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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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873
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D. Persönliche Dichtung 873

in 169 Strophen geschrieben hat. Nämlich Radulf ist Gelegenheitsdichter,hat aber wohl mit der schulmäßigen Poesie begonnen, die ihn zunächst anden hl. Benedikt knüpfte und dann zur Versifizierung eines großen Werkesaus dem Altertum führte, das in jener Zeit noch gar nicht so häufig er-wähnt wird.

a) De memorabilibus. Das poetische Vorwort, das an einen Freund ge-richtet ist, schließt sich in den ersten zwei Distichen eng an Vs. 14 derVorrede zu Prospers Epigrammen an und berührt dann den Inhalt: Por-tenta, miracula, somnia, überhaupt memorabilia. Nämlich das große Gedichtbietet eine freie Übertragung von Valerius Maximus in Verse und besitzt9 Bücher, deren jedes mit wenig Ausnahmen soviel Kapitel wie das Originalenthält; und diese führen die gleichen Titel, behandeln dieselben Dinge undführen dieselben Beispiele an wie das Original. Das erste Buch enthält nurvier Abschnitte und ersetzt die vier fehlenden über die heidnischen Reli-gionen durch ein Kapitel über die Sintflut. Auch im zweiten Buche trittein Kapitel De incipiis regnorum an die Stelle einiger weggelassenen Ab-schnitte. Aber sonst folgt Radulf dem lateinischen Prosavorbild getreu.Seltsam ist die Auswahl des Gegenstands jedenfalls und die Arbeit läßtsich eigentlich nur mit der Schultradition in Einklang bringen.

b)Epistolae ad diversos. Das wirkliche Dichtertalent Radulfs erhelltaber erst aus seinen Briefen, die meist an unbekannte Personen gerichtetsind. Weniger wichtig sind die Stücke moralischen und philosophischenInhalts, aber die anderen, die sich über zeitgenössische Ereignisse und überPersönliches verbreiten, verdienen volles Interesse. Hier prägt sich der Un-terschied auch in der Form aus: Die künstliche Reimerei im Leoninus undmetrischen Spielereien, die von der Schule beigebracht wurden und sichin den hagiographischen Gedichten Radulfs finden, sucht man hier in denBriefen vergebens, sie sind nach guten Mustern gearbeitet, und es sindVergil und Ovid, desgleichen Horaz, als Vorbilder häufig erkennbar.

Der erste Brief ist an Radulfs Freund Warnerius Burdo gerichtet. Inihm wird Klage darüber geführt, daß die Gedichte nichts gelten: und wennVergil selbst käme, er würde hungern müssen und sich kaum Pergamentoder Wachstafel kaufen können. Und es gab doch eine Zeit, da die Dichter, 1Geschichtschreiber und Philosophen im Altertum aufs höchste von denFürsten geehrt wurden. Dann fragt der Verfasser, was ihm selbst sein Dich-ten eingebracht habe; mit Geld könne man den Abtsstuhl erkaufennobilitas mores littera nil tribuunt. Besser sei daher das Nichtstun, Essen,Spiel, Ruhe und Weintrinken censebat spurcus vivendum sie Epicurus.Der Brief schließt jedoch mit einer hohen Lobrede auf die Studien und dieWissenschaften. Der zweite Brief, an einen Bernhard gerichtet, ist einLoblied auf die Freundschaft. Aus dem Altertum werden Dämon undPythias, Nisus und Euryalus u. a. gepriesen und dann ein neuzeitlicherStoff von Amis und Amile vorgebracht, der in Versen erzählt wird. 2 Das istliterarisch interessant, denn der Verfasser des altfranzösischen Romans Amis

1 So Horaz (E. de Certain, Bibl. de l'ec. Archives des missions scientif. et litte-des chartes 1855 p. 503). raires 5,117128 (1856).

2 Großenteils hrsg. von Certain in