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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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981
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F. Weltliche und geistliche Lyrik 981

Im März 1162 war das stolze Mailand gefallen, und ein außerordentlicherGlanz von Macht umgab den Erzkanzler. Der Dicher hielt es für nötig, denveränderten Verhältnissen Rechnung zu tragen, und so wandte er sich imvierten Gedicht an Reinald, indem er der großen Stellung des Mannes nachallen Seiten hin gerecht wird und ihn unter etwas selbstgefälliger Hervor-hebung der von ihm gebrauchten neuen Rhythmusform 1 um einen Mantelund ein Hemd bittet. In andre Umgebung führt das fünfte Stück, dessenrhythmische Form etwas reicher ist als die der andern Gedichte, das abernur ein kleines Fragment von einer einzigen Strophe darstellt. Da hier imEingang Reinald als Erzbischof von Köln gepriesen wird, so ist es möglich,daß der Dichter das Stück in Köln vortrug. In das Jahr 1163 gehört danndas sechste Stück. Kaiser Friedrich wurde für den Spätherbst jenes Jahreswieder in Italien erwartet, und Reinald bat den Archipoeten, zu dieserGelegenheit ein Epos über die Taten des großen Kaisers zu schreiben, dasdiesem vorgetragen werden sollte; freilich gab er ihm nur eine Woche Zeitdazu. Der Auftrag mag dem Dichter wohl behagt haben, aber die kurzeFrist mißfiel ihm, und daher eröffnet er dem Erzbischof gleich im Eingangedes Gedichts, daß er das nicht könne. Er sei ihm ja ganz ergeben, und wenner befehle, wolle er sogar übers Meer gehen, und er wolle dichten, was er ihmauftrage. Aber in sieben Tagen könne er das nicht vollbringen, wozu Vergiloder Homer [oder Lucan] 2 mehr als fünf Jahre gebraucht haben würden. Somöge ihm der Erzbischof Zeit gönnen, der ja wisse, daß der Mensch nichtalles über sich vermöge. Er wolle, wenn ihm die Stunde günstig sei, in kurzerZeit tausend Verse machen, aber solche Zeit entfliehe schnell, und außer-dem müsse er ja an seinen Versen feilen, wenn er etwas Gutes leisten wolle. 3Und in Armut und Elend könne er nicht die Großtaten des Kaisers besin-gen, denn er sei ärmer als arm, doch habe er seine Armut nicht verschuldet.Das Land bauen könne er nicht, da er die Wissenschaften erlernt habe, undobwohl er von ritterlicher Geburt sei, habe er lieber dem Vergil als demParis 4 folgen wollen, weil ihn das Kriegerhandwerk abgeschreckt habe.Betteln zu gehen schäme er sich und zum Dieb passe er nicht. Was solleer also tun ? Oft genug habe er sein Leid in Gedichten vor gelehrten Leutengeklagt, indes die Laien wissen den Dichter nicht zu verstehen; die deutschenBischöfe schenken reichlich, aber die italienischen sind geizig. So wolleer die großmütigen Kirchenfürsten loben und besonders den Kölner, derihn vor Blöße und Hunger schützen möge. Mit dem Gelde, das ihmdieser gegeben, habe er im Sommer einen armen Priester unterstützt, undso teile er selbst mit, wenn er etwas habe, und spiele nicht den Schma-rotzer an den Höfen. Christus möge dem Erzbischof Leben und Siegschenken und ihm selbst die Dichtergabe, seinen Ruhm besingen zukönnen.

* 4, 11, 1 p. 31 Poeta composuit racionem 2 Frantzen (Neophilologus 5, 172ff.) hat

rithmicam, At Yrus (= Irus, vgl. Ovid. wohl mit Recht erklärt, daß Strophe 4 und

Rem. am. 747 f., Trist. 3, 7, 42; hier der 5 beinahe gleichen Inhalts sind und daß

Arme. Wahrscheinlich meint sich der Dich- daher eine von beiden wegzufallen hat.

ter damit selbst, oder hatte er einen noch 3 Hierauf kommen die in Carm. III als

ärmeren Helfer, der ihm die Komposition Strophe 1419 eingesetzten Verse.

besorgte?) imposuit melodiam musicam. 4 Hier soviel wie Mars.