Druckschrift 
3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
Entstehung
Seite
881
Einzelbild herunterladen
 

D. Persönliche Dichtung 881

Land und rühmt die vielen Fürstentöchter, die sich von hier verheirateten;außerdem hebt es den Anteil hervor, den Markgraf Robert am ersten Kreuz-zug genommen hatte.

Ueberlieferung im Paris. 16699 f.173 und im Rem. civ. 1043. 743. Ausgabe von Wat-tenbach, Neues Archiv 18, 509f. und von L. Delisle, Litterature et hist. du moyenäge p. 29 ff. (1890). Vgl. Haureau a.a.O. 5, 212 ff.

f) De vita Pilati. Vielleicht gehört dem Petrus auch die Versifika-tion der Pilatussage an, die sich einer ziemlichen Verbreitung erfreute. Esentspricht nämlich nicht nur ihre Form den Dichtungen des Petrus (369paarweise am Ende gereimte Hexameter), sondern auch die eingangs vor-getragenen Gedanken sind dem Inhalt von dessen Dominus vobiscum ähn-lich.Gelehrsamkeit, beginnt der Dichter, gilt nicht mehr, nur das Geld hatMacht. Und da überall der Neid auflauert, so will ich lieber meinen Namenverschweigen. 1 Ob freilich die bisher verborgene Geschichte, die ich erzählenwill, wahr ist, weiß ich nicht, und der Leser darf mir daraus keinen Vorwurfmachen, sondern dem, der sie zuerst so berichtet hat." 2

In der Stadt Mainz, die ihren Namen von dem Fluß Mogan (Main) unddem Bach Cia erhalten hat, soll ein König Atus gelebt haben. Er gingeinst mit seinen Freunden und übernachtete im Hause eines Verwalters.Nachdem er hier viel Wein getrunken, verkündeten ihm die Sterne, daß erheute nacht mit einer Frau einen Sohn zeugen werde, der ein bedeutenderMann werden müsse. Da die Königin abwesend ist, wird ihm Pila, die Toch-ter des Verwalters, zum Beiwohnen gebracht, und diese gebiert später einenSohn, der seinen Namen nach Mutter (Pila) und Vater (Atus) erhält (Pil-atus). Atus und seine Gemahlin hatten aber auch einen Sohn, der der Nach-folger des Vaters werden sollte. Doch als der Knabe heranwächst, tötet ihnPilatus. Nun wird dem Atus vorgehalten, Pilatus habe zwar den Tod ver-dient, aber man solle ihn als Geisel nach Rom schicken, von wo er nie zu-rückkehren dürfe. In Rom macht sich nun Pilatus an den Sohn des Königsvon England heran, der auch hier als Geisel lebte, und auch diesen brachteer ums Leben. Statt daß man ihn nun hinrichtete, wird er auf die großeInsel Pontus gebracht, wo Halbwilde lebten; man hofft in Rom, daßer dort bald getötet werde. Doch das Gegenteil trat ein, er gewöhnte die .Bewohner an Zucht und Sitte und empfing von der Insel den Namen Pon-tius. Damals herrschte Herodes in Palästina, und da er von Pilatus hört,bittet er ihn, nach Jerusalem zu kommen, um auch unter den Juden Friedenherzustellen. Pilatus kommt, wird von Herodes glänzend empfangen undden Rittern als Teilhaber der Herrschaft vorgestellt. Dem neuen Gewalt-haber glückt es nun, durch Geschenke die Gunst des Volkes zu gewinnen,und darauf läßt er in Rom anfragen, ob er nicht König sein dürfe. Und dain Rom alles käuflich ist, 3 so willigt der Kaiser ein. Nun wird Herodes vonseiner Herrschaft gestürzt und ein Tag anberaumt, auf dem er wie Pilatusdem Volke Rechenschaft geben sollen. Inzwischen hat sich Christus fürdie Menschheit geopfert und wird, durch Judas verraten, von einer Partei

1 Vs. 13 Et prodesse volens aut delectare 3 Vs. 152 Nam quaevis Romae venalia suntlegentem = Hör. A. P. 333. tribuenti; Vs. 155166 Ausfall auf die Herr-

2 Also folgt der Dichter getreu einer schaft des Geldes, dem jeder Stand unter-Prosaquelle. tan ist, besonders die Kirche.

H. d. A. IX 2, 3 56