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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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994 Vierter Abschnitt. Die Dichtung

h) Beichten, Gebete

Ein ausführliches Beichtgedicht ist der Lessus poenitentiae, der aus 76 Strophenzu je sechs Zeilen (je drei trochäische Acht- und Siebensilber, Reim ganz durchgeführtwenn auch öfters mangelhaft) besteht. Unter Anrufung der Trinität wird das Be-kenntnis abgelegt, daß der Beichtende ohne Gott nichts ist und der Dichter schüttetnun sein Herz vor Gott aus und bittet unter vielfacher Beziehung auf den verlorenenSohn um Vergebung der Sünden (aus Gratianop. 265 s. XII bei Dreves, Anal. 15241247 N. 222). Modus confitendi nennt sich ein größeres Beichtgedicht, das aus23 einzelnen Stücken von sehr verschiedener Ausdehnung vier bis achtundzwanzigStrophen besteht, doch gleichen Rhythmus besitzt (Strophe zu je zweimal zweitrochäischen Acht- und einem Siebensilber, Reim aabccb). Abweichend vom gewöhn-lichen beichtet hier ein Weib: 1 Der Ruhmsucht wegen sei sie allen Aeußerlichkeitennachgegangen. Es folgen die Sünden, die sie aus Neid und Mißgunst begangen habedann was sie durch schlechte Worte gesündigt habe. 2 Im vierten Gedicht klagt sie siclider Liebe zur Welt, mürrischen Wesens, der Faulheit auf dem Chore, 3 in den folgendender Götzendienerei, der Eßlust, der Unenthaltsamkeit an. Weiter habe sie ihre Zungenicht im Zaume gehalten, sie habe Gott gelästert und gegen Gott gemurrt (10, 8, 2Galieni Facta sum discipula), sie habe sich Gott gleichgestellt, oft falsch geschworenund gelogen, 4 andere verkleinert, an falscher Furcht, unordentlicher Liebe und eingebil-detem Schmerz gelitten, und wo sie Gott hätte loben sollen, habe sie das Gegenteil getan.Dann wiederholt sie im 17. Gedicht all ihre Sünden mit knapp gehäuften Worten, läßtVergehen folgen, die durch Unterlassung des Guten begangen wurden; und sie habenicht nur alte und neue Vorschriften, sondern den Glauben selbst durch Irrtum undUnglauben aller Art 5 verletzt, die Taufe geschändet und mit allen ihren Gliedern Sündenbegangen. Im letzten (23.) Gedicht zählt sie schließlich alle die Tugenden auf, die sieauszuüben vergessen hat (aus Vindob. 883 bei Blume, Anal. 33, 238257 N. 239. Einlebendig und frisch geschriebenes Gedicht in 16 Vagantenstrophen ist die Adhortatioad paenitentiam, die zur Buße und Umkehr auffordert (aus Vindob. 883 und Lips.271s. XIII bei Blume, Anal. 33, 292f. N. 259. Eine Beichte für Heinrich II. von England,diesem vorgelegt von William Fitz Stephen, 6 dem Anhänger und Biographen deshl. Thomas, ist zugleich Gebet und Sündenbekenntnis und bezeichnet eine tiefe Demüti-gung des Königs vor Gott. Das Gedicht besitzt 42 Strophen, von denen 38 vier und 4sechs Verse (trochäische Acht- und Siebensilber, die Achtsilber mit Binnenreim, sonstabcb); 29, 1 nach Hör. G. 1, 4, 13f. 37, 3 nach Hör. C. 3, 4, 65 (aus Oxon. Douce 287s. XIII bei Dreves, Anal. 15, 239ff. N. 221).

i) Didaktische Gedichte

In De regula Benedicti von neun Vagantenzeilen stellt der Dichter das GesetzMosis mit der Regel Benedikts zusammen und vergleicht den Sinai mit dem MonsCasinus (aus Casin. 295 s. XII/XIII bei Dreves, Anal. 15, 267f. N. 233). Das Ge-dicht Fortuna quam sit mutabilis besteht aus fünf Strophen zu je 16 Zeilen,abwechselnd Vier- und Sechssilbern mit oft willkürlichen Reimen 7 und handelt überdie Unbeständigkeit des Glücks, das arm und reich durcheinanderkehrt. Biblischesund antikes wird hier zusammengebracht 8 und Beispiele aus dem Altertum vor-geführt, wie Darius und Pompejus, Troja und Karthago. Der Dichter erklärt, daßer lieber die mittle Stufe 9 wähle, denn wie das welke Kraut sinke das Glück dahinund es sei dem heute blühenden Acker zu vergleichen, der morgen in Trockenheitvergehe (aus Oxon. Rawlinson C 510 s. XIII und Laur. Plut. 29, 1 s. XIII bei Dreves,Anal. 21, 102f. N. 152; Carm. Burana N. 14). Ein hohes Lob auf das Studium in derSchule enthält das Gedicht Laudes studii scholaris: Sowohl Papst wie Kardinäle

1 Anscheinend eine Nonne; ob freilich Willelmus filius Stephani per orationemein weiblicher Verfasser in Frage kommt, ist unam quam fecerat et regi. . . dederat, pacemdurchaus unsicher. habuit. Haec autem est illa oratio propria

2 3, 9, 3 Sum incendiaria. domini regis Anglorum.

3 4, 16, 1 Stans in choro dissoluta, Fui ' Oefters scheint es mehr Assonanz alsgestu, canlu muta Ut idolum Iunonis,- 19,-4 Reim zu sein.

Sum ut cactus qui . . . quaerit salmones 8 1, 13 De stercore Pauperem erigens, De

manducare. rhetore consulem eligens (Juv. 7, 197). 2, 1

4 13, 3, 4 Infinities peccavi. Edificat Fortuna, diruit nach Hör. Ep. 1,1,

5 20, 6, lff. und 7, lff. wird allerhand 100.

heidnischer Aberglauben genannt. 9 3, 7 Eligere Media tutius nach Ovid..

6 Eingeführt von der Hs. der Vita Thomae Met. 2,137.