992 Vierter Abschnitt. Die Dichtung
Philadelphia bestehe sie. 1 Zugleich spricht sie sich über den geistlichen Nieder-gang aus, indem die Kleriker verweltlicht seien, und sie bittet Gott um Abhilfeund Beistand (aus Garnot. 341 s. XIV bei Dreves, Anal. 15, 250ff. N. 225). Derabecedarische Hymnus Alphabetum de bonis sacerdotibus in 23 Strophen zuje drei Fünfzehnsilbern 2 gibt die Anleitung für die Geistlichen, die christlichen Tu-genden zu üben und vorbildliche Hirten zu sein (aus Sangall. 573 s. IX — X und Paris528 s. IX bei Dümmler, Poet. lat. aevi Carol. 1, 79 und Dreves, Anal. 33, i86ffN. 211): Auch das Alphabetum de malis sacerdotibus von 23 Strophen ist einAbecedar, in dem der Dichter darüber klagt, daß der alte tüchtige Priesterstand gewichensei und überall Verweltlichung Platz gegriffen habe, was mit biblischen Bildern und Ge-danken 3 ausgeführt wird; die Strophen besitzen je drei jambische rhythmische Senare(oder fünf - ; + sieben j - ) und einen Adonius. Ein wunderbar phantastisches Ge-dicht ist De extremo iudicio in 23 Vagantenstrophen: Bevor der Tag des jüngstenGerichts kommt, werden nach Hieronymus an fünfzehn Tagen allerhand Vorzeichenerscheinen und sie werden denen, die an der Welt hängen, den Vorgeschmack der Höllen-qualen geben. Das Meer wird steigen und fallen, die Fische werden wehklagen, 4 Meerund Ströme brennen. Die ganze Erde wird mit Blut bedeckt, alle Städte, Türme undMauern fallen zusammen, die Steine kämpfen gegeneinander. Die ganze Erde bebtalle Berge und Hügel fallen auf sie. Die Höhlenbewohner werden hervorschreiten undüber das platte Land gehen, die Gräber öffnen sich und die Totengebeine fallen heraus.Die Sterne fallen vom Himmel und Flammen erscheinen in den Lüften. Alle Menschensterben. Die Oberfläche des Himmels und die Erde fängt an zu brennen, Himmel undErde nehmen andre Gestalt an. Da erscheint Christus als Weltenrichter und alles eiltzum jüngsten Gericht und alle Gedanken werden offenbar und danach werden Strafenund Belohnungen gegeben werden. Also möge der Mensch beizeiten an das jüngste Gerichtdenken und sich bessern (aus Vindob. 883 und Monac. 11601 s. XIV bei Dreves, Anal.33, 294f. N. 260). 6 Das Gedicht De s. cruce in 35 leoninischen Hexametern enthälteine Anbetung des Kreuzes und Anrufung desselben unter einer großen Anzahl vonBeiwörtern und Attributen 6 (aus Paris. 10510 s. XII bei Reiners, Die Tropen S. 90■ (1884), bei Kraus, Oesterr. Vierteljahrsschrift f. kath. Theol. 2, 54f. und bei Dreves,Anal. 34, 28 N. 24).
g) Geistliche Moral
Gegen diejenigen, die im Glücke groß und im Unglück klein sind, richtet sich dasGedicht Quod in rebus prosperis non sit gloriandum in zwei Strophen vonje neun Siebensilbern mit dem Reim ababccddc, wo Str. 1, lf. aus Ovid. Amat. 2,437genommen ist (aus Laur. Plut. 29, 1 s. XIII bei Dreves-, Anal. 21, 104 N. 153). DasGedicht De vita religiosa bietet sehr allgemeine Ratschläge für ein gottesfürchtigesLeben und schließt sich an die Dicta Catonis an 5,1 Audi quid te doceat Ethica Calonis:Malos vita cautius, Ambula cum bonis (aus Monac. 641 bei Dreves, Anal. 33, 198ff.N. 218; es sind 21 Vagantenstrophen). In dem Gedicht Speculum Claustraliumwird einem Novizen ausführlicher Unterricht über seine künftigen geistlichen Pflichtengegeben; es enthält 52 Strophen von je vier Sieben- und vier Sechssilbern, auch bloßSechssilbern oder auch gemischten Versen, also eine sehr wenig strenge Form; dieersten acht Strophen sind Vagantenstrophen. Zunächst wird dem jungen Mönch dieAbwerfung aller Gedanken an die Welt empfohlen und dann der dreifache Kampfgegen Welt, Fleisch und Teufel vorgeführt, wozu die Demut hauptsächlich diene. AlleBrüder möge er mit gleicher Liebe behandeln und er sei fleißig in geistlichen Dingen,er schweige zur rechten Zeit und sei mäßig, er sei mild in seinem Urteil, vorsichtig inseiner Rede, er verkehre mit den Guten und vermeide den Umgang mit den Bösen, erlache nicht unmäßig und sei kein Schmeichler, er vermeide Geschenke anzunehmen undäußerliche Dinge zu treiben (aus Matrit. 2 N. 4 s. XIII/XIV bei Blume, Anal. 33,211 ff. N. 222). Ein Gedicht De vitiis capitalibus, vielleicht englischer Herkunft,behandelt in zwölf sechszeiligen Vagantenstrophen mit angehängtem Hexameter 7 zu-erst die Vermeidung der Sünden und wendet sich Str. 5—12 zu den acht Hauptsünden;
1 2, 27, 5 Sola Pkiladelphiensis Perseverat bei Dumeril, Poes, popul. lat. du moyenhodie (am Tmolus in Lydien, heute Allah äge p.122, mit 259 bei Wright, The lat.Schehr). poems commonly attrib. to Walter Map
2 Assonanz zeigt sich häufiger als Reim. p. 52 ff.
3 Das Wort elatrare Str. 17, 2 stammt 6 Wie Vs. 20 Carbasus et transtrum remexwohl aus Hör. 1, 18, 18. antemnaque clavum Es.
* 6,1 Die pisces tertia Super fluctus stabunt 7 Nur 3, 7 f. ist ein Pentameter (Ovid.Et mugitus maximos contra caelum dabunt. Pont. 1, 6, 44 mit Aenderung). Der Reim6 Mit Anal. hymn. 258 und 259 verbunden ist aab ccbdb.