D. Persönliche Dichtung 927
4g3 __572; Gualteri ab Insulis Alexandreis ed. Müldener, Leipzig 1863 (unkritisch). Eine
Neuausgabe ist dringend nötig. Vgl. W. Toischer, Wiener SB. 97, 312—320 und beson-ders H. Christensen, Das Alexanderlied Walters von Chatillon, Halle 1905.
c) Georgica. Daß Walter ein Werk unter diesem Titel geschrieben habe,wurde von Haureau geleugnet, aber Fr. Novati hat die Echtheit derBezeichnung in der Handschrift fast erwiesen. Nämlich der Paris. 15155enthält 116 Verse unter dem Namen Georgicorum Galteri de Castellione.Davon gehört Vs. 1 des Dichters Epitaph an, Vs. 2 f. der Anrufung Christiaus dem Anfang des Gedichts. Mit Vs. 7 setzt das eigentliche Gedicht ein,und es läßt sich aus den Resten ersehen, daß hierin von Körnern, Früchten,Wein und Himmelserscheinungen die Rede war, also von Gegenständen,die in ein Gedicht über den Landbau gut passen. Alle diese Verse ver-zichten nun auf den Reim, und da sich später leoninische Hexameterdarunter finden, sogar Trinini salientes, 1 so glaubte Novati, daß in diesengereimten Versen fremde Bestandteile in das betreffende Kapitel der Floreshineingekommen seien. Sehr wahrscheinlich ist das allerdings nicht. JeneVerse in den Georgica sind großenteils moralischen Inhalts, und ich würdesie ohne weiteres aus einem mittelalterlichen Gedicht über den Landbau nichtausschließen mögen, da ja dessen Grundzug doch auch didaktisch ist undz. B. Flores aus den Metamorphosen Ovids oft einen stark didaktischenEindruck machen. Es wird sich danach ohne Auffindung neuen Materialsetwas Sicheres kaum entscheiden lassen.
Die Flores stehen im Paris. 15155 2 s. XIII f. 41b—43b. Zu Haureau vgl. dessen No-tices et extraits 4, 306. Die Ausgabe von Novati in Melanges Paul Fahre (Paris 1902)S. 274—278, Einleitung p. 265—274.
d) Lyrik. Walter sagt selbst in dem von ihm gedichteten Epitaph Per-strepuü modulis Gallia tota meis und kennzeichnet damit seinen Ruhm alslyrischer Dichter. Es haben sich von ihm zwei Hauptsammlungen vonRhythmen, 0 und W, 3 erhalten, deren keine ein Lied der andern ganz be-sitzt, während einzelne Lieder von beiden, durch andere vermehrt, auchsonst in der Überlieferung vorkommen. Diese weist besonders nach Frank-reich, doch nimmt auch England stark daran teil; aber auch deutsche Hand-schriften, besonders die Carmina Burana, überliefern einzelne Lieder. Mankann somit sagen, daß der Ruhm Walters als Lyriker weiter gedrungenist als der des Archipoeta. Die beiden Sammlungen, deren Chronologie aufgroße Schwierigkeiten stößt, sind nun so eingerichtet, daß 0 aus 33 Stücken,W nach Paris. 3245 nur aus neun auf Walter zurückgehenden Stückenbesteht, mit denen Strecker aber noch neun andre Gedichte Walters ver-band. 0 enthält in ziemlich bunter Mischung geistliche Lieder, Satiren,Gedichte auf Zeitereignisse und Liebeslieder. Diese fehlen in W ganz und dasgeistliche Lied ist hier auch kaum vertreten, dagegen herrscht die Satireund das durch persönliche Züge besonders ausgestaltete Zeitgedicht sowiedie Bußpredigt vor. Auf diese Weise scheiden sich beide Sammlungen ziem-
1 So Vs. 50—55 in Melanges Paul Fahre 3 Ich übernehme die von K. Strecker,P-276. Die Lieder Walters von Chatillon in der
2 Die Hs. stammt wohl aus Orleans. No- Hs. 351 von St. Omer, Berlin 1925 (= O)vati hat das überaus reiche Inhaltsver- und Moralisch-satirische Gedichte Walterszeichnis (mit Tibull und Properz!) abge- v. Chatillon, Heidelberg 1939 (=W), ein-druckt, geführten Bezeichnungen.