970 Vierter Abschnitt. Die Dichtung
Carmina clericorum, Heilbronn o. J.Carm. Bur. 82 (119 H.), hrsg. von H.BrinkmannGerman.-roman. Monatshefte 11, 270 ff. und (besser) von P. Lehmann, Neophilologus9,125 (dort vgl. auch zu N.193); Verbesserungen von K.Strecker, Neues Archiv 46371 N.577. Kritische Beiträge zu den Carm. Burana von J.Grimm, Kleine Schriften3, 74 ff. L. Laistner, Golias S. 100—117. E.Martin, Ztschr. f. deutsch. Altert. 2048 ff. Ludw. Ehrenthal, Studien z.d. Liedern der Vaganten, Bromberg 1891. G Wust'mann, Ztschr. f. deutsch. Altert. 35, 328 ff. Patzig, daselbst 36,187ff. Marold, Ztschr'f. deutsche Phil. 23,1 ff. Vgl. W. Giesebrecht, Allg. Monatsschr. f. Wiss. u. Lit. 1853S.12ff. O. Hubatsch, Die lat.Vagantenlieder des Mittelalters, Görlitz 1870. J. IlbergPreuß. Jahrbb. 64, 544ff. N. Spiegel, Die Vaganten u. ihr Orden, Speier 1892; der-selbe, Die Grundlagen d. Vagantenpoesie, Würzburg 1908. S. Jaffe, Die Vaganten u.ihre Lieder, Berlin 1908. H. Süßmilch, Die latein.Vagantenpoesie des 12. u. 13. Jahrhals Kulturerscheinung, Leipzig 1917. H.Brinkmann, Geschichte d. latein. Liebes-dichtung im Mittelalter, Halle 1925. Frantzen, Neophilologus 4, 357ff. Karl Müllerin Festgabe für A. v. Harnack (1921) S. 215f. Eine Uebersicht über den mythologischenApparat in den lateinischen Liedersammlungen gibt G. Müller, Deutsche Vierteljahr-schr. f. Literaturwissensch.l, 64ff. Vgl. Haskins, The renaissance of the Xllth CenturyS. 177—188. Kritisches zu einzelnen Liedern von O. Schumann, ZfdA. 63, 81 ff. (zuN. 126. 127) und Strecker ZfdA. 63,118f. Einiges hrsg. und übersetzt bei Ulich u.Manitius, Vagantenlieder, Jena 1927.
In den zu Anfang des 13. Jahrhunderts verfaßten Distinctiones monasticae, die einegroße Blütenlese aus älterer und zeitgenössischer Dichtung bringen, werden auch Stückeaus den Carm. Burana angeführt, nämlich bei Pitra, Spicilegium Solesmense 3,478N. 3, 3, 1—6; 3, 264 und 3, 115 N. 138a, 4 und 6; 2, 398 N. 186, 1; 3, 83 N. 189,14—7; vgl. P.Lehmann, Münchner SB. 1922 III, 1 ff.
2. DIE CAMBRIDGER LIEDER
Diese Sammlung hätte eigentlich in den 2. Band gehört, die Zusammen-fassung des lyrischen Stoffes an dieser Stelle möge die Aufnahme hier recht-fertigen und ihre außerordentliche Bedeutung in geschichtlicher Beziehungmöge ihre Einzelvorführung entschuldigen. Die 49 poetischen Stücke, diesie enthält, haben mit England nur das zu tun, daß sie sich heute in einerHandschrift von Cambridge befinden und daß diese vielleicht in England nachkontinentaler Vorlage geschrieben ist. 1 Sie besteht zunächst in N. 2—15 ausSequenzen, zu denen auch 30. 30 a gehört und die aus einer Sequenzensamm-lung herübergenommen wurden, die auch dem Amarcius bekannt 2 und viel-leicht niederrheinischen Ursprungs gewesen ist. N. 35—47 stammen jedenfallsaus Frankreich, während die mittlere Partie von N.17—34 vielleicht amRhein gesammelt ist. Einige Lieder (10. 42) werden auf Fulbert von Chartreszurückgeführt, N. 33 ist von Wipo gedichtet und vielleicht auch 3.16 und17, dagegen hat N. 48 einen Italiener zum Verfasser. Jedenfalls sind Liederdeutschen und romanischen Ursprungs gemischt, ja es sind sogar nationaleSammlungen hier zu einem Ganzen zusammengetreten. Übrigens ist dieSammlung nicht ganz erhalten, da in der Handschrift ein Blatt hinter f. 440ausgeschnitten ist. 3
Man hat nun die hier vereinigten Gedichte als ein Vagantenliederbuchaufgefaßt, aber man kann in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts, alsdie Sammlung entstand, noch nicht von Vaganten reden und am wenigstensolche Männer wie Fulbert oder Wipo zu diesen rechnen. Außerdem sindes doch nur zum Teil Lieder, ja eine ganze Anzahl der Gedichte sind über-haupt nur Bruchstücke, 4 und man kann daher Strecker nur beipflichten,
1 Vgl. Karl Strecker, Die Cambridger Strecker p. XV f.
Lieder (Berlin 1926) p. IXf. 3 Vgl. ed. Strecker p. VIII.
2 Denn N. 14, 12. 10 decken sich mit den 4 Nämlich 1. 2. 22. 29. 31. 32. 34. 37. 47.bei Amarc. 1, 439 ff. genannten Stoffen; vgl.