C. Kirchliche und religiöse Dichtung 859
zugesetzt worden. Das Wort sacrijex ist häufig, vgl. 181. 267. 331. 424. 447. 471. 477. 551,sonst sind keine Worte besonders zu notieren. Anlehnung an alte Dichter fehlt gänzlich.In alten Katalogen wird das Gedicht häufig genannt und es erhielt auch weitläufige Er-klärungen, wie im Berol. 306 s. XV und 371 s. XV; zuweilen wird es dem Ivo von Chartresbeigelegt, wie im Berol. Meerm. 96 s. XIII und vielleicht schon bei Robert de Galone s.XI(Zentralbl. f. Biblwes. 20, 372). Hss. u. a. Berol. Meerm. 96 s. XIII; 180 s. XII/XIII; Berol.955 s XII; Monac. 8304 s. XIII; 4710 s. XV. Ausgaben bei Beaugendre 1135—1152,bei Migne 1177—1196.
Moralische Dichtung, <x) De quatuor virtutibus vitae honestae. Die vonden Kirchenvätern übernommene Lehre von den vier Kardinaltugendenerfährt hier eine poetische Bearbeitung in 212 Distichen. Das Gedichtschließt sich ebenso der Lebensweisheit an, die bei Horaz und in denDisticha Catonis niedergelegt ist, wie der in der Bibel vorhandenen Spruch-weisheit, und gibt in der Verbindung der Antike mit Biblischem einen gutausgeführten und mit gewisser Ruhe und Sorgfalt vorgetragenen Stoff, dersich nach den Tugenden gliedert. Am Schlüsse wird noch vor deren Über-treibung gewarnt, da sie in Laster übergehe.
Seltenes Wort 165 indigeries. Monosyllabischer Ausgang 191. 343. 345. 401, Verschleifung325. Aus Colbert. 6327 gedruckt bei Beaugendre 997—1004, bei Migne 1055—1064.
ß) Lamentatio peccatricis animae. Der Dichter stellt sich im Geiste vor,
daß der Tod ihn erreicht und daß seine sündige Seele nun beichtet, und
malt in sehr anschaulicher Weise erst die Schrecken der Hölle und dann
die Herrlichkeiten des Himmels. Darauf läßt er die Seele sich an die Gnade
Christi und Gottes wenden und er schließt sein Gedicht mit der Bitte an
den Leser, ein Vaterunser für ihn zu sprechen und seiner zu gedenken.
Die Dichtung ist im Sinne der Zeit sehr anschaulich und lebendig gehalten
und besteht aus 432 jambischen Achtsilbern in 108 am Ende gereimten
Strophen.
Hiat begegnet Vs. 69. 82.110.142.169. 344. 357. 370. 399; heu steht stets unter Diäresiszweisilbig. Vs. 375 ist Fax zu lesen. Aus Turon. 656 gedruckt von Bourasse bei Migne171, 1339—1344.
y) Ein Gedicht in 595 Distichen besitzt in der Ausgabe von F.W. Ottoden Titel Versus de nummo seu satyra adversus avaritiam, im modernenInhaltsverzeichnis des Vind. 848 Poema elegiacum de virtutibus et vitiis.Nach dem Inhalt des Gedichts ist wohl aber keine dieser beiden Aufschriftendie ursprüngliche. In dem ersten Teil des Gedichts, wo vom nummus V. 105bis 200 gehandelt wird, wendet sich Hildebert gegen die Gebrechen seinerZeit: Nichts sei seltener als Frömmigkeit und Treue, jeder lebe nur für sich,Freundschaft und Kindesliebe gebe es nicht mehr. 1 Dafür beherrsche dieHabsucht alle, das Geld werde geehrt und geliebt und allem vorgezogen;daß es im Altertum anders war, wird an Beispielen (Crates, Diogenes undAristipp) erläutert. Der zweite Teil befaßt sich mit dem Neide, dessen ver-derbliche Wirkung aus dem Leben wie aus alten Autoren erwiesen wird, wieVs. 239—268 durch die Geschichte aus Petron von dem unzerbrechlichenGlasgefäß und dem Kaiser. Er sei schlimmer als das Gift der Schlangen,
hergehende Tollimur in medio (Migne 1 Beispiele für das Gegenteil aus dem
W92 C) hatte auch Gerbert, Monum.liturg. Altertum Vs. 29—55 (nach der Ausgabe von
vet. 2, 327 gedruckt, wo aber 25 f. 33 f. F.W. Otto, Comment. critici in cod. bibl.
fehlen, später Wattenbach, Neues Archiv acad. Gissensis (Gießen 1842) S.163—198).6> 450L; vgl. Dümmler, ebenda 10, 446.