872 Vierter Abschnitt. Die Dichtung
Äußerst scharf ist das Gedicht, das mit den Worten Quae monachiquaerunt beginnt; es ist jedenfalls gegen die Mönche von Caen geschriebenDer Dichter beschuldigt sie, daß sie ihre räuberische Hand nach seinemBesitze ausgestreckt hätten, 1 und daß er sicherer sei, wenn er Räuber undnicht diese Mönche zu Nachbarn hätte. So stellt er sie gehörig an den Pran-ger, meint aber, daß er die ehrenwerten Männer unter ihnen nicht beleidigenwolle. Er stehe unter dem Schutze des Bischofs Odo, 2 der rechtlichen Sinnessei 3 und sich durch Geschenke nicht bestechen lasse. Es folgen weitere An-griffe auf die Mönche, aber die armen Einsiedler nehme er aus, die selbstnichts haben und womöglich noch von den Mönchen beraubt werden 4 . DasGedicht umfaßt 182 leoninische Hexameter.
Ob das ruhmredige Gedicht DeregeWillelmo von Serlo stammt, ist
nicht sicher; B ö h m e r möchte es eher dem Godefrid von Winchester beilegen,
der es auf den über Engländer und Iren siegreichen König etwa im Jahre
1068 gemacht habe. Die Taten Wilhelms, sagt der Dichter, seien größer, als
daß sie von Vergil besungen werden könnten, denn der König steht höher
als Cäsar, der die geeinten Kräfte Roms zur Verfügung hatte, während
Wilhelm bloß auf seine Tapferkeit zählen konnte. Und er läßt Recht und
Gerechtigkeit herrschen, darum dienen ihm beide Länder. 5 Eben kommt
er vom Siege zurück und daher möge ihm England zujubeln. Damit bricht
das unvollständig erhaltene Gedicht ab. 6 Und nur vier Verse sind von dem
Gedichte De regina Mathilde gedruckt.
Zeugnisse. Die aus den Gedichten zu gewinnenden Lebensdaten für Serlo hatH.Böhmer, Neues Archis 22, 724—729 sorgfältig zusammengestellt, wie es diesemüberhaupt a. a. O. S. 703—736 gelang, Serlo von Bayeux von dem mit ihm verwechseltenSerlo von Wilton scharf abzutrennen, nachdem hier P. Meyer, Documents manuscritsde l'ancienne litterat. de la France (1871) p. 139—145, vorangegangen war und DomBrial, Hist.litt. 15, 1 — XV, den Anfang gemacht hatte. Außerdem hat Böhmer S. 711 f.die auffallenden stilistischen Aehnlichkeiten der Serlo wirklich zukommenden Gedichtezusammengestellt. — Die Ueberlief erung liegt im Cotton. Vesp. A12 s.X 11 . Cotton.Tit A20f.l05,Berol.Meerm. 471, Audomar. 115. Paris, lat. 3718. Asburnham pal. coli. Barrois245.Vat. reg. 344. Oxon. Auct. F. 2,14. Ausgaben von D om Brial, Hist. litt. 15, Illff. (teil-weise) und von Th. Wright, The anglo-latin satirical poets etc. 2, 201—212. 233—258;eine kritische Nachlese hierzu gaben Böhmer a.a.O. S. 716—719 und Sedgwick,Speculum 5, 295 f. Vgl. Macray, Catal. Bodl. Digby col. 50. Vielleicht ist übrigens zurUeberlieferung zu ziehen die Aufschrift von Rievaux s. XII — XIII (James, Catal. ofthe mss. in the Libr. of Jesus Coli. Cambridge, Cambr. 1895) p. 49, wo James liestInvectio Serlonis (statt Salomonis).
3. RADULFUS TORTARIUSRadulf, nach dem Familienbesitz Torte Tortarius zubenannt, ist 1063in Gien geboren. Er trat zu unbekannter Zeit ins Kloster Fleury ein und hathier sowohl die von Andreas weitergeführten Miracula s. Benedicti fort-gesetzt als auch die früheren Bücher dieses umfänglichen Werkes in Versegebracht. Doch liegt der Schwerpunkt seiner literarischen Tätigkeit nichtauf hagiographischem, sondern auf anderem Gebiete, trotzdem er weiter eingrößeres Gedicht auf den hl. Maurus und auch einen Hymnus auf diesen
1 Vs. 25 mea cur invadere quaerunt? 4 Vs. 144 Huic . . . genti . . . Res est nulla
2 Vs. 66 Praesul Odo cleri non lardus iura satis nisi plena superfluitatis.
tueri Me fovet atque regit. 5 Vs. 16 Serviet imperiis utraque terra tW-
3 Vs. 83 mens . . . presertim conscia recti 6 Zehn Distichen und ein Hexameter.Verg. Aen. 1, 604.