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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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D. Persönliche Dichtung 911

daß dort das Volk der Garamanten herrsche; damit sind wohl die Sarazenengemeint und die Zeit kurz nach der Einnahme Jerusalems durch Saladin(1187) angedeutet.

Das erste Gedicht De superfluitate clericorum enthält 277 Strophenund ein Nachwort von drei Strophen, und zwar in Vagantenform, also jevier Zeilen in Dreizehnsilbern mit Endreim, korrekt gebaut und ohne Hia-tus; doch wechselt das Versmaß an 15 Stellen mit Vierzehnsilbern ab, derenEnde nicht trochäisch, sondern daktylisch gebaut ist. 1 Das Gedicht hat dieHerrsch- und Habsucht sowie die durchgehende Verweltlichung der Geist-lichkeit zum Vorwurf und gibt, ohne daß es persönlich wird und mit Fin-gern auf einzelne Vertreter hinweist, doch so viele Einzelheiten, daß manglauben kann, der Verfasser behandle die meisten Vorgänge aus eigner An-schauung. Nach kurzer Einleitung gibt der Dichter ein Bild davon, wie jetztder Kirchenpatron bei Erledigung des Amtes mit seinen Räten über dieNeubesetzung zu eignen Gunsten beratschlage (1023). Dann folgt einscharfer Ausfall gegen die Wahl von Knaben 2 und eine anschauliche Schil-derung von dem Prunke im Hause des Herrn Bischofs, wo sogar die Pferdevon Gold und Edelsteinen strotzen müssen.Und in kostbares Pelzwerkhüllen sich die Geistlichen, Gesang und Saitenspiel ertönt in den Häusern,zu Schach und Würfelspiel setzen sich die Mönche, während andre Menschenarbeiten müssen; und der Abt gibt sich alle Mühe, einen kranken Sperberzu heilen, der ihm vor allem ans Herz gewachsen ist. Und geht der Herr aufeine Synode, so trifft man Vorbereitungen wie zur Reise eines Fürsten, hälter Gericht, so ist das Recht nur um Gold zu erhalten. Dafür vereint dieserzehn Pfründen in seiner Hand und jener zehn Kirchen, was aber immer nochzu wenig ist. Drinnen im Palaste üppiges Leben, fünf Sorten Weine und eineUnzahl Gänge. Draußen verhungern und erfrieren die Armen!" Hier fürch-tet der Dichter zu weit gegangen zu sein, aber er spricht sich Mut ein undwill keine Furcht zeigen, er könne ja für sich allein schreiben und niemandbrauche seine Verse zu lesen. 3Die Könige des Altertums beteten goldneKälber an und der heutige Klerus kleidet sich in goldgesticktes Gewand.Was hilft sein Pfennig dem Armen und dem kranken Schottenmönch dieschmale Binde, die man ihm schenkt, während der Gaukler den Mantel er-hält." 4 Auf den Einwand, daß er die Bischöfe angreife und nach dem Him-mel ziele und seine Worte mit dem Obelus bezeichnen möge, meint der Dich-ter, sein kunstloses Gedicht werde ja doch niemand lesen, und jeder wisse,daß er Wahres spreche.Aber man muß doch nicht alles aufdecken!"Ja,aber man darf auch nicht alles verschweigen."Du redest zu viel, kommedoch zum Ende!"Nein, die Bibel straft die Furchtsamen (Isai. 56, 10). Undich sehe mit Trauer, daß der Berg Sion in den Händen der Garamanten ist.Und die höchsten Geistlichen 5 haben die Gebote Gottes am meisten verletzt.

1 50,1 Omne genus hominum sudat in la- in cista, Mihi soli scripserim, solus legamboribus. 52, 1 Manducare populus sedit at- ista.

que bibere. 4 95,1 erhält der Anwalt der Geistlichen

2 Sprichwörtlich 28,4 Naturam non deseril den Gruß Bene tuis naribus.

lupulug luporum und 29, 4 In pelle qua nas- 5 Es ist nicht sicher, ob 108, 2 f. und 109, 3citur solet lupus mori. nur die Bischöfe oder die Päpste selbst ge-

3 86,1 Si timoris quicquam est, claudam hie meint sind; beides ist möglich.