976 Vierter Abschnitt. Die Dichtung
habe. Daß dieser überall in hohem Ansehen stehe, habe er bei seinem kürz-liehen Aufenthalt ins Sens deutlich bemerkt, wobei er vom Bischof reichbeschenkt und vom Herrn Reinalt gut aufgenommen worden sei. Und derArchidiakon habe ihm sogar einen Pelz und ein gutes Reitpferd gegebenUm nun noch Hafer und Heu oder das hierzu nötige Geld, zwei Minen zuerhalten, singt er nach Anrufung der Musen das hohe Lob des Archidiakons.N. 18, vor 1136 entstanden, ist ein Gruß an die Kleriker von Amiens dieihn vor kurzem freundlich aufgenommen und ihm sein vorher im Würfel-spiel verlornes Geld ersetzt hatten. Hieran schließt sich das Lob der StadtReims und ihrer unter dem Lehrer Alberich 1 blühenden Schule, worauf derLehrbetrieb vorgeführt und am Schlüsse ein Lehrer (wohl Abaelard) heftigangegriffen wird. Von weitergehendem Interesse scheint der Nachwelt dasletzte (23.) Gedicht der Sammlung gewesen zu sein, da es in vielen Hand-schriften überliefert wird. Der Dichter ist alt und gebrechlich geworden undhat Unglück gehabt. Nämlich der Kapellan des Kapitels, bei dem sich Hugodamals aufhielt, sei freundlich gegen ihn gewesen, solange er Geld gehabthabe, als er aber sein Silber ausgegeben, sei er von jenem beredet worden,Dienstleistung im Krankenhaus als Pfleger zu übernehmen. Schlimmeraber wurde es für ihn, als ein Kranker wegen Ungehorsams mit Gewaltaus dem Spital entfernt wurde und er sich dessen annahm, denn daraufwies man ihn ebenfalls aus, und so ist er jetzt dem Elend preisgegeben undbittet das Kapitel um gerechte Entscheidung des Falles. Die Form des Ge-dichts — Achtsilber mit sinkendem Schlüsse zu zwei Kurzzeilen mit zwei-silbigem Reim in Tiradenform 2 —■ hat wahrscheinlich dem Archipoeta Ver-anlassung zur Form eines seiner Gedichte gegeben. 3
Es finden sich aber neben der Rawlinsonsammlung, aus der ich nur diewichtigsten Stücke kurz vorgeführt habe, auch noch andre Gedichte desPrimas. So ein ungemein humoristisch-satirisches Gedicht über die Geizigen,die es fertig bringen, aus alten Kleidern neue zu machen und aus den RestenHandschuhe herstellen zu lassen, was scherzhaft 4 mit dem Eingehen einerzweiten Ehe und mit der jüdischen Beschneidung verglichen wird. Es be-steht aus 15 Strophen zu sechs Zeilen, 5 und in diesen 90 Zeilen sind neunaus französischen Worten gebildet, wie in Carm. 16. 6 Kleinere Stücke findensich in der Compilatio singularis exemplorum in einer Handschrift vonTours und, als Versus Primatis bezeichnet, in einer Handschrift von Av-ranches; 7 die ersteren lassen die Gewandtheit Hugos in der Versifikation er-kennen und die letzteren beziehen sich auf das Trinken.
Zwei größere Stücke, vielleicht versprengte Reste einer Sammlung von
1 Nach W. Meyer S. 105f. war Alberich lung schließen.
schon 1121 Lehrer in Reims (1137—1141 5 Auf zwei gereimte Achtsilber folgt ein
Erzbischof von Bourges). Danach ist der Siebensilber, der mit dem nächsten Sieben-
von Johann von Salisbury (Metalog. 2,10) silber reimt.
erwähnte Lehrer Albericus auf dem Mons 6 Daß das Gedicht auf Hugo zurückgeht,
s. Genovefae nicht der Alberich von Reims, hat Meyer S. 87 und 94 wahrscheinlich ge-
2 Die 25 Tiraden umfassen 4—14 Verse macht, besonders da im Gedicht Carm.und besitzen alle neuen Reim. Burana N. CXCIV (N 220. 220a Hilka)
3 Fama tuba dante sonum. deutlich auf das Gedicht angespielt wird.
4 Schon das vorangestellte Motto Ovid. 7 Turon. 205 f. 186, Abrinc. 104. Vgl. De-Met. 1, lff. läßt auf humoristische Behand- lisle, Bibl. de l'ec. des eh. 31 605ff.