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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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959
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E. Streitgedichte 959

Hof Phyllis auf einem Maultier, das einst Neptun der Venus und diese derMutter von Phyllis 1 geschenkt hatte, während Flora auf einem herrlichenPferde reitet, dessen Sattel und Sitz auf das kostbarste von Vulkan und Mi-nerva gearbeitet waren. Bald gelangen sie in einen Hain, wo die wunder-barste Musik aus den verschiedensten Instrumenten ertönt, die Vögel ihresüße Stimme erschallen lassen und die herrlichsten Wohlgerüche wahr-nehmbar werden. In der Mitte des Haines steigen sie ab, denn Faune,Nymphen und Satyrn verkünden hier die Nähe des Gottes. Hier herrschtBacchus mit seinem Silen, und endlich gewalfren sie Gupido, der von denGrazien bedient wird. An ihn wenden sie sich und als sie ihm ihr Anliegenmitgeteilt haben, heißt er sie ein wenig warten und beruft sein Gericht. 2Dessen Spruch aber lautet, daß der Kleriker zur Liebe mehr passe als derRitter.

Ueberlieferung imBerol. oct. 199 s.XllundSanten. 28 Diez. C 4°55; Vatic. reg.344S.XII XIII; Harlei. 978 f. 115 s. XIII. Paris. 16208 s. XIV und Nouv. acq. 1544 s. XV,ehedem auch im Avenion. 302 s. XIV (vgl. Walther, Das Streitgedicht etc. S. 147 n. 4).Monac. 4660 um 1225. Ausgaben von J. A. Schmeller, Carmina Burana N. 65p. 155 (Nr.92Hilka), vonTh. Wright, Poems commonly attrib. to Walter Mapes p. 258 (aus Harlei.,dort p. 363 eine altenglische Uebersetzung), von Haureau, Not. et extr. 32,1, 259 = Not.etextr. de quelq. mscr. 6, 278 (aus den Parisini), von A. Bömer, Ztsohr. f. deutsch. Altert.56,224 (nach allen Hss.) und danach von Manitius in Ulich und Manitius, Vaganten-lieder (1927) S.26 (dort S. 27 Uebersetzung von Ulich). Zur deutschen Bearbeitung durchHeinzelin von Konstanz s. Heinzelin v. K. ed. F. Pfeiffer, Leipzig 1852, S. 55, zu denfranzösischen Oulmont, Les debats de clerc et du Chevalier, Paris 1911. Vgl. Walther,Das Streitgedicht etc. S. 147ff; E. Faral, Recherches sur les sources Lat. des conteset romans courtois du moyen äge (Paris 1913) S. 192 ff.

19. CAUSA REGIS FRANCORUM CONTRA REGEM ANGLORUM

Unter diesem Titel wird ein Gedicht überliefert, das in eine Sammlungdes Erzbischofs Samson von Reims gehört, zwischen 1157 und 1161 verfaßtist und die Feindschaft zwischen Franzosen und Engländern deutlich wider-spiegelt. Ludwig VII. hatte 1157 seine Tochter Margarete von sechs Mo-naten mit Heinrichs IL gleichnamigem dreijährigen Sohne 3 verlobt und alsihre Mitgift die beiden Festungen Gisors und Neaufle in Aussicht gestellt,die bis zur Heirat unter Sequester gelegt und dem Tempelorden zur Ver-waltung gegeben wurden. Die kleine Prinzessin wurde an den englischenHof gebracht, und schon nach drei Jahren setzte Heinrich IL die Hoch-zeit der Kinder unter Dispens durch und bemächtigte sich nun der beidenFestungen. Man bezichtigte ihn daher in Frankreich des Betrugs und desVerrats, und in die hieraus entstandene Streitlage führt das Gedicht, in demdie zwei Könige ihre Sache durch Advokaten (Oratores) vertreten lassen.

Zuerst spricht der Anwalt Ludwigs VII. Mit schmeichlerischen Wortenführt er sich bei dem fingierten Gericht ein und hält zunächst eine Lobredeauf seinen König. 4 Wie der rosige Tag die Sterne verblassen lasse, so ver-dunkle er alle Könige; wenn er siege, so siege er ganz, wenn er zu Gerichtsitze, sei er unbestechlich und Stolz kenne er nicht. Da er den König be-

1 46, 3 Illum tandem prfbuit Venus yberinf, benannt.

also einer Spanierin. 4 Vs. 15 Laote tarnen veniae, pura fidei

2 77, 3 Sunt Amoris iudices Usus et natura. nive . . . cuncta premit sind ungewöhnliche

3 Prinz Heinrich, später Court-Mantel zu- Ausdrücke.