D. Persönliche Dichtung 909
daß er als junger Mann einst an der Seite des Erzbischofs Baldwin vonCanterbury mit dem berühmten Zisterzienserabt 1 Serlo gesessen habe, überdessen Konversion er sich darauf ausspricht.
Aus dieser späteren Zeit scheinen sich noch mehrere Gedichte Serlos er-halten zu haben. Zunächst De contemptu mundi, anscheinend in recht ver-schiedenem Umfang überliefert, ,Mundus abit, res nota quidem 1 beginnend,im Audomar. 115 ,Quisquis habens mundum cor eis postponere mundum 1 ,handschriftlich im Paris, nouv. acq. 760 f.94b als Werk Serlos 2 überliefert.Der Inhalt des Gedichts ist die übliche Abwendung von der Versuchungder Welt. Im Druck bei Wright p. 232 beginnt es mit zehn HexameternQuisquis amicitiam non oult vitare vitandam, Irruit in miseram citius miserille ruinam, 3 darauf folgt das eigentliche Gedicht in dreizehn Distichenmit der Epanalepsis ,Mundus abif. Hier wird das übliche Thema der Welt-verachtung auf das reichlichste variiert. Dagegen ist das von Fierville 4 ausAudomar. 115 f. 16b und aus Oxon. Digby 53 erwähnte und oben genannteGedicht De contemptu mundi ein ganz anderes Werk. Noch wenig bekanntist endlich das mit Angelus bonus ad monachos stantes in choro überschrie-bene, das nach Delisle 5 zwanzig Hexameter zählt, während Haureau 6noch ein Distichon hinzufügt. Wahrscheinlich ist das Gedicht als Inschriftoder Erläuterung zu einem Bilde gedacht, indem der Engel an die im Chorbefindlichen Mönche Ermahnungen richtet, nämlich das Gesetz zu erfüllen,Maß zu halten und die Welt für nichts zu achten; auch sollten sie sich diedrei Zeiten Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft stets vor Augen halten ; 7es beginnt mit den Worten des Engels Custos mentis ego fas diclo nephasquerelego. Aus gleicher Überlieferung stammen zwei ganz kurze Stücke auf dieHölle und auf das Paradies und vielleicht ist auch ein weiteres ,Per fideilumen cernat rationis acumen 1 als Erklärung zu einem Kunstwerk von Serloverfaßt.
Beigelegt wird ihm aber heute noch ein Gedicht ,Ego quondam filiusmundi specialis', das sich über die Flucht und Verachtung der Welt deutlichund kräftig ausspricht und zum Leben und Wesen Serlos gut passen würde.Es besteht aus 56 Fünfzehnsilbern in vierzehn gereimten Strophen. DieseForm würde ja nicht recht zu Serlo stimmen, von dem wir sonst nur metrischeGedichte kennen, doch die Rhythmen sind sehr rein gehalten und der Stoffdeckt sich beinahe mit dem, was wir von Serlo wissen. Freilich geht SerlosLehramt nicht aus dem Gedichte hervor, und wenn es dort 1, 4 heißt Utessem pre ceteris homo curialis, so könnte man aus Serlos Leben diesen Be-griff kaum festlegen, wenn man ihn wörtlich nimmt. Der Dichter führt hieraus, daß er ehedem völlig der Welt hingegeben gewesen sei. Als er aber anden Tod gedacht habe, der alles Lebende überwältige, dem sogar Hippo-krates, 8 Abraham und Gaben Untertan geworden seien, da sei ihm klar
1 Als Abt von Aumone wird er genannt 4 Not. et extr. 31, 2, 59.
1171 undll73,vgl.Galliachristiana 8,1398. 5 Melanges de paleographie p.485f.
2 Auch im Oxon. Digby 53. 6 Not. et extr. de quelq. mscr. 5, 206 f.
3 Daß die zehn Verse nicht vom Dichter 7 Vers 15 Haec tria verba fidem non dentselbst sind, ergeben die letzten zwei: Haec tibi: post, modo, pridem. Post pendet, cecidittua de mundi contemptu versificator Illustris pridem, modo non sibi fidit.
Serlo sunt carmina digna notari. 8 17 Omnis homo moritur natus in peccatis,