934 Vierter Abschnitt. Die Dichtung
Multis a confratribus pridie rogatus, bei Wright (Map) p. 31, in 36 Va-gantenstrophen zu vier 1 Versen. Er wurde kürzlich, heißt es, von vielenBrüdern gefragt, warum Christus als Mensch die Leiden des Todes aufsich nahm. Der Dichter beginnt mit einer doxologischen Auseinanderset-zung über Gottvater und Gottsohn und daß der Mensch der Gottheit Unter-tan sei. Aber Gott hat dem Menschen die Natur unterstellt und als Krönungseiner Gnade ließ er seinen Sohn Mensch werden. Doch würde dessen Tod derMenschheit wenig nützen, wenn er nicht zu neuem Leben auferstandenwäre, so daß er nun zur Rechten Gottes sitzt. Dann greift der Dichter alt-testamentliche Ereignisse heraus, die auf den Opfertod Christi gedeutet wer-den können. 2 Am Schluß spricht er von der Schwierigkeit des behandeltenStoffes.
Manns ferens manera pium facit impium, satirische Klage über dieMacht des Geldes, bei Wright (Map) p. 227, 3 bei W.Meyer, GöttingerNachr. 1908, 192; die letzten drei Verse bilden den Anfang der Carm. Bu-rana. 4 Auch der Fromme wird gottlos, heißt es, wenn ihm jemand Geld ent-gegenbringt. Geld mildert alles, bei der Geistlichkeit steht es dem Rechtegleich, die Richter lassen sich von ihm einnehmen. Wo aber das Geld spricht,kommt das Unrecht; der Arme wird abgewiesen. Dabei fällt das Recht,jede hinkende Sache wird gerade gemacht; wer nichts gibt, bleibt ohneRecht, aber die Mächtigen haben Erfolg. Die Geistlichkeit geht nicht aufdie Sitten, sondern aufs Geld, der Satz herrscht: Gib, dann wird dir ge-geben werden. Dem Armen ist alles entgegen, wessen Börse voll ist, derlenkt alles nach seinem Willen; er setzt jede Sache bei der Kurie durch.Wer nichts hat, verliert jeden Prozeß, auch wenn er Codrus ist; das giltunsern Räubern als Bundeszeichen, die alle Lebenden verschlingen undfür den Bestecher kräftig eintreten. 5 Das Gedicht besitzt sechs Strophenvon je fünf Versen, deren drei erste Langzeilen von je zwei Siebensilbernsind, während die zwei letzten Verse Langzeilen von je zwei Sechssilberndarstellen.
Plange Sion et Judea, in den Anal, hymnica 33, 315 mit der Über-schrift De excidio Hierosolymorum, ein Kreuzlied, 1187 oder 1188 gedichtet.Es besteht aus zehn Strophen von je vier trochäischen Achtsilbern, dreiSieben- und einem Sechssilber. Trauern mag die Welt, heißt es, denn dieVölker der Heiden triumphieren, Jerusalem ist gefallen. Nun werden dieChristen dort von den Heiden als Sklaven verkauft oder getötet. Raheltrauert, denn die Christen werden hingeschlachtet, die Wahrheit ist zu Fallgekommen, sie ist von der Lüge überwunden, 6 wie auch Christus einst am
44 Maximian Eleg. 1,1; 68 Geta 1. Neue Lansdowne 397 f.lOb; Meyer benutzt
Ausgabe von Strecker, Studi medievali außerdem den Cantabr. Corp. Christi Coli.
N. S. 1 (1928) 386—391 mit Einleitung und 177 f. 202 a.
Kommentar. * Vgl. W. Meyer, Gott. Nachr. 1908,190.
1 Die erste Strophe hat ausnahmsweise 6 Zum Gedicht vgl. W.Meyer a.a.O.sechs Verse. 190ff. und K. Strecker a.a.O. S. 188.
2 So Vs. 133 Quod intravit Daniel locum " 4,1 Alathia superatur Et a Pseusti decal-Babilonis, Totum est mysterium Christi pas- vatur, nach den Personen in Theoduls Ek-sionis. löge.
8 Aus Mus. Brit. Reg. 8B VI f. 18 a und