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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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956
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956 Vierter Abschnitt. Die Dichtung

wobei das Glück betont, daß es die Herrin der Welt sei, während seineGegnerin das Leben im Himmel in Anspruch nimmt. Das Glück meintdaß ja auch Sokrates gestorben sei, die Philosophie dagegen sagt, daßdieser seine heilige Seele dem Himmel anvertraut habe, 1 und sie nimmtdie Entscheidung zwischen gut und böse für sich in Anspruch. Sie ver-dammt auch nicht den Gebrauch, sondern den Mißbrauch der irdischenGüter und sagt, daß der Weise um des Besseren willen das Gute aufgibt.Auf die Einsprache, daß die Bedürftigkeit des Weisen nichts Gutes sei, ent-gegnet sie, daß der stets bedürftig sei, wer mehr als seinen Besitz begehrt.Und zum Schluß meint sie, daß das Glück den wahren und wertvollen Besitznicht kenne, da dieser in einer edlen Seele bestehe. Das kurze Gedichtmeidet den Reim und gehört daher vielleicht dem 11. Jahrhundert an.

Ueberlieferung im Monac. 686 s. XII f. 137 und Augustanus 6 s. XV f. 43 Aus-gabe von Walther, Das Streitgedicht etc. S. 232 ff., vgl. S. 108.

17. CONCILIUM IN MONTE ROMARICI

Die Frage, ob für die Mädchen die Liebe des Ritters oder des Klerikersvorzuziehen sei, ist von geistlicher Seite mehrfach behandelt und natürlichzugunsten des Klerikers bejaht worden. Das merkwürdigste dieser Gedichteist das Liebeskonzil, das eine Parodie auf die gewohnten Kirchenversamm-lungen darstellt und zugleich ein scharfes Streiflicht auf die sittlichen Ver-hältnisse im Kloster Remiremont in der Diözese Toul wirft.

Der Dichter erzählt, daß sich am 1. April die Damen im Kloster zu einemKonzil versammelt hätten, das in seiner Art einzig sei, da hier nur über dieLiebe verhandelt wurde und vom Evangelium nicht die Rede war. KeinMann wurde dabei zugelassen außer den Klerikern, die von Toul gekommenwaren und denen das Konzil eigentlich galt. Als Türhüterih fungierte dieSibilia, die schon in zartem Alter sich der Liebe hingegeben hatte. Als dieSchar der jungen Nonnen nun eingetreten war, wurden an Stelle des Evange-liums durch Eva de Danubrio 2 die Liebesvorschriften Ovids verlesen.Dann sangen zwei Nonnen namens Elisabeth, die in jenen Vorschriftenwohl bewandert waren, 3 Liebeslieder. Darauf sagt die Cardinalis domina 4Stillschweigen an und berichtet, daß Gott Amor sie hierher geschickt habe, 6sie zu besuchen und sich nach ihrem Leben zu erkundigen; so möge dennjede über ihr Leben berichten und sie selbst werde dann zu bessern suchenoder verzeihen. Als erste tritt Elisabeth de Granges auf und erklärt, daßsie stets der Liebe gedient, aber nach der Regel sich nur Klerikern hinge-geben habe. Dasselbe bekennt als zweite Sprecherin Elisabeth de Falcon,welche sodann ein überschwengliches Loblied auf die Kleriker singt 6und den Bruch des törichten Gelübdes nicht als Unrecht gelten lassen will.Und hieran knüpft sie allerhand Schmähungen gegen die Ritter und sie ver-

1 22 Ille tuus Socrates nil metuendo mit opere quid vir sciat faeere daß sie keusch ge-Absolvens animam misit ad astra suam. Man blieben waren ?

wird hier etwa an die Ideen im Kreise Ful- 4 Der Schmuck ihrer Kleidung wird Vs. 39

berts von Chartres erinnert.45 nicht gerade geschickt beschrieben.

2 Vs. 29 potens in officio Artis amatorie ut 6 Sie ist also die päpstliche Legatin beimaffirmant alie. Konzil.

8 Heißen die Worte Vs. 36 Sed ignorant « Vgl. Vs. 7278.