930 • Vierter Abschnitt. Die Dichtung
nicht hindert in Nr. 7 sich zwar scharf gegen das Schisma zu äußern, dabeiaber offen Partei für Alexander III. zu nehmen und in Nr. 15 in seinen alle-gorischen Betrachtungen über Kaiser und Papst die Anhänger des Kaisersals widerlegt gelten zu lassen. Noch stärker gibt er seine romanische Ab-neigung gegen Friedrich I. dadurch zu erkennen, daß er in einem Gedicht(Nr. 16) von der bevorstehenden Ankunft des Antichristen dem Kaiserdas Schisma zuschiebt und ihn zum Vorläufer des Antichristen macht.Diese ernsten Gedichte erhalten ihr Ende durch das Stück Nr. 17, wo derDichter, selbst schwer krank, das Ende der Welt in Dunkel herannahensieht, und in Nr. 18, einem Bußliede, das vielleicht auch aus den letztenZeiten Walters stammt und sich eng an Psal. 50 anschließt. Unterbrochenwird dieser tiefe Ernst mehrfach durch Gedichte von mehr persönlichemGepräge, wie durch die beiden Stücke zum Bakelfest Nr. 12 und 13, wo imersten über die in der Bibel vorkommenden Stäbe gehandelt wird, währendsich der Dichter die Gelegenheit nicht entgehen läßt, im zweiten derhöheren Geistlichkeit eine scharfe Strafpredigt zu halten. Seltsam undschwer verständlich dagegen ist ein drittes (Nr. 14), das sich vielleicht aufdie goldene Rose des beim Narrenfeste von Besancon erwählten Papstesbezieht.
Das am meisten persönliche und zugleich das interessanteste seiner Ge-dichte ist Nr. 3, das aus Prosa und polyrhythmischer Poesie besteht. Eshat 0 3, 5, 5—8 29, 3 f p. 47 aufgenommen, besitzt als 35, 1—8 p. 49 ff. denHymnus Dum medium silentium (den man nach Darmstad. 2777 f. 4 b s. XIIIfrüher dem Philippe de Greve beilegte 1 ) und Walter nahm später aus ihm 3,142—153,157 in seine Alexandreis auf. Das Gedicht offenbart sich als einVortrag, den Walter um 1174 auf der Rückreise von Rom begriffen inBologna vor Juristen hielt und zwar nicht über ein juristisches Thema, son-dern über eine Hochschule nach seinem Ideale. Auf die Vorrede und dieStellung des Themas folgt die Belehrung über die freien Künste, als zuderen erster, der Grammatik, 2 gehörig Walter vier berühmte Rhythmikeraufzählt, nämlich Stephan Abt von St. Evurtius in Orleans, Petrus vonBlois, Berterus, bekannt durch seine Aufforderung zum Kreuzzuge (bei Rogervon Hoveden, Ghron. ed. Stubbs 2,330) und sich selbst. Bei der Logik wirddes Universalienstreites gedacht und Abaelard hervorgehoben. 3 Auf dasQuadrivium folgen die Rechtswissenschaft, die Medizin und die Theologiein ausführlicher Darlegung und das Schlußwort hat es mit der mystischenAuslegung der vier generationes des Menschen zu tun.
Das vierte Gedicht des Paris. 3245 heißt Contra ecclesiasticos iuxtavisionem apocalypsis oder auch Apocalypsis Goliae 4 episcopi und bedientsich der beliebten allegorischen Einkleidung. Zur Sommerszeit ruht derDichter unter einem Baum und erblickt die Gestalt des Pythagoras, an-getan mit den Sinnbildern der freien Künste. Pythagoras führt ihn in eine
1 Er gehört nach Strecker, Moral.-sat. oder Garamantiker genannt.Ged.Waltersv.ChatillonS.56f.,demWalter 3 9,7 Baelardi sanctio beweist die vier-an; gedruckt Anal. hymn. 2, 38 Nr.4. sijbige Aussprache des Namens Abaelard.
2 Grammatiker, Dialektiker, Rhetoriker 4 Das Wort ist hier fast gleichbedeutendund Mathematiker werden hier 6,1—4 S. 41 mit Dichter zu nehmen.
mit einem italienischen Witz Garamanten