932 Vierter Abschnitt. Die Dichtung
dem Vergnügen nach, aber nicht dem Heile. Wehe denen, deren Gott derBauch ist und die daher auch den Lockungen der Liebe folgen! Die Geist-lichkeit verrichtet nichts mehr umsonst, sie zahlt Geld für ihre StellenPäpste und Bischöfe kommen durch Simonie zur Macht. 1
Ad terrorem omnium Surgam locuturus. Das Gedicht hat Anal, hymnica1, 91 nur sechs, dagegen 33, 289 zwanzig Vagantenstrophen zu vier Versenmit der Überschrift Adhortatio ad terrorem omnium. Der Dichter sagtdaß er scharf losziehen wolle gegen alle Kleriker jeden Standes, die irdischeSchätze sammeln. Sie seien Toren, denn sie müßten doch ins Grab steigenund nichts werde nach den Worten des Psalmisten bei ihnen bleiben. Schonviele reiche Leute habe er später bettelarm gesehen. Der Arme heische nurein Gewand, um seine Blöße zu decken, die Kleriker aber wohnten inherrlich geschmückten Bäumen, ergötzten sich an allerhand Leckereienund füllten ihren Leib mit köstlichem Weine. Und sie lassen dazu nochihre Tür vor den Armen verschließen und predigen andern Buße und legenPönitenz auf. Die ganze Welt ist verkehrt, Staat und Becht verkümmern,die Wahrheit geht unter, die Unbestechlichkeit der Bichter ist dahin. Soläßt der Dichter am Schlüsse die Mahnung an den Klerus ergehen, seinLeben zu ändern. 2
Si mundus viveret mundus peccunia, Anal. hymn. 21, 149 mit der Über-schrift De malo peccuniae. Wenn das Geld nicht wäre, so würden, sagt derDichter, Frieden und Eintracht herrschen. Altes und Neues zu wissen,nützt nichts, da das Geld alles gibt und alles vermag, jede Bitte unterstütztund Ämter verteilt. Wer es nicht hat, den kennt man nicht, die Wissen-schaften hungern und man handelt nach dem Wort: „Wer hat, dem sollgegeben werden." Der größte Lump wird durch Geld geadelt, aber deradlige Arme gilt nichts. 3
Mundi übet vitia cunctis enarrare enthält in der Ausgabe von Wright,Political Songs p. 46, zweiundzwanzig Vagantenstrophen von je vierVersen. Der Dichter beabsichtigt, über die Gebrechen der Welt zu re-den, da alles in ihr verkehrt ist. Nur der gilt etwas, der auf Streit und Lugund Geld ausgeht und niemand schont. Könige, Vornehme und Beiche be-rauben offen den Armen, aber schlimmer noch steht es mit dem hohen Kle-rus, der ungescheut Übles tut, statt das Volk zu belehren. Hauptsächlichmüssen hier vier Brüder genannt werden, Bobert, Bichard, Gilbert undGalfrid. 4 Bobert ist mit robbur (robber), Bichard mit riche hard, Gilbert mitguiler und Geoffrey ist mit fo frai (je ferai) zu erklären, also Bobert schindetdie Menschen, Bichard behält alles, Gilbert betrügt und Galfrid schiebt allesauf die lange Bank. Mit diesen vier Typen werden nun die Menschen ver-glichen und namentlich der Bequeme und Faule. — Interessant ist das Ge-dicht wegen der englischen und französischen Worte, doch steht es in dieserBeziehung nicht allein da.
1 Vgl. hierzu Strecker, ZfdA. 64,183. 4 Diese häufig vorkommenden englischen169ff., er ist überzeugt, daß das Gedicht Eigennamen werden als Typen der Welt-Walter zugehört, hat es aber unter dessen lichkeit aufgestellt, um als Unterlage fürDichtungen nicht abgedruckt. die daran geknüpften wunderlichen Ety-. 2 Vgl. Strecker a.a.O. S.185. mologien zu dienen; bestimmte Personen
3 Vgl. Strecker a.a.O. S. 186f. sind es kaum.