F. Weltliche und geistliche Lyrik 969
daß man die Elision und den Hiatus nicht mehr zuließ, 1 wie das auch inder metrischen Dichtung zu beobachten ist.
Da alle diese lateinischen Gedichte von Geistlichen ausgehen, so werdensie natürlich stark vom Altertum beeinflußt. Die antike Mythologie spieltin ihnen eine große Rolle, und mancherlei Verse aus den alten Dichtern be-gegnen, die oft keine unmittelbare Herübernahme aus dem Altertum be-deuten, sondern dem Gemeingut in der Schule gehörten. Zu einer metho-dischen Untersuchung dieser antiken Bestandteile der Carmina Buranaist bisher, außer in der Ausgabe von B durch Hilka und Schumann,nur durch einen Beitrag, und zwar für Ovid, der Versuch gemacht worden. 2Ganz von der Antike abhängig sind die Gedichte in den Carm. Burana97—102, sehr starken mythologischen Einschlag haben 34. 59. 65 f. 73. 83.133 f. Stoffe aus Vergils Aeneis behandeln 98—100 mit vielfacher wört-licher Anlehnung, während 62, 7, 6. 70, 2, lf. und 113, 5, lf. Vergilstellenbenutzen. Nicht unbedeutend ist die Abhängigkeit von den Schuldichtern,aus deren Werken einzelne Gedanken und ganze Verse entlehnt werden.
Aber auch mittelalterliche Literatur ist in den Carmina Burana öfters ver-wendet worden. So ist Remigius von Auxerre benutzt 65,1 für die Namen derSonnenrosse und besonders 66 a (Erklärung zu 65, 1), aus dem Archipoetastammen 191 und 220, 1—4, und einige Verse sind Kopien aus Anführungenbei Johannes Saresberiensis, nämlich 101, 18 und 223, aus dem Gedichtein den Political Songs ed. Wright (p. 34 Vs. 116) N. 201, 6. Und deutscheStücke finden sich aus Freidank N. 17*, aus Reinmar 143 a. 166a, ausWalther von der Vogelweide 151a. 169a, aus Neidhart von Reuental 168a,Heinrich von Morungen 150a, Dietmar von Eist 113a. Bemerkt sei noch,daß in einigen Gedichten die Sprachen gemischt sind, nämlich lateinisch unddeutsch in 149. 177. 184.185, lateinisch und französisch 94.96.218, und alledrei Sprachen in 195, 21. Altdeutsche Glossen sind vorhanden in N. 135 f.
Ueberlieferung. Von der weltlichen Lyrik existieren, wie erwähnt, mehrere um-fangreiche Sammlungen deutschen, französischen und englischen Ursprungs, außerdemaber zahlreiche Einzelüberlieferungen. Sammlungen: Cantabr. Gg. 5. 35 s. XI (Cam-bridge Songs), Monac. 4660 s. XIII (Carmina Burana), Herdring. 57 s. XIV (HerdringerSammlung), London Arundel 384 s. XIV (Arundelsammlung), Stuttgart I Asc. 95 s. XIII(Stuttgarter Sammlung), Vatic.4389 s. XII., St.Omer 351 s. XIII, Mus. Brit. Harl. 978,Cotton. Vesp. E. XII, A XIX, Titus AXII und XX, Reg. 8 B VI. Manches schon ge-druckt bei Flacius Illyricus, Varia poem. de corrupto ecclesiae statu, Basil. 1557.Spätere Drucke bei Mone, Anz. f. Kde d. dtsch. Vorzeit 7,102ff. 287ff. Th. Wright,The latin poems commonly attributedto Walter Mapes, London 1841. Carmina Burana,hrsg. von J. A. Schmeller, Bibl. d. lit.Ver. zu Stuttgart Bd. 16 (1847) und von Hilka-Schumann 1,1 II. l, Heidelberg 1930. W. Müldener, Die zehn Gedichte des Walthervon Lille, Hannover 1859. K. Strecker, Die Lieder Walters v. Chatillon in d. Hs. 351von St.Omer, Berlin 1925, Die Cambridger Lieder, Berlin 1926 und Moral.-satir. Ged.Walters v. Chatillon, Heidelberg 1930. Dreves, Ztschr. f. deutsch. Altert. 39, 361 ff.A. Bömer, Ztschr. f. deutsch. Altert. 49, 164 ff. W. Meyer, Abh. d. Göttinger Ges. d.Wissen, phil.-hist. Gl. 1908 II. (Vatic. 4399) B. Bischoff, Ztschr. f. roman. Phil. 50,76—97 (1930). Einzelne Vagantenlieder bei R. Peiper, Gaudeamus, Leipzig 1870.L. Laistner, Golias, Stuttgart 1879. A. Pernwerth v. Bärnstein, Carmina Buranaselecta, Würzburg 1879. Fr. Luers, Die deutschen Lieder d. Carmina Burana, Bonn 1922.
1 Silbenschließendes m wird der Elision Suppl. 7, 735, ferner Philol. 51, 167, undüberhaupt nicht mehr unterworfen. denselben in Analekten z. Gesch. des Horaz
2 Herrn. Unger, De Ovidiana in carmini- i. MA. S. 74f. Die Anführungen in der Her-bus Buranis quaedicunturimitatione, Straß- dringer Sammlung gab Bömer in seinerljurg 1914. Vgl. Manitius im Philologus, Ausgabe.