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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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952
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952 Vierter Abschnitt. Die Dichtung

Ueberlieferung im Gantabr. Corp. Christi Coli. 481 p. 383ff. s. XIII in. Ausgabe vonWalther a. a. O. S. 215f., vgl. S. 77 n. 1.

10. Carnalis et spiritualis homo. In diesem kurzen Gedicht von61 leoninischen 1 Hexametern tritt derselbe Stoff wie im vorigen zutage.Der fleischliche Mensch berichtet, daß ihm, eben als er ein Loblied aufdie Welt schreiben wollte, ein trauriger Tor entgegengetreten sei, der dieWelt hasse und all ihren Glanz verachte. Und nun wendet er sich andiesen und sagt ihm, daß nichts schöner sei, als den Wünschen desFleisches nachzugeben. Ihm entgegnet der geistige Mensch, er wisse lei-der schon lange, daß jener den weltlichen Genüssen nachjage. Warumsei er ein solcher Tor und richte sich zugrunde, denn die Strafe werdeihn nach dem Tode sicher ereilen. Doch der Carnalis homo meint, jenerwisse nicht was er rede. Er habe stets glückliche Tage und ruhigeNächte, schöne Kinder, berühmte Neffen und eine Schar treuer Diener.Glücklich solle er ihn preisen und nicht klagen und jammern, höchstensdarüber, daß er selbst alles das verachte. Mit dem Einwand des Geg-ners, daß jener hier und im Jenseits Strafe erdulden werde, schließt dasGedicht.

Ueberlieferung im Monac. 17212 s. XIII f. 23. Ausgabe bei Walther S. 216ff., vgl.S. 78.

11. Caro et Anima. In sechzig Strophen von je vier paarweise ge-reimten Siebensilbern behandelte ein Dichter, der wegen der Formenrein-heit seiner Verse wohl noch in die Mitte des 12. Jahrhunderts und nachFrankreich 2 gehört, den Streit zwischen Leib 3 und Seele, und zwar so, daßbeide Gegner je zehnmal in drei Strophen sprechen. Der Körper fragtdie Seele, die er 1, 1 Conpar mea nobilis, mihi semper utilis nennt, warumsie ihm entgegen sei, da sie doch beide desselben Ursprungs wären, wo-rauf die Seele die Frage stellt, warum er sie zu bösen Werken zwinge. DerKörper gibt den Zwang nicht zu und meint, daß er ja sterben müsse, wenner die Lebensverrichtungen einstelle. Das Leben, meint die Seele, wollesie ihm zugestehen, aber nicht seine Vergehen gegen Gottes Gebot. DerKörper entschuldigt sich und seine Lüste mit seiner Gebrechlichkeit, dochdie Seele zeiht ihn des Rückfalls ins Heidentum, wenn er seinem Geniusnachgebe. Er aber meint, daß sie ungerecht gegen ihn sei, und bittet sie,ihn zu lieben, worauf sie antwortet, daß er sie ja nicht liebe und ihr nichtUntertan sei. Der Körper will bei den Lüsten des Fleisches bleiben undmeint, daß mit seinemTode alles aus sei, denn es sei ungewiß, daß seineGebeine einst wieder auflebten, worauf die Seele ihm das Jüngste Gerichtvorhält. Als er an dessen Wirklichkeit zweifelt, erinnert ihn die Seele andie Auferstehung Christi. Da ergreift ihn die Angst und er verspricht ihrGehorsam.

Ueberlieferung im Burdigal. 11 s. XII f. 65. Ausgabe von Walther S. 218 ff., vgl.S.78f.

1 Der Reim ist aber nicht gleichmäßig ge- deaux.

handhabt und daher setzt Walther S. 78 3 Wohl nicht Corpus et anima, sonst könnte

das Gedicht wohl mit Recht in den Anfang es 13, 4 nicht heißen luxum credo corporis,

des 12. Jahrhunderts. vgl. allerdings 33, 2 (und 45,1).

2 Die einzige bekannte Hs. ist in Bor-