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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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982 Vierter Abschnitt. Die Dichtung

Aber der Archipoet erfüllte doch den Wunsch seines Gönners. Das ver-langte Epos hat er freilich nicht geschrieben, indes der eigne Wunschmit dem Kaiser in persönliche Berührung zu kommen, ließ ihn an ein Lob-gedicht 1 auf Friedrich I. gehen, das in jener Zeit einzig dasteht. Mit wun-derbarer Schärfe und Klarheit hat er die ganze Situation erfaßt. Mit kurzenStrichen schildert er die Lage Italiens vor dem Eingreifen Friedrichs I.und hebt dessen Stellung zu dem Lande richtig heraus. Er erkennt, daßin dem Kaiser vor allem das rechtliche Bestreben vorwaltete und daß alleseine Handlungen hieraus zu erklären waren. Das kaisertreue Pavia undNovara erhebt er mit hohem Lobe und mit deutschem Selbstgefühl ver-weilt er bei dem großen Unglücke, das Mailand betroffen hatte. Und mitnoch größerem Stolze verhöhnt er das schwächliche griechische Kaisertumin seiner politischen Ohnmacht. Und daran schließt sich eine ausgezeich-nete Schilderung von der Einkehr der Ruhe und des Friedens, wobei mitgrausem Spott der Bestrafung der Friedensbrecher und Räuber gedacht wird.Und vaterländische Begeisterung bringt den Dichter dazu, den Kaiser aufUnteritalien und Sizilien hinzuweisen und ihm die Eroberung dieser Länderans Herz zu legen. Zum Schluß lenkt er den Blick des Kaisers auf seinenGönner, der für Friedrich so Gewaltiges vollbracht und ihn, den Dichter,aus Not und Elend gerettet habe. Das Gedicht ist ein großes Zeitbild, ausdem die Heldengestalt des Kaisers sich wirksam abhebt.

Das folgende achte Stück führt uns auf einen Hoftag zu Vienne, denReinald im Sommer 1164 für den Kaiser abhielt. Der Archipoet hatte imGefolge des Erzbischofs gute Tage gehabt, dabei aber viele Liebesabenteuerbestanden. Man überbrachte dies dem Reinald, und da hatte sich der Dich-ter aus dem Staube gemacht. Indes konnte er die Nähe Reinaids nicht langeentbehren, und so kam er auf den Hoftag mit einem Gedichte, in dem erim Eingange von dem Treiben und Gewühl zu Vienne 2 spricht und dannsich selbst in gedrückter Stimmung einführt. Aber sein Humor verläßtihn auch hier nicht, denn er stellt sich in der Person des Jonas im Wal-fischbauche dar und führt diese Parodie in glänzender Weise durch.Er legt eine Beichte ab, weiß aber, wie Reineke Fuchs, die Sache so zudrehen, daß sie auf eine Anklage seiner Ankläger hinausläuft und mitgeistreichem Witze schließt. Das Gedicht hatte jedenfalls genügt, alle Wol-ken zu zerstreuen, die sich zwischen dem Dichter und dem Erzbischof ange-sammelt hatten. Denn bald darauf 3 nahte sich der Archipoet seinem Gönnermit einer neuen poetischen Gabe, die er in das Gewand einer Vision einge-kleidet hatte, um die darin vorgetragenen Anliegen um so eindringlichererscheinen zu lassen. In der Vision, die ihn in den Himmel trug, erzählt er,daß ihm der Schutzengel Reinaids aufgetragen habe, diesen zur Fortsetzungseines Eroberungszuges, also zur Gewinnung von Neapel und Sizilien auf-zufordern. Und den hl. Martinus, der sehr gegen ihn (Reinald) aufgebracht

1 Es ist ein Rhythmus von 34 Strophen auf onum reimen lassen.

in den beim Dichter beliebten trochäischen 3 Nach Schambach (Annalen d. hist.

Dreizehnsilbern. Ver. f. d. Niederrhein 102, 93) am 18. Nov.

2 Um dies äußerlich kenntlich zu machen, 1164 auf dem Hoftage zu Bamberg. Da-hat der Dichter, der diesem Stücke den gegen s. Schmeidler daselbst 103, 18vn.Tiradenreim gab, die erste Tirade (16 Verse)