906 Vierter Abschnitt. Die Dichtung
acht Distichen zu einem grammatischen Werke (Stilistik). Serlo empfiehltdies Werk allen der Grammatik Beflissenen, da es sich seiner Kürze wegensehr zum Transport und zum Abschreiben eigne. Das zweite ist ein gram-matisches Gedicht von 167 leoninischen Versen mit neun Versen als Prologbeginnend Dactyle, quid latitas? Serlo redet hier sein Gedicht an und fordertes auf, ans Licht zu treten; er werde hier doppelzeitige Worte im Gedichtbehandeln 1 und auf ihn selbst solle der Leser nicht Bedacht nehmen. 2 Esbeginnt mit dem Vers Unam semper amo, cuius non solvor ab hämo undsetzt sich aus lauter ähnlichen Monostichen zusammen, deren jedes zweinach den Buchstaben entweder gleichlautende oder doch sehr ähnlicheWorte behandelt, die aber in der Stammsilbe von verschiedener Quantitätsind. Dabei werden Nominal- und Verbalformen von gleicher Endung vor-geführt, so daß das erste Wort von der Penthemimeres getroffen wird, daszweite am Ende steht. Das Gedicht hat im Vat. reg. 344 die Aufschrift Departibus orationis und es wird im alten Katalog von Peterborough genannt. 3Jedenfalls war es in der Schule ein gutes Unterrichtsmittel. 4
Das Gedicht ,Non facili lima tractatur syllaba prima 1 ist jedenfalls auchein grammatisches Werk, da es über die Quantität der Stammsilben han-delt, vgl. Vs. 2 ,Dic: Caale, Serlo cadet; die: vade, per ardua vadet. Im altenKatalog von Peterborough heißt es ,Regulae magistri Serlonis de primis syl-labis 1 . 5
Auf ein recht zweifelhaftes Gebiet führt ein Gedicht über doppelte Liebe.Serlo hat zwei Geliebte und kann sich von keiner trennen. Er preist dieVorzüge beider gegeneinander und offenbart seine Qual sehr deutlich amEnde Vs. 31 dent di coiturus utrique Jungar. Quid potius? Quid precor ul-terius? 6 Es folgen kleinere Stücke auf unbekannte Personen, daruntereines auf einen Robert, der die Marculf sehe Formelsammlung 7 in Verseumgegossen zu haben scheint. Es beginnt ,Per quoque per certe per ceteraiuro, Roberte, Perque pedem Berthae quod (tu) versificaris aperte 1, und istnach Haureau zunächst anscheinend ein Lobgedicht, wird aber zur Satire. 8
Es folgen neun nicht leoninische Distichen auf einen Neider Serlos. DerDichter hält ihm sehr ausdrücklich vor, daß er sich durch seine Mißgunstnur selbst schade, aber nicht ihm. Persönlich wird Serlo Vs. 13 Jnvideantmulti Serloni, Serlo nee uni, Dum prosit multis Serlo, nee unus ei 1 . Auf eineDirne gehen sechs Trinini salientes , Te voco Naida, sentio Thaida scirequenolo, Et prece nequeo, te mihi muleeo munere solo'. In einem Gedicht vonachtzehn nicht leoninischen Distichen beklagt Serlo den Tod Roberts vonCaen, Grafen von Gloucester, der als natürlicher Sohn Heinrichs I. nochjung im Jahre 1146 starb. Besonders wird sein Sinn für Gerechtigkeit ge-rühmt und es werden Beispiele aus dem Altertum geholt, um ihn zu erheben. 9
1 Prol. 5 Accipe quas dichronas partes in 6 Gedruckt von Haureau, Not. et extr.carmine ponas. 1, 305 f.
2 Vs. 7 In me Serlonem non respice sed ra- 7 ed. Zeumer, MG. Leg. 5, 32.tionem. 8 Es steht auch im Paris. 3718 f. 84 und ist
3 s.XIV (Serapeum 12, IntellBl.187, Dac- N.13 von De diversis modis versificandityle quid latitas. 9 Vgl. (Haureau a.a.O. 1, 309f.) Vs.ll .
4 Herausgegeben von Haureau Not. et 29f. Vs. 22 Unius ob meritum nach Sedul.extr. 28, 2, 429ff. Hymn. 1, 5.
5 Serap. 12, IntellBl. 177.