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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
Entstehung
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871
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D. Persönliche Dichtung 871

des Streites zwischen Heinrich I. und Robert völlig ausschweigt. Serloredet die Stadt Bayeux selbst an und beklagt, daß sie ohne Schwertstreichin Feindeshand überging. Das sei in der Geschichte unerhört. Die Bürgerhätten nicht die Hand gerührt als der Feind kam, und schließlich sei dieStadt auch verbrannt worden. Dann bringt der Dichter eine Menge Einzel-heiten aus der Belagerung und er schmäht die Bürger, daß sie den altennormannischen Mut nicht gezeigt hätten, mit dem ihre Väter England er-obert und in Sizilien, Kalabrien und Apulien gekämpft hatten. Spöttischrät er den Bürgern, Domherren zu werden, während sie selbst, die Dom-herren, den Schutz der Stadt in die Hände nehmen wollten. Darauf schil-dert Serlo den Brand der Stadt, wobei außer der Marienkirche zehn andreKirchen zerstört wurden und die Häuser der Domherren in Flammen auf-gingen. Aus reiner Furcht wurde die Burg von der Besatzung geöffnet unddas große Schloß der Normannenfürsten fiel dem Brande zum Opfer.Dann bringt Serlo Erinnerungen rein persönlicher Art, er gedenkt der Zeit,da der Hunger alles würzte und man den Napf mit Haferbrei an den Mundsetzen mußte, weil der Löffel fehlte; ja man habe, wie die Eule, auf die Nachtgewartet, um ausgehen zu können, da man keine Kleider hatte, seine Blößezu decken. Damals habe das Volk höhnisch mit Fingern auf einen gezeigt,der nichts mehr hatte;denn willst du Ehre haben, 1 dann mußt du reichsein, hast du aber nichts, so empfehlen sich die Freunde". Und dann kommtdie schon oben berührte Stelle, wo sich Serlo Vs. 279319 über einigeBerufstände ausspricht. Auch in diesem Gedicht ist der Ausdruck meistunpoetisch und eher derb zu nennen, die Wortstellung oft recht sonderbarund der Gedanke daher nicht überall leicht zu verstehen. 2

Ein weiteres Gedicht richtet sich an eine vornehme Dame Muriel, derenGemahl gestorben und die ins Kloster gegangen war. Sie verlange ein Ge-dicht von ihm, sagt Serlo, während sie doch viel bessere von ihrem Haus-dichter gewöhnt sei, doch sie werde auch aus einem bäurischen Gedichtmanches lernen können. Sie habe jetzt das bessere Teil erwählt, indem sieden sterblichen Gatten mit dem unsterblichen Christus vertauscht und sichnicht wieder verheiratet habe. Denn das Los, das sie dann getroffen hätte,sei hart genug. Und nun schildert Serlo Vs. 55172 die Lasten, die auf derEhefrau ruhen, und die Qualen, die sie namentlich von ihrem Manne zuerdulden hat, so eingehend, so breit und anschaulich, daß man sich aller-dings über diese rohe Behandlung wundern muß, zumal man sich damalsin der Zeit des beginnenden französischen Rittertums befindet. Und daranreiht Serlo noch eine auf das weiteste ausgesponnene Schilderung derkörperlichen Beschwerden und Mühen, die die Frau als Mutter auf sichnehmen muß. In diesen trüben Bildern fehlt aber auch jeder Lichtblick, siemüssen der Niederschlag recht übler Lebenserfahrungen sein. Zum Schlußdes Gedichts erfährt Muriel wiederholtes Lob, daß sie den ewigen Bräutigamerkoren habe.

1 Vgl. die nach Ovid. Trist. 1, 9, 5f. gebil- 2 Das Gedicht zählt 338 oder 339 leonini-

deten Verse 252 Si decus immensum vis, sehe Hexameter (je nach der Ausgabe von

grandem collige censum . . . Fias mendicus, Brial oder von Wright).tibi non remanebit amicus.