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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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935
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D. Persönliche Dichtung 935

Kreuze hing, vom Pöbel verspottet. Nun rufen die unglücklichen Christenauf den Straßen das Mitleid der Vorübergehenden an, aber Schläge gibt esals Speise und als Brot Zähneklappern. Die Könige der Erde mögen eilenund die Gefangenen befreien und Gott möge sich der Unglücklichen er-barmen. Denn genug hat das Schwert getobt und schon hängen die Harfenan den Weiden. Schon sind die Bürger von Akkon gefallen und gegen diePriester wütet das Schwert, schon ist Beirut in den Händen der Feinde.Syrien ist überwältigt und schon hat Cilicien 1 die Tränen von Tarsus ge-spürt.

Mundus est in varium sepe variatus, Carm. Burana 226 H. mit der Über-schrift De mundi statu, in zehn und einer halben Vagantenzeile (44 Versen)unvollständig überliefert. Die Welt, heißt es, ist verändert und von ihrerHöhe gänzlich herabgestürzt. Die alte Sitte ist vorbei, eine neue, schlech-tere herrscht; jeder ist nur noch sein eigener Freund, und der alte Saturnregiert nicht mehr, sondern Plutus. 2 Man hoffte doch, daß noch jemand denFall der Welt durch seine Gaben aufhalten werde, aber einen solch seltenenVogel könnt ich noch nicht erblicken; er ist seltener als der Phönix, einwahrer Bockhirsch 3 und Ghimaera zu nennen. In der stürzenden Welt istniemand freigebig, und doch, an einer Stelle verspürt man die Freigebig-keit. Nämlich eure Thais, ihr Kleriker, empfängt viel und mächtig ist siezu Cumae und Bajae und war es einst zu Troja und bei den Griechen. Mitallen Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen, preßt sie den nackten Lieb-haber 4 aus. Allerdings mancher haßt die Thais und zieht einen Knabenzur Liebe vor, und so beschenkt einer die Thais, der andre den Porus.Es sind viele anders 5 gewöhnt, aber ich ziehe die Scherze von Mann undWeib vor.

Quam sit lata scelerum et quam longa tela, bei Wright, Political Songsp. 27 mit der Überschrift Contra avaros, in vierzig Vagantenstrophen zuvier Versen. Der Dichter bittet die Muse, sie solle ihm von der Ausbrei-tung der menschlichen Laster Bericht geben, und er erfährt nun folgendes.Das Recht ist dahin, an seine Stelle ist Glücksspiel getreten. Um aber tieferin den Stoff einzudringen, sei es nötig, die Besonderheiten in der Lebens-führung der verschiedenen Alter vorzuführen. Nachdem dies geschehen,wendet sich der Dichter nach Rom und zu dessen Habsucht, hier sei fürGeld alles zu haben. Notare und Richter sind bestechlich und die Erz-bischöfe sehen scheel darein, wenn man ihnen nicht gute Geschenke gibt;der Bischof liebt einen fröhlichen Geber und der Archidiakon schont keinenElenden und Armen. Der Dekan wechselt das Gewand und zieht in dieSchenke, der Priester gibt alle Geschenke von Lebenden und Toten an seineKöchin. Die Fürsten erpressen das Geld zu ihren Kriegen von den Bauernund Armen und die Staatsmänner gehen stets auf Beraubung der Unter-tanen aus. Und auch der Bürger verkehrt nur mit dir, um dich zu betrügen.

1 So ist wohl Str. 10, 6 statt Sicilia zu 10, 3 Glycerium folgt, so ist Bekanntschaftschreiben. mit Terenz' Andria oder mit der Komödie

2 Also ähnlich wie Carm. Bur. 42,18, 2. Pamphilus und Gliscerium zu vermuten.

3 Str. 4, 4 hircocervus vere; das Wort aus 5 10, 5 ambidextri nunc multi modernorum,Boeth. in Aristot. de interpret. ed. prima 1. bedeutet wohl homosexuell, vgl. ä^iS^io?

1 Str. 8, 7 Pamphilum . . . emungit; da und dutpoTspoSe^oq.