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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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954 Vierter Abschnitt. Die Dichtung

nie ?"Ich komme aus der Gegend des Grauens; dort bereitet mir der Styxmein Bad und kriechendes Gewürm sind meine Diener."Ich fürchte nachdeinem Aussehen, daß du die Pest im Gefolge hast."Ich muß so schreck-lich erscheinen, da man sich sonst nicht vor mir fürchtet."Warum aberbist du so 1 grauenvoll ?"Ich muß die Lebensgeister der Menschen ver-nichten, sie werden im Grabe zu Würmern."Gibt es denn kein Mitteldeiner Macht zu entfliehen ?"Nein, gegen mich ist im Garten kein Krautgewachsen, jeder muß den Becher 2 des Todes trinken."Was trägst duaber für ein Werkzeug in deinen Händen ?"Das ist eine Sichel (messorium)mit der ich mich nach allen Himmelsgegenden wende."Damit schneidestdu aber doch nur die reife Saat ab ?"Nein, ich gehe gegen alles vor."Könntest du mich nicht verschonen ?"Wenn der Mensch genügend Bußetut, so kann die Frist, die ihm gesetzt ist, verlängert werden."So bitteich dich um Verlängerung."Ich bin ein strenger Richter und begehe nieeine Ungerechtigkeit. Oft habe ich den Herren der Welt das Leben ge-nommen, wenn sie Übeltäter waren."

Ueberlieferung im Oxon. Laud. misc. 512 s.XII f.122. 3 Vindob. 3848 s.XV (Expl.altercatio anime et corporis), Mus. Brit. Add. 15698 s. XV f. 71 (Dialogus inter vitam etnecem); Prag. StrahowDC. III. 4 s. XIV f. 1 und vielen anderen Hss., vgl. Walther a.a.O.S. 81 n. 1 und S. 190. Ausgabe von Blume, Analecta hymnica 33, 287f. Vgl. Walthera. a. 0. S. 81.

14. CHRISTIANUS IUDEUS SARRACENUS

Disputationen über den Glauben sind seit dem ersten Kreuzzuge nichteben selten. In einem Gedicht finden wir schon einen gewissen Anlauf zuLessings Nathan. Ein Christ, ein Jude und ein Moslem streiten sich untereinem Baum über den Vorzug ihrer Religion, als ein Mann sich ihnen intiefer Traurigkeit nähert. Man fragt ihn nach dem Grunde seiner Betrübnisund er erklärt ihnen, daß er nicht wisse, wohin er nach dem Tode gelangenund ob er einst auferstehen werde; nicht zu allen Völkern sei das Heilgekommen, und er wünsche zu erfahren, welches der wahre Glaube sei. Daverspricht ihm der Moslem nach dem Tode ein schöneres Leben und lauterFreude; als er aber auf die Frage, worin diese beständen, antwortet, daßer dann viele schöne Frauen haben werde, meint der Heide, er sehne sichnicht nach mehreren, da er an seinem einen bösen Weibe mehr als genughabe. Dann will ihn der Jude mit den herrlichsten Speisen in seinen Himmel 4ködern, doch der Heide entgegnet, daß er davon nur körperliches Übel-befinden haben werde. Endlich verspricht ihm der Christ, ihn durch Unter-richt zu Gott zu führen und taufen zu können, und als der Heide nach demLohne fragt, den er davon haben werde, stellt ihm jener in Aussicht, daßer mit den Engeln im Himmel beständig Gott sehen und von jedem Schmerzfrei sein werde. Das leuchtet dem Heiden ein und er begehrt Katechisationund Taufe.

So schlicht und klar dies Gedicht im Ausdruck ist, an so schweren Mängeln leidet seinerhythmische Form. Es besteht aus 24 Strophen, die zwar zweisilbig gereimte Vaganten-

1 7, 5 Olent tua guttura, plenissima foetoris, 3 Subskription Explicü brevis sequencia[\)Circumdatus es vermibus intus atque Joris. facta et compilata a s. Bernardo.

2 10, 8 ist scissus aus sciffus wohl ver- 4 17, 2 locus amenissimus. . . vocatusorlusschrieben. (= Hortus) Abrahe.