Druckschrift 
3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
Entstehung
Seite
914
Einzelbild herunterladen
 

914 Vierter Abschnitt. Die Dichtung

Zeugnisse. Daß der Dichter in Belgien lebte, ergibt sich wohl daraus, daß die einzigeHs. aus Heylichsem stammt und eine andere s. XIII in Marchiennes lag. Die Zeit ergibtsich aus dem Alter der Hs. (s. XII XIII in.), dem im 12. Jahrhundert besonders beliebtenVersmaß des Rhythmus und aus 1,106f., wo auf die Zeit kurz nach 1187 angespielt zuwerden scheint. Bekanntschaft mit Iren ergibt sich aus 94, 3 und 96, 3. Die Hs. enthältübrigens zuweilen kurze Inhaltsangaben und Textglossen, die vielleicht vom Dichter selbsthinzugesetzt worden sind. 1 Die Strophen bestehen aus Vierzehnsilbern in 1, 6. 24 46 5052. 54. 59. 62. 70. 75. 80. 91. 170. 174.195 und 2, 53. 64. 80. Von Worten sind zu erwähnen40, 3 (42, 2) strepo Steigbügel; 58,1 (61, 2. 67, 4) nisus Sperber; 68,1 garcio; 94, 3 (96, 3)natula Binde (?); 111, 2 legista; 111, 3 decretista; 135, 3 decania; 235, 1 ribaldus; 261 3papirio (vgl. Exod. 2, 5).

Ueberlieferung. Die Gedichte befanden sich in Marchiennes 2 s. XIII (Catal. gen. desmscr. des depart. (4°) 6, 766 = Delisle, Le cab. des mscr. 2, 513) 107 Cantica GillebertiEinzige Hs. Bruxell. 723727 f. 137146 (aus Heylichsem, Ostbrabant). Ausgabe vonL. Tross, Gilleberti Carmina, Hamm 1849.

11. GUIDO VON BAZOCHES

Guido stammte aus der adligen Familie von Bazoches und ist vor 1146geboren; sein Vater hieß Gervasius, die MutterHadewidis. In seinem 7. Jahrewurde er durch seinen Oheim, den Bischof Haimo 3 von Chälons-sur-Marne,in dessen Stadt gebracht. Dort empfing er Unterricht, und als er in den geist-lichen Stand eingetreten war, wurde er Subdiakon, später Kanonikus undKantor von Chälons. In seiner Apologie verteidigt er sich gegen den Vor-wurf seiner Verwandten, daß er keine höhere Würden erstrebe, damit, daßihm literarische Muße in reizvoller Gegend genüge. Aber auch in Paris undin Montpellier hat er sich und zwar studienhalber aufgehalten. So meldeter in Ep. 4 einem Freunde, er sei jetzt in Paris, und er gibt eine ausführlicheBeschreibung der Stadt und ihrer Lage mit den zwei Brücken über denStrom. 4 In Ep. 5 wendet er sich an einen andern Freund, der ihn in Parisallein zurückgelassen hatte. Wahrscheinlich trat der Freund ein Kanonikatin Chälons an und richtete dabei der Stadt das Bakelfest aus; dazu sandteihm Guido ein Gedicht auf das Fest 5 ,Anni novi reditus', acht Strophen zusieben trochäischen Siebensilbern. Der Brief N. 9 bezeugt seine Anwesen-heit in Montpellier, er meldet hier, daß er nur mit großen Schwierigkeitendorthin gelangt sei; und in Ep. 13 teilt er mit, daß er nach St. Gilles ge-gangen sei. Jedenfalls hatte er für die angenehmen Seiten des Lebens regenSinn, denn in dem von ihm selbst gedichteten Epitaph, das er für den Fallseines Todes mit Ep.27 an seine Mutter schickt, sagt er Vs. 7 Et ludis doluset studiis. 6 In Ep. 22 schildert er das heitere Genußleben der reichen franzö-sischen Kleriker in recht gefälliger Weise; und beim Aufenthalt bei seinemmütterlichen Oheim, dem Archidiakonus von Laon, verfaßte er ein längeresGedicht 7 über die verschiedenen Arten der Jagd, den Fischfang eingeschlos-sen. Auch weiß er adliges Wesen zu schätzen, dem Sohn seiner Schwester,dem Neffen Rainaud, hält er in Ep. 33 seine hohe Abstammung vor, die erauf Chlodowech zurückführt. Im Jahr 1171 dichtete er Verse auf den neuen

1 So auch Tross p. XVI. aut pretereuntibus aut spatiantibus aut als-

2 Im Duacensis 217 steht dieser Katalog. putantibus logicis dedicatus est. Vgl. zu Adam

3 Ueber ihn spricht Guido im 30. Briefe de Parvo ponte.

(ed. Wattenbach, Neues Archiv 16,97f.), 5 Neues Archiv 16, 73f.

dem er noch ein Gedicht von 12 Hexametern ° A. a. O. S. 93.

(Caudati) auf den Oheim angehängt hat. ' Ep. 23 S. 8790.

4 Neues Archiv 16, 73 Pons autem parvus