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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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F. Weltliche und geistliche Lyrik 971

der in den Liedern ein Florilegium sieht. 1 Allerdings ist der Sammler nichtohne Geschmack verfahren und seine Interessen waren weitgehend genug,indem er Stücke aus den verschiedensten Gebieten antiker und mittel-alterlicher, geistlicher und profaner Poesie miteinander vereinigte. Es istübrigens die älteste lyrische Sammlung dieser Art und sie hat namentlichfür Deutschland großes Interesse, da wir in ihr allein zehn Lieder finden,die auf die deutsche Geschichte des 10. und 11. Jahrhunderts Bezug nehmen.

Nach dem Inhalte sind vier größere Gruppen zu unterscheiden. Zunächstdie religiösen Gedichte mit drei Liedern, die sich auf Christus beziehen(4. 5. 13), einem Marienlied (36), einem Auferstehungsgedicht (44), einemAbecedarius De contemptu mundi aus karolingischer Zeit (18) und einermoralischen Erzählung aus der Vita Basilii (30 a) und zwei Bruchstücken(1. 2). Zahlreich sind die historischen Stücke, denn wir finden hier dieKrönung Konrads II. (3), ein Gedicht auf Heribert von Köln (7), Toten-klagen auf Heinrich II. (9. 17), Loblied auf die drei Ottonen (11), die Krö-nung Heinrichs III., Gedicht auf Otto III. und Heinrich IL (19), auf Herigervon Mainz (24), auf den Tod Konrads IL (33), auf den Tod Wilhelms I.von Aquitanien (43); ferner fünf Gelegenheitsgedichte, nämlich die TriererKirche an Erzbischof Poppo (25), die Begrüßung eines neuen Bischofs (38)und der Glückwunsch an eine genesene Königin (41), ein Gedicht auf denhl. Viktor von Xanten (8) und eines auf das Cäcilienstift in Köln (26).Schwach vertreten dagegen ist die eigentliche Lyrik, ja das Liebeslied ist invier Stücken (27. 28. 39. 49) sogar getilgt und ausradiert 2 und nur das Kna-benlied 0 admirabile (48) ist stehen geblieben, sodann findet sich ein Liedauf die Freundschaft zwischen Cobbo und Lantfrid (6) und von Naturliedernein Lob des Frühlings (40) und etwa das Gedicht auf die Nachtigall (10)und das auf die Vogelstimmen (23). Reich vertreten sind Scherzgedichte,Gedichte aus dem Bereiche der Artes und eigentliche Flores. Nämlich zuden ersteren gehören die Geschichte vom Suevulus aus Konstanz (14), derSchwabenstreich (15), Alfrads Eselin (20), Priester und Wolf (35) und Wiedas Engelwerden bekam (42). Ins Gebiet der Artes fallen zwei Gedichte aufPythagoras (12. 45), ein musikalisches Stück (21) und eine Wortspielerei aufeinen Kantor (30). Die eigentlichen Flores aber werden gebildet aus Stückenaus Vergil (34), aus Horaz (46), aus Statius (29.31. 32), aus Fortunatus (22),aus einer Klage der Rahel (47) und aus einer Mensa philosophica (37). 3

Die historischen Lieder sind natürlich von großer Wichtigkeit, da sie dieAuffassung der Mit- oder Nachwelt über bedeutende geschichtliche Per-sönlichkeiten sowie über deren Verhältnis zu den Zeitgenossen geben, undzwar würden wir ohne unsre Sammlung nur zwei (11. 33) von diesen fünf-zehn Gedichten kennen (Guelf. August. 56.16 und inWipos Gesta Chuonradi).Aber ein sehr großer Verlust für uns ist es, daß vier Liebeslieder ausradiertsind, Stücke, die für so frühe Zeiten ganz besonderen Wert hätten, zumalauch die Erhaltung von 27 in andrer Überlieferung (Vindob. 116 s. X) recht

1 A. a. O. p. XXI. 3 Das ganze Gedicht ist hrsg. von Strek-

2 Von diesen Liedern ist eines (27) durch ker im Anhang p. 113ff. aus Alencon 10andre Ueberlieferung bekannt. Wann und s. XII (und Monac. 4660 s. XIII und Fuld.wo die Tilgung geschah, ist natürlich nicht C 11 s. XV) nach Ravaisson, Rapport surzu ermitteln. les bibl. de l'ouest 1841 S. 404ff.