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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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D. Persönliche Dichtung 925

selbst bestimmt und nur auf gewaltsamem Wege möglich erscheinen zulassen. Allerdings macht Walter vom Texte des Curtiusromans viele Ab-striche, aber er bringt auch Zusätze aus Justin und macht Einschiebungenaus der Epitome des Julius Valerius, aus Josephus' Antiquitates (für dieBegegnung mit dem jüdischen Hohenpriester Alex. 1, 502 ff.) und aus Isi-dors Etymologiae (namentlich 1,396 ff.). Dagegen bildet hauptsächlich dieBibel die Unterlage für die bildlichen Darstellungen, wie Beschreibungenvon Schilden und von Grabdenkmälern; diese Teile sind übrigens dieschwächsten Stellen des Gedichts, da Walter hier ganz unmögliche Stoffebehandelt und zuweilen ganz frei erfindet. Jedenfalls aber war die Samm-lung und Sichtung des gesamten Stoffes eine große Arbeit und auch seineAnordnung setzt einen künstlerisch begabten und überlegenden Geistvoraus.

Und auch die Form ist alles Lobes wert. Wer die von Reimen strotzendenGedichte der Zeitgenossen auf sein Ohr hat wirken lassen, der findet indiesem Epos einmal einen wohltätigen Ruhepunkt und wird sich vom Zauberklassisch anmutender Dichtung gern umspinnen lassen. Dieser besteht abernicht etwa darin, daß Walter seine zahlreichen und lang ausgedehntenSchlachtschilderungen vielfach mit Stellen aus Vergil, Lucan und Ovid aus-schmückt, sondern weil er sich in der ganzen poetischen Form nach den bestenMustern richtet. Die Prosodie ist bei ihm verhältnismäßig rein und sicher,wenn man von den griechischen und hebräischen Worten absieht, der Reimtritt so gut wie gar nicht hervor. Die Versschlüsse sind ganz selten mono-syllabisch, vier- und fünfsilbige Worte am Schluß sind äußerst selten fürjene Zeit, und die Zäsuren sind richtig gebaut und es finden sich nicht diegleichen in aufeinanderfolgender Menge, sondern in der lebendigen Abwechs-lung der klassischen Poesie. Völlig vermieden wird der Hiat, dagegen wirddie Elision häufig angewendet. Und hierzu kommt, daß Walter als echterDichter möglichst die abstrakten Begriffe vermeidet und vielmehr diekonkreten gelten läßt. Und da er in hervorragendem Maße den epischenVergleich anwendet und die antike Götterwelt ihm uneingeschränkt zuGebote steht, so sind eigentlich die Hauptbedingungen dafür erfüllt, umWalter als einen antiken Dichter vorzutäuschen. Und daher kommt es,daß die Lektüre des Epos großenteils ein Genuß ist.

Das Gedicht zerfällt in zehn Bücher, die Anfangsbuchstaben des erstenVerses jedes einzelnen Buches ergeben der Reihe nach als AkrostichonGuillermus, 1 den Namen des Reimser Erzbischofs. Es beginnt mit derJugend Alexanders, gibt den zwischen dem Knaben und Aristoteles ge-führten, von Walter selbst erdachten Dialog, berichtet von den Partei-kämpfen zwischen Aeschines und Demosthenes, von der Zerstörung Thebensund vom Übergang Alexanders nach Asien, wobei in diesem große Erinne-rungen an Troja wachgerufen werden und er eine begeisterte Rede an AchillsGrabe hält und das hier zu früh berichtete sagenhafte Zusammentreffen desKönigs mit dem Hohenpriester in Jerusalem geschildert wird (aus Josephus).

1 So wurde der Name Wilhelm in der Reim- non L in proprium morem locutionis illiusser Gegend latinisiert nach der Notiz im provinciae id est Remensis, vgl. PeiperParis. 8359 (im Prolog) Scribitur autem R a. a. O. S. 5.