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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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919
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D. Persönliche Dichtung 919

Widersacher, die gegen seine Lebensführung Protest erhoben. Man warfihm nämlich vor, daß er nur äußerlich fromm sei, daß er zu träge sei, umnach höheren Würden zu streben und daß ihm sein Vermögen wie überhauptweltliche Dinge gleichgültig seien und er sich daher mit den Wissenschaftenbeschäftige, was doch nur dem höheren Alter zukomme. Mit diesen Ver-leumdungen beschäftigt sich das erste der drei Bücher des Werkes, währenddas zweite darauf ausgeht, die Anschuldigungen zurückzuweisen und diewirklichen Gründe zu seiner einfachen Lebensführung vorzuführen. 1 Imdritten Buch wendet sich Guido gegen die Verworfenheit der Menschen undnachdem er kurz über die Laien gehandelt hat, zieht er gegen die Klerikerlos, an denen er eigentlich kein gutes Haar läßt, wobei er namentlich denKlerus von niedriger Abkunft aufs heftigste angreift. 2 Dann setzt er aus-einander, warum Würden und Reichtum überhaupt nicht erstrebenswertseien.

Die eigentliche Apologie ist hiermit beendet und das vierte Buch beginntnun als ,Libellus de regionibus mundi' mit der Rechtfertigung von desAutors Liebe zu den Büchern, spricht vom Nutzen der Philosophie und dersieben freien Künste und geht dann allmählich zur Erdbeschreibung über,die fast gänzlich Isidor entlehnt ist. Zuerst erwähnt Guido das Paradies undseine Ströme und kommt dann nach Indien, um von da die einzelnen TeileAsiens zu berühren, die er alle bis nach Palästina, Arabien und Ägypten ver-folgt; besonders hebt er überall die bei Isidor so stark hervortretenden wun-derbaren Tiere, Pflanzen und Steine hervor, und er erklärt auch ganz ruhig,daß er das alles aus Büchern geschöpft und keineswegs durch gefahrvollesReisen kennen gelernt habe. Hierauf folgt Afrika mit seinen Wundern unddann Europa, wo er Frankreich als das hauptsächlichste und ruhmreichsteLand preist, während er in Germanien nach dem Beispiel der alten Geo-graphen die gewaltigen Tiere rühmt. 3

Das fünfte Buch mit dem Sondertitel ,Liber quintus qui dicitur Gronos-graphia' beginnt die sich anschließende längere Geschichtsdarstellung, denLiber diversarum historiarum in sieben Büchern. Hierfür hat Guidoeine besondere Einleitung geschrieben, die sich wieder gegen die wendet,die wissenschaftliche Beschäftigung für unnütz hielten. Diese Weltgeschichte,die im ganzen Werk Lib. 511 einnimmt, hat keine besondere Bedeutung,denn für das 10. und 11. Jahrhundert schöpft sie hauptsächlich aus Wil-helm von Malmesbury und die Geschichte der eignen Zeit stellt sie nur kurzdar; sie schließt mit der Zeit nach dem dritten Kreuzzug. Übrigens hat Gui-do, wie er an das Ende seiner Briefe Gedichte zu stellen gewohnt war, auchin seine Apologia contra maledicos häufig Verse eingelegt, in denen sich,wie in jenen Gedichten, formale Gewandtheit und Neigung zum Reime zeigt.

1 Dabei wird an einer Stelle (Berl. SB. aus der Erwähnung der Gangavia insula1893 S. 405f.) das Volksbuch von Salomon hervorgeht, vgl. Solin 20, 7 p.97, 2ff. M.und Marculf benutzt (am Rande: De Salo- Daß Solin auch in den Briefen benutztmone rege et Abdemone Tyrio, qui Marculfus ist, hat F. Lammert, Philol. 72, 404ff. er-vulgariter appellatur). Vgl. P. Lehmann, wiesen; er gab aus Ep.35 den Nachweis,Die Parodie im MA. 236 f. daß Solin und nicht der Anon. Leidensis

2 Vgl. Berl. SB. 1893, 408414. de situ orbis die Vorlage war (S. 410 f.). Und

3 Guido benutzt auch den Solin, wie fol. 41 zwar war es eine Hs. des Solin, die GL nahe-col. 2 (Wattenbach, Berl. SB.1893 S.419) stand.