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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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955
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E. Streitgedichte 955

Strophen darstellen sollen, aber es oft nicht sind, denn sehr häufig werden die Siebensilberzu Achtsilbern und die Sechssilber zu Siebensilbern 1 und die Zäsur wird äußerst nachlässigeehandhabt. 2 Manches mag auf die Ueberlieferung kommen, die meisten Mängel werdenaber wohl auf den Dichter zurückfallen.

Ueberlieferung im Berol. germ. oct. 138 f.26 s.XIII XIV, vgl. Karajan, Ztschr. f.deutsch. Altertum 2,7. Ausgabe von Walther, Das Streitgedicht etc. S.227 ff.; vgl.S.lOOf.

15. DIALOGUS IUDEI CUM CHRISTIANO QUODAM CECO

In diesem Gedichte von 33 Hexametern erfolgt die Bekehrung nicht durchUnterweisung, sondern durch ein Wunder. Als das Pantheon zu Rom aufBitten des Papstes Bonifacius IV. durch Kaiser Phokas den Christen zueiner Kirche freigegeben war, erfolgte ein Ansturm der Juden in der Stadtgegen das Christentum mit der Behauptung, Christus sei nicht vom Hl.Geist geboren, sondern durch Joseph mit der Maria erzeugt worden, dajenes gegen die Natur verstoße. Dadurch wurden die Christen aufs äußerstegereizt und sie wollten die Juden aus der Stadt jagen. Da trat ein blind-geborener Christ gegen die Juden auf und wollte sie unterweisen, aber siewarfen ihm vor, daß ihn ja nicht einmal sein Christus zu heilen imstande sei.Der Blinde entgegnete, sie möchten drei Tage warten, bis das Marienfestgefeiert werde, 3 aber die Juden meinten, Christus habe sich ja auch nichtvom Kreuzestod befreien können; wenn ihm dies jetzt gelinge, so würdensie ihn für den Heiland halten. Da begibt sich der Blinde zum Papst undbittet ihn um Fürsprache bei Christus und Maria. Der Papst erkennt seinenGlauben und befiehlt der Judenschaft am Feste in der Kirche gegenwärtigzu sein, und als nun beim Gottesdienst der Blinde erscheint, singt er einvon ihm selbst gedichtetes und in Musik gesetztes Responsorium, das vomwahren Glauben eingegeben war. Da tritt Christus für den Unglücklichenein und gibt ihm die Sehkraft; alles bricht in Lob auf den Heiland ausund fünfhundert Juden begehren die Taufe, die andern entfliehen aus derStadt.

Der Stil in diesem Gedicht ist öfters etwas schwerfällig und manches istdaher schwer verständlich; merkwürdig ist aber, daß der Dichter den Reimvollkommen vermeidet, was in der von Walther angenommenen Entsteh-ungszeit11. oder 12. Jahrhundert nicht eben häufig ist.

Ueberlieferung im Vindob. 609 s. XII f. 44. Ausgabe von Walt her, Das Streit-gedicht etc. S. 230 ff., vgl. S. 101 ff., wo auch Notizen über die Marienlegenden zufinden sind.

16. ALTERCATIO FORTUNAE ET PHILOSOPHIAE

In diesem Gedicht streiten das Glück und die Philosophie um den Vor-rang. Es besteht aus 24 Distichen und der gleichen Anzahl Streitreden. DasGlück wirft der Philosophie Armut vor und preist die Güter, über die esverfügt, erhält aber zur Antwort, daß seine Güter der Erde und nichtdem Himmel gehören, sowie daß das Glück unsicher wie ein Rad sei. DerStreit geht dann um den Vorzug der irdischen oder der geistigen Güter,

1 5, 2 und 17,1 erscheinen sogar Fünf- 3 Quod Greci lingua proprio, dicunt Ypo-silber. panti.

2 Hiat wird mehrfach zugelassen.