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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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980 Vierter Abschnitt. Die Dichtung

bei ihm handelt es sich vor allem um rhythmische Gedichte, die metrischentreten dagegen zurück. In der Hauptsashe scheint er sich für die Strukturseiner Rhythmen nach schon bekannten Formen umgesehen zu haben unddiese hat er nach strengen Gesetzen gehandhabt und fein ausgefeilt.

Das erste Gedicht ist nach B Schmeidler wohl in den Herbst 1161 1 zusetzen und entstand vielleicht in Italien. Unter Anwendung einiger kräftigerÜbertreibungen sucht der Poet, dessen Bekanntschaft mit Reinald nochneu war, diesen von der Notwendigkeit zu überzeugen, ihn zu unterstützenda er krank sei. Das zweite Gedicht scheint .sich an eine Versammlung vonBischöfen zu richten, der es der Archipoet vorlas. Er entschuldigt sich ge-wissermaßen im Eingange, daß er ihnen eine Art Predigt über den Textbiete, daß der Starke den Schwachen zu stützen habe. Und damit beginnter eine längere Auseinandersetzung über die Erlösung der Welt durch Christusund wie dessen Leiden vorbildlich auf sie, die Bischöfe, wirken müsse, indemsie den Armen helfen. Dieser Teil des Gedichts ist von geistlichem Ernstegetragen, in der zweiten Hälfte aber kommt der Archipoet auf sich zu spre-chen, und nun bricht sein Humor durch. In dieser Stimmung kann er amSchlüsse den Herren Bischöfen das Öl der Liebe, den Wein der Hoffnung unddas Korn des Glaubens wünschen, während er, das Weltkind, das stets nachgutem Wein verlange und ohne solchen verderben müsse, für sich reichlicheUnterstützung zu gutem Leben erbitte. Das dritte Stück lehrt, daß derArchipoet in der Gunst Reinaids fest war. Er braucht hier die geistliche Um-rahmung nicht mehr, schlägt aber doch im Anfang noch einen ernsten Tonan, der freilich alsbald verschwindet, indem der Dichter jede Rücksichtfallen läßt und seinem Gönner einen tiefen Einblick in sein weltfrohesWesen eröffnet. Es ist die berühmte Beichte: Frei wie der Vogel schweifeer durch die Welt und halte sich an die schönen Mädchen und genieße derLiebe, namentlich in Pavia, wo alle Wege in die Liebesgemächer führen.Sodann huldige er dem Spiel, aber am liebsten dem Weine; in der Schenkewolle er sterben, auf daß der Wein seinem Munde noch im Tode nahe sei, 2der Wein entzünde die Leuchte seines Geistes. [Denn 3 er gehöre nicht zuden Dichtern, die sich in der Einsamkeit kasteien und fasten, um mit Müheund Not einige Verse herauszupressen. Nüchtern vermöge er nichts, gutenWein müsse er haben, um etwas Gutes zu leisten; herrsche Bacchus in sei-nem Haupte, dann werde er durch Apollo begeistert.] Und so habe er sichdenn alles von der Leber weggeredet, weswegen ihn seine Widersacher beiihm (Reinald) verklagt hätten. Reinald aber möge ihm nach seiner Beichtemilde Buße auferlegen. Solchen genialen Humors, wie er sich in dem Ge-dicht offenbart, war nur ein echter Dichter fähig, und das Stück ist dennauch frühzeitig geschätzt und oft einzeln abgeschrieben worden; es fandauch Aufnahme in den Garmina Burana. Freilich hat es daher mancheVeränderungen im Texte erlebt, deren erste, wie wir eben sahen, vom Ver-fasser selbst gemacht wurde.

1 Von der hier gebotenen Reihenfolge weicht propositum in taberna mori, Utsinl vmapro-die zeitliche Bestimmung Brinkmanns xima morientis ori.(German.-roman. Monatsschrift 13, 106 3 Die Strophen 1419 sind erst spater110, etwas ab (N. 9 letztes Gedicht). vom Archipoeta aus Carm. VI (Str. 1015)

2 3,12,1 (p. 25 ed. Manitius 2 ) Meum est in die Beichte übertragen worden.