Druckschrift 
3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
Entstehung
Seite
942
Einzelbild herunterladen
 

942 Vierter Abschnitt. Die Dichtung

diese Bitte ein. 1 Von diesem Offiz hat sich ein Fragment erhalten, das zweiHymnen auf Gerald ad vesperas et matutinum und ad laudes enthält dererste in 20, der zweite in 24 jambischen Achtsilbern. 2 Und der Abt Robertvon St. Victor hatte ihn bitten lassen, ein Epitaph auf das Grab des Bi-schofs Mauritius von Paris zu dichten. Er kam diesem Wunsche zögerndund bescheiden nach und verfaßte ein solches Gedicht in sechs Distichenmit der Bitte, zwei oder vier Verse davon auszuwählen und den Namendes Verfassers zu unterdrücken; das ist denn auch geschehen, indem sichnur Vs. 36 als Grabschrift verwendet finden.

Stephani epist. 260 (Migne 211, 522 C) Dictum est nobis quod excitare velitis verecun-diam nostram et. . . antiquo nie includere ludo. Onus importabile nobis imponitis ... scilicelut subscribamus aliquid sepulcro magni sacerdotis patris nostri Mauritii Parisiensis epi-scopi. . . compresso interim pudore paucos elegos scribimus utex eis duos velquatuor, qui vobismagis placuerint excerpatis. Rogamus . . , ut auctoris tacito nomine recitentur, darauf folgendie sechs Distichen.

c) Briefe. Viel bedeutender als diese Reste von Gedichten Stephans sindseine Briefe, die von nicht geringem geschichtlichen Wert sind und dieZahl von dreihundert übersteigen. Aus ihnen ergeben sich die mannig-fachen Beziehungen, die er als Kirchenfürst zu seinen Amtsgenossen undzu weltlichen Großen zu pflegen hatte, oder die ihn mit Päpsten und Kar-dinälen verbanden. Nur ganz selten schwellen diese Schreiben zu größerenAbhandlungen an, wie der Brief 71, den Stephan an den Mönch Robertvon Pontigny über das Thema richtet, ob es den Grandimontanern er-laubt sei, Zisterziensergewand zu tragen. 3 Die Briefe ergeben, daß Stephankein besonders gelehrter 4 Theologe war, sondern vielmehr ein tüchtigesVerwaltungstalent besaß, so daß sein Rat und seine Vermittlung oft be-gehrt wurde. Unter den Amtsgenossen wird besonders häufig ErzbischofWilhelm von Reims mit Briefen bedacht. Von Fürsten erscheinen als Adres-saten König Bela von Ungarn, Heinrich IL von England und (152 f.) Ka-nut VI. von Dänemark. Mehrfach aber hat Stephan Briefe im Auftragefürstlicher Personen geschrieben, wie N. 108 f. für Philipp II. von Frank-reich und 140. 262 f. für dessen Gemahlin. Bei N. 101 erscheint er alsÜberbringer eines königlichen Briefes an den Papst und so wohl auchN. 107; für den Reimser Erzbischof ist N. 110 geschrieben und ein andrerBrief wird im Namen der Äbte von St. Denis, St. Germain, St. Victor undSte. Genevieve an den Papst geschickt. Sehr häufig sind überhaupt Briefean die Päpste von Alexander III. an bis auf Innocenz III. Auch berühmteKardinäle erscheinen als Adressaten, wie N. 38 der Kanonist Gratian, dener an die einstige Studiengenossenschaft in Bologna bei Bulgarus erinnert,wie er auch dem Bischof Heraclius von Caesarea gemeinsame Jugend-erlebnisse von Bologna ins Gedächtnis ruft. 5

In den Briefen zeigt sich auch ab und zu Kenntnis antiker Dichtung. So Ep. 5 col. 314But Thebais Aeneida Longe sequor et vestigia semper adoro Stat. Theb. 12, 816 f. 148 col.435G

1 Stephani epist. 277 (Migne 211, 535A) internen Schulangelegenheit. N.123.190.208.Quandoque lusimus metro forsitan et prosa, 241 sind an Berterus von Cambrai gerichtet.nee lusisse pudet, sed nunc ineipere ludum. 5 Bp. 63 col. 355 B Bononiensium audito-

2 Gedruckt bei Migne 211, 566ff. ria fabriles diximus officinas. Inier haeo

3 Migne 211, 361 ff. diversa secuti studia sumus, ego quod im-

4 In Brief 115 wendet er sich an den Vor- seram carpentariam Bulgari, vos calvanam.stand der Schule s. Crucis zu Orleans in einer crueifixi.