F. Weltliche und geistliche Lyrik 989
Zahl abnimmt, so daß sie mit ihrer Wurzel gleich ist. Der Musiker erstaunt, daß Gottzum Menschen, die Wolke zum Licht ward, da doch alles Zusammengesetzte der musi-kalischen Proportion unterliegt. Und auch alle geometrischen Größen wandeln sich,der Punkt wird größer als die Linie und der Mittelpunkt geht aus dem Kreise heraus.Der Astronom sieht, daß die Sonne nun hinter einem Stern verborgen ist, dessen Lichtstärker als sie leuchtet. Also die Grundfesten des Brkennens und der Wissenschaftstürzen vor diesem Wunder (aus Matrit. B. b. 150 s. XIV bei Dreves 32, 233ff. N. 192beginnend Ymago imitago). 1 Eine Sequenz über das gleiche Thema rühmt die unbefleckteEmpfängnis und die Geburt Christi: Wie die Sonne Glas durchdringt und es mit ihremLichte nicht verletzt, so wurde Maria fruchtbar, ohne daß ihr jungfräulicher Standlitt. Das Gedicht 2 hat acht Doppelstrophen zu je drei Zeilen, nämlich zwei trochäischenAcht- und einem Siebensilber und ist wohl englischen Ursprungs (aus Mancun. Crawfordlat. 24 s. XII zuerst bei Blume und Bannister, Anal. 54, 404 N. 259). Aehnlich aberungleich poetischer ist Mariensequenz Salve porta crystallina von sieben Doppelstrophen(1. 2 und 5—7 zu je vier Zeilen, drei trochäische Acht- und ein Sechssilber; 3. 4 zu jedrei Zeilen, zwei Acht-, ein Sechssilber). Auch hier wird die unbefleckte Empfängnisgefeiert (6,1 0 novum conubium, Soli nubit Stella) und Maria wird mit der scirpea fiscellaverglichen (7, 1 ff.), in der Moses lag. Auch hier 9,1 ff. das Gleichnis, wie die Sonne durchGlas scheint und dieses nicht verletzt, so ist Gott aus seiner unverletzlichen Mutterhervorgegangen; dichterische Bilder werden in großer Zahl verwendet. 3
d) Apostel, Märtyrer, Heilige
Im Kapitelarchiv zu Compostella befindet sich ein unter dem Namen Codex Ca-lixünus bekanntes Exemplar des Liber s. Jacobi. Das Buch hat mit Papst Calixt II.aber nichts zu tun, es ist vielmehr zusammengestellt worden durch Aimericus Pi-caudusvon Parthenay-le-Vieux, dessen Datierung durch Dreves 4 (1140—1143) wohl zufrüh angesetzt ist 5 (ca. 1160). Nun finden sich in dem Buche 25 Hymnen, die meist mitVerfassernamen, und zwar bekannten, aber auch gänzlich unbekannten, bezeichnetwerden. Ohne Zweifel hat Aimericus diese sämtlichen Namen erdichtet und er selbstist wohl als der Verfasser der Hymnen anzusehen. N. 1 und 2, kurze Hymnen inAchtsilbern auf Jacobus, werden dem Fulbert von Chartres zugeschrieben, desgleichender Text einer Messe zu Ehren des Heiligen N. 12. Dem durch Wilhelm von Tyrusnäher bekannten Patriarchen Wilhelm von Jerusalem legt Aimeric bei einen Hymnusauf den Heiligen in sieben Strophen zu je fünf gereimten jambischen Zwölfsilbern,einen weiteren von achtzeiligen Strophen zu je zweimal drei Vier- und einemSiebensilber (Reim aaabcccb) und eine Prosa s. Jacobi (N. 3. 4. 7). Auf Calixtus II.führt er zurück ein Gedicht von 17 Distichen Versus cantandi in processione s. Jacobiin solemnitate passionis und eine Prosa s. Jacobi Latinis Grecis et Ebraicis verbis adomno papa Calixto abreviata (N. 5. 6). Ato, Bischof von Troyes, erhält einen Hymnusvon vier Strophen und eine Prosa auf den Heiligen (9. 13), Antiquus episcopus Bone-ventinus und Robertus magister Romanus cardinalis je ein Conductum s. Jacobi (8, 10),Fortunatus episcopus Pictaviensis einen Hymnus von sechs Distichen mit Refrain 0 (11).Ganz kurze Hymnen werden beigelegt dem Albertus magister Parisiensis, dem Goslenusmag. episcopus Suessionensis, dem Albericus mag. archiepiscopus Bituricensis, demAirardus mag. Viciliacensis und dem Johannes Legalis magister (N. 14 bis 18). Sichselbst (Aimericus Picaudi presbiter de Partiniaco) schreibt Aimeric nur einen Hymnusvon elf Strophen über die Wunder des Jacobus zu (19), sechs Lectiones über die Ueber-tragung des Heiligen secundum Leonem papam et magistrum Panicham (21), womitwohl Papst Leo III. gemeint ist. Für die letzten vier Gedichte nennt er keinenAutor mehr: eine Cantio s. Jacobi von sechs Strophen mit Refrain, Hymnus de s. Jacoboin zwölf sapphischen Strophen, achtzehn Distichen In festo miraculorum s. Jacobi,und endlich eine Oratio magistri G., ohne Bezug auf den Heiligen in zwölf Strophen zu je
1 Die Sequenz besitzt Eingang und sechs Gedicht gegen die Simonisten Carm. Bur.
Doppelstrophen, von denen die ersten fünf 10 p. 14. Vgl. Anal. 55, 207, Str. 3, 1.
ziemlich ähnlich gebaut sind und je elf 3 Aus Monac. 7937 s. XIII und Lemovic. 2
Zeilen enthalten (Reim abb acc ad aad), s. XIV bei Blume und Bannister, Anal,
die Zeilen wechseln zwischen acht bis vier hymn. 54, 409 f. N. 265.
Silben; das letzte Paar besteht aus je acht 4 Anal. hymn. 17, 9—11.
Fünfsilbern und hat den Reim aaabc—ccb. 6 Vgl. S. 487 zu Pseudo-Turpin.
Der Ausgang der Sequenz lautet Virgo 6 Weder von Fulbert noch von Fortunat
Maria. sind Beziehungen zu San Jago bekannt;
Es beginnt mit Ecce sonat in aperto Vox Aimeric hat nur nach berühmten Namen
aamantis in deserto, also genau wie das gesucht.