 14,109.

1 Dabei dient auch die mittelalterliche Zu- noveris utiliora ist jedenfalls mittelalterlich,dichtung Oderunt peccare mali formidine 3 Carm. Burana 221.

poenae zu Ep. 1, 16, 52 als Str. 15, 7f. 4 Carm. Bur. 15.

2 Dieser Vers 28, 7 Ergo legas grana quae B Carm. Bur. 157.