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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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864 Vierter Abschnitt. Die Dichtung

alten Götter gefallen seien und die Stadt einem Gott diene. Petrus stehehöher als der Kaiser, und vordem habe die Stadt die Erde bezwungen, jetztbesiege sie die Hölle und beherrsche die Seelen, ihr Reich sei der HimmelBedeutende, ja kühne Bilder sind es, die der Dichter hier in großen Zügenentwirft, und selten hat wohl der mittelalterliche Dichter seine Phantasieso im großen walten lassen, daß er die Weltgegensätze zwischen dem altenund neuem Rom in solch packender Weise dargestellt hätte. Ein Stückseines eignen Lebens behandelt Hildebert in dem Gedicht De exilio suo.Er schildert mit gefälliger Beredsamkeit sein früheres Glück, das ihm allesin den Schoß geworfen habe, bis es unbeständig wurde und er auf Betreibeneines Grafen 1 in die Verbannung geschickt worden sei. Das Meer sei beider Überfahrt von entsetzlichen Stürmen gepeitscht und schiffbrüchigsei er ans Ufer geworfen worden. Mit einem Ausblick auf die Unbeständig-keit des Glückes und die Sicherheit Gottes schließt das Gedicht, das einzum Teil recht lebendiges Bild der Zeit gibt und den Dichter als in den Wer-ken Vergils und Ovids durchaus heimisch erweist. 2

Das Epitaph. Berengarii im Paris. 14194 f. 162, Cambr. Gonville and Gaius Coli. 230 f. 75;Beaugendre 1323f., Migne 1396f. Die Gedichte auf Rom im Paris. 3761 f. 70,14867 f!174,561; Beaugendrel334f., Migne 1409f., Haureau S. 331 f. 334f. De exilio suo imParis. 7596A, 14194 und 15155, bei Beaugendre 1344 ff., Migne 1418 ff., HaureauS. 347 ff.

Außerdem aber werden dem Hildebert eine große Anzahl anderer Ge-dichte dogmatischen, moralischen und persönlichen Inhalts in den Hand-schriften beigelegt. Ihre Zugehörigkeit beruht meist auf schwachen Füßen,und es bedarf sehr eingehender Untersuchungen, bis hier einige Sicherheiterreicht werden wird. Mit der Scheidung machte Haureau den Beginn, 3ohne aber bei vielen Stücken eine Gewißheit zu erreichen, die zu erlangenihm beim Floridus aspectus oft möglich war. 4 Die Geltung des Dichterswar in der Mit- und Nachwelt außerordentlich groß, 5 aber seit dem 14. Jahr-hundert wird er vergessen und Frühdrucke finden sich daher nicht von ihm.

Es sei hier noch kurz zusammengestellt, was sich in alten Katalogen von ihm vorfindet.Von den Prosaschriften werden die Briefe am meisten angeführt, nämlich s. XII in Bec,Lyre und Durham, s. XIII in Pontigny, s. XIV in der Sorbonne, beginnend Conversioneetconversacione tua, in Dover und Ramsey, s. XV in Bayeux und Canterbury St. Augustin.Mehrfach erscheint auch der Conflictus carnis et animae, meist als Philosophia bezeichnet,wie bei Alexander de Jumieges, in der Sorbonne s. XIV, bei Richard von Fourniyal, andersin Bec (de dissensione interioris et exterioris hominis), Sorbonne 1338 (disputacio inier corpuset animam), Rievaux s. XIV (de edificio anime). Von den Dichtungen erscheint häufig dasGedicht über die Messe, nämlich um 1200 in Corbie, s. XIII in Pontigny, in Canterburyund bei Hugo von Trimberg (Registr. mult. auct. 576ff.), s. XIV in Dover, 6 Durham 7 undPeterborough, s. XV in Clairvaux und Canterbury St. Augustin 7 und 1514 in Altzelle, amhäufigsten aber das Gedicht auf die Maria Aegyptiaca, das entweder unter dieser Benen-nung oder als Zozimas 8 erscheint, s. XIII in Benediktbeuern, Canterbury, Schlettstadt,Pegau und bei Hugo von Trimberg, s. XIV bei Bartolomeo Bacchiari, in Pruel, Oberalt-aich, Leiden, Heiligenkreuz, Dover, Rievaux und Peterborough, s. XV bei Amplonius, inCanterbury St. Augustin (zweimal) und Bordesholm, endlich 1513 in Wien und 1514 in

1 Nach Haureau S. 348 n. 1 war es Fulco möglich erweist und S. 312ff. N. XI das be-von Maine. treffende Gedicht dem Pariser Magister

2 Aufgenommen hat es Vincenz von Beau- Gualo beilegt.

vais Spec. hist. 25, 109. 6 Vgl. Haureau p. 290.

3 Not. et extr. 28, 2, 395448. 6 In drei Exemplaren.

4 Wie er S. 312 N.X das Epitaph auf Suger 7 Zweimal vorhanden. .von St. Denis als für Hildebert zeitlich un- 8 Auch als Zozimus oder Vita s. Zozimae.