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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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918 Vierter Abschnitt. Die Dichtung

liebenden König von Frankreich. Dieser brachte endlich die Versöhnungbeider zustande, wobei Heinrich IL den Judaskuß gab, denn am Altar seinerKirche ward der Erzbischof ermordet. 1 In einem zweiten Gedicht über Tho-mas spricht er nach einer Bibelstelle über die mystische Doppelbedeutungder Tränen, wobei des zweifachen Materials der Altäre und des doppeltenOpfers auf ihnen gedacht wird. Die Kirche möge sich aber die Pein ver-gegenwärtigen, die der Märtyrer mit seinem Tode besiegt habe. Der Rhyth-mus enthält zwölf Strophen und besteht aus zwei Teilen: der erste besitztvier Strophen zu je acht Zeilen, die gemischt trochäische oder jambischeAcht- oder Siebensilber darstellen, 2 der zweite acht Strophen zu je sechsZeilen, in denen ebenfalls Mischung der Rhythmen zugelassen ist. 3 Ein me-trisches Gedicht betitelt sich Recta monentem sequendum. Es besitzt siebenStrophen zu je vier Versen, die dem Boethius Cons. phil. 1 metr. 2 nach-gebildet sind, aber in acht Halbzeilen zerlegt werden und Reim besitzen. 4Guido führt hier aus, daß, wer einen klugen Ratgeber verläßt, ebenso un-klug handle wie der, der nicht auf den Rat des erfahrenen Arztes hört. Dashabe er selbst getan und zwar bei seinem Lehrer N. an diesen ist der Briefgerichtet und daher schwanke sein Lebensschiff hin und her. So bitte erseinen Lehrer um Hilfe und wünsche ihm ein langes, frohes Leben. Endlichenthalten die sieben reimlosen Distichen De bono mortis Gedanken überdie Allgewalt des Todes, den der Dichter als Erfüllung des BibelwortsApoc. 14, 13 für sich ersehnt und in solcher Gestalt auch seinem FreundePetrus wünscht, an den der Brief gerichtet ist. Hier steht Vs. 13 das Wortplacitum in seiner eigentlichen Bedeutung (Gericht).

Ein gewisses Talent zum Dichten kann man Guido nicht absprechen,wenn es auch wenig zeitgenössische Poeten gibt, deren Rhythmen so starkunregelmäßig sind wie die Guidos. Jedenfalls steht ihm ein nicht geringerFormenreichtum zu Gebote.

Die zwischen Brief und Gedicht gestellten verbindenden Worte Guidos finden sich inder Ausgabe von D r e v e s hinter dem Text der Gedichte; sie sind nicht selten für das per-sönliche Leben Guidos, aber auch für den behandelten Stoff und zur Zeitbestimmung wich-tig. So die Worte zu den Gedichten auf Thomas Ep. 18 (An. hymn. 50, 525) ut in epistolaefine respicias et recipias pro solacii supplemento Carmen, quod de novi et electi martyris etarchipraesulis . . . Thomae vietoriosa passione compositum tibi mitto und Ep. 20 p. 526 deb. Thoma novo martyre noviter editum Carmen epistulae tibi dedicatae subnecto.

Ueberlieferung im Luxemburg. 27 s. XII. Ausgabe nur teilweise bei Wattenbach,Neues Archiv 16, 67113 und bei Dreves, Analecta hymnica 50, 508527.

b)Apologia contra maledicos. Daß dies Werk in verhältnismäßig früheJahre Guidos gehört, geht daraus hervor, daß er es im 36. Briefe, den er anseine Mutter schrieb, erwähnt; es ist älter als die Kreuzfahrt des Verfassersund ist nur nachträglich mit dem Geschichtswerk des Verfassers verbundenworden, ohne daß es überarbeitet worden wäre. 5 Die Apologie hat er auf denWunsch seiner Mutter geschrieben und er wendet sich in ihr gegen seine

1 Man beachte wieder das Wortspiel 7b, 9 3 Reim abb aab.

Punitus gladiis Anglicorum Potitur gaudiis 4 Nämlich abcb db eb. Daß das GedichtAngelorum. 7b, 5 begegnet übrigens das metrisch ist, sagt Guido selbst im Nach-wort sacrifex, das bei Hildebert mehrfach wort zu Ep. 9 (Anal. hymn. 50, 527) ex w-vorkommt. Der Reim ist sehr künstlich ge- gina metrici carminis . . . praecipitans .staltet. mucronem.

2 Reim abb aacca. 5 Vgl.Wattenbach, Berl.SB.1893S.396.