990 Vierter Abschnitt. [Die Dichtung
vier Zehnsilbern (N. 22 bis 25). Aus dem Cod. Calixtinus zu Compostella gedruckt vonD r e v e s, Anal. hymn. 17,191—218 als Anhang zu liturgischen Reimoffizien aus Spanien
Eine Litania omnium sanctorum aus 48 Strophen von je vier abwechselndentrochäischen Sieben- und vier Sechssilbern 1 handelt von Christus, Maria, ErzengelnEngeln, Propheten, Patriarchen und Aposteln, deren Wirken gepriesen wird; dannkommt der Dichter auf die Märtyrer, unter ihnen auf König Oswald, Erzbischof ThomasBecket und König Edmund, ferner auf weibliche Heilige, wie Magdalena, KatharinaMargareta, Agnes und Caecilia, deren Beistand er unter Aufwendung vieler Beredsam-keit erbittet (aus Oxon. Rawlinson C 510 s. XIII bei Dreves, Anal. hymn. 15, lßjN. 130). Von Gedichten auf die hl. Anna ist zu erwähnen der Rhythmus in 124 tro-chäischen Achtsilbern (Reim aa bb cc etc.) (aus Mus. Brit. Cotton. Vitell. A XVIIIs. XII bei Dreves ib. 15, 186ff. N.157). Vielfach wurde Bernhard von Clairvauxbesungen, wie in Anal. hymn. 15, 193ff. N. 164; 195 N. 165; 196 N. 166. 167. Auf denOrtspatron geht der Hymnus De s. Floriano in sieben Strophen zu acht Zeilen, ab-wechselnd trochäische Sieben- und Sechssilber. Nicht selten wurde die hl. Katharinagefeiert, wie sich in den Gedichten Anal. hymn. 15, 214—218 N. 192—195 ergibt. DerBegründer des Bistums Salzburg erhielt einen Hymnus Des. Rudbertoin48 Strophenvon je vier Zeilen (zwei trochäische Acht- und zwei Siebensilber, Reim abab), der sicheng an die alte Ueberlieferung anschließt und erzählt, daß Rupert von königlicher Her-kunft und Bischof in Worms gewesen sei: von dort vertrieben gewann er den BayernherzogTheodo für das Christentum, übte Mission an der Donau bis Lorch aus und begründeteauf dem alten Juvavum eine Kirche, wo er Bischof wurde und schließlich seinen Nach-folger Vitalis ernannte. 2 In 33 Strophen von je fünf hyperkatalektischen daktylischenTetrametern, also einem Odenmaße nach Prud. Cath. 3, wird die Geschichte des hl.Vincentius und seines Raben breit und ausführlich behandelt 3 (aus Duac. 362 s. XIIbei Dreves, Anal. 33, 336ff. N. 277). In einem Gedicht von 13 recht merkwürdigenStrophen erzählt ein Dichter die ganze Lebens- und Leidensgeschichte des ThomasBecket; es sind acht Strophen zu vier, vier Strophen zu sechs und eine Strophe zu fünfZeilen, aber alle von ganz unregelmäßigem Bau (aus Trevir. capit. 116 bei Dreves,Anal. 29, 175f. N. 328). 4 In den 34 Hexametern eines Reimoffiziums auf den hl. An-toninus von Apamea (Anal. 45 N. 12 p. 34) zeigt sich Anlehnung an Sedulius undVergil: Vs. 4 Sedul. P. C. 1, 357; 8 Sedul. 3, 107; 23 Aen. 9, 70; 27 Aen. 1, 301. Einesehr tiefsinnige Sequenz deutschen Ursprungs De s. Iohanne evangelista beginntmit dem Logos, den Johannes den Menschen brachte, und rühmt diesen, daß er in denHimmel aufstieg und dessen Herrlichkeit sah und hörte, (die Str. 7—14 nach der Apo-kalypse) ; dann wird des Johannes Adlerflug und seine Bedeutung für Christus und dieWelt besungen. Es sind elf Doppelstrophen, deren erste fünf Zeilen besitzt, nämlich viertrochäische Sieben- und einen Sechssilber, während Str. 2—11 je drei Zeilen, zwei Acht-und einen Siebensilber hat (aus Graec. 479 s. XII, Monac. 13125 s. XII und vielen an-dern Hss. bei Dreves, Anal. 55, 211 f. N. 188). Eine Sequenz De s. Georgio berichtetkurz die Geschichte des Heiligen und macht am Schluß auf seine Wunder aufmerksam;sie hat fünf Doppelstrophen von je vier bis sieben Zeilen und auch die Einzelstrophender Doppelstrophen sind vers- und reimtechnisch voneinander verschieden (aus Oxon.Mise, liturg. 341 s. XII und späteren Hss. bei Dreves, Anal. 55, 168f. N. 147). In einerSequenz De s. Huberto wird kurz von der Heimat des Heiligen und dann von seinenWundern erzählt; sie besitzt neun Doppelstrophen zu je drei Zeilen, zwei trochäischeAcht- und ein Siebensilber (aus Namurc. 15 s. XII/XIII in Acta SS. Nov. 1, 851 undbei Dreves, Anal. 55, 191 f. N. 171).
Bald nach 1165 (Heiligsprechung Karls) entstand im Aachener Gebiet die SequenzDe s. Karolo Magno imperatore. In ihr wird Aachen aufgefordert, das Lob Karlszu singen, der so große Taten vollbrachte und Streiter Christi war, indem er gegen dieHeiden kämpfte, ihre Götzen zerbrach und mit Gerechtigkeit und Erbarmen geherrschthat, so daß er vor allen Königen den Vorzug verdient. Am Schluß wird der Kaiser nebstMaria um Fürbitte für den Dichter ersucht. Das Gedicht hat acht Doppelstrophen,von denen 1. 2 und 4. 5 gleich sind (zwei trochäische Acht- und ein Siebensilber), dieübrigen vier sind alle verschieden (bei Dreves, Anal. 55, 225f. N. 201). DeutschenUrsprungs ist auch die Sequenz De s. Katherina, 5 die das Martyrium der Heiligen
1 Mit dem Reim abebdbeb. Arundel 201 s. XIII bei Dreves, Anal.
2 Aus Monac. 3012 s. XV und 19354 bei hymn. 29, 61—80 N. 144—156 und ausDreves, Anal. h. 15, 230ff. N. 214. Arundel 203 s. XV ib. p. 80—89 gedruck sind.
3 30, 5 Quomodo mellificatis apes nach 6 Auch aus Deutschland stammen die Ka-Anth. lat. 257, 2. tharinasequenzen bei Dreves, Anal. hymn.
4 Meist über englischeMärtyrerund Heilige 55, 229—233 N. 203—206, ebenso Des.handeln die Hymnen, die aus Mus. Brit. Margareta p. 260 N. 232.