C. Kirchliche und religiöse Dichtung 857
Adam bis zu Christi Himmelfahrt mit besonderem Verweilen bei der Ge-schichte der Judith. Nach übersichtlicher Erwähnung der heidnischen Götter(Vs. 517—525) schließt der Dichter mit dem Siege des Petrus über das heid-nische Rom.
Hier läßt die Prosodie öfters zu wünschen übrig, wenn nicht die Ueberlieferung schlechtist so Vs. 16. 38. 83; Vs. 70 lies Abram, 240 fili, 329 dat [cantus] fistula (Benutzung vonCatonisdist. 1,27,2). Verschleifung nur 278. Beaugendre 1179—1188; Migne 1223—1234.
ß) De ornatu mundi schildert in 90 reimfreien Distichen die Schön-heiten der sichtbaren Welt in farbenreichen Bildern und mit Anlehnungan die von der Kirche beeinflußten Vorstellungen über das Paradies. Dader Dichter sich hier auf weltlichem Gebiet bewegt, so ruft er anfangs die.Clio zum Beistand an, aber er weist am Ende den Leser auf die unverwelk-lichen Rosen des Himmels.
Zur Prosodie vgl. 154; 112 und 117 wird ein Vogel ormella erwähnt (117 Quod canit oremelos, ormella vocatur), vgl. Guido von Bazoches Bp. 23 Vs. 122 (Neues Archiv 16, 90).Aus dem Paris. 8088 gedruckt bei Beaugendre 1187—1192; Migne 1235—1238.
y) In libros Regum. Lassen die bisher erwähnten Gedichte einen Dich-ter erkennen, so ist ein solcher bei der langatmigen Versifikation der vierlibri Regum durchaus zu vermissen. Der weitschweifige Stoff wird mög-lichst zusammengepreßt und in Verse gebracht, in denen außer den Eigen-namen nicht sehr viele andre Worte vorkommen. So ist es wenigstens inden zwei ersten Büchern, die in 64 und 95 Distichen behandelt werden,während in den beiden letzten Büchern (208 und 308 Distichen) eine etwasreichere Ausdrucksweise Platz greift. Aber die Behandlung der Dinge istdoch auch hier so kurz, daß der Leser, ohne die biblische Vorlage zur Handzu nehmen, zu keinem rechten Verständnis kommen kann. 1 Die sehr zahl-reichen hebräischen Namen bereiteten dem Dichter, der sich weder ineinem Vorwort noch Nachwort über den Zweck seines Werkes ausgespro-chen hat, erhebliche Schwierigkeiten in prosodischer Hinsicht. Das um-fängliche Gedicht erscheint fast als eine Jugendübung. 2
Aus einer Hs. von Auxerre gedruckt bei Beaugendre 1191—1212; Migne 1239—1264.
S) Loci ex veteri testamento. Hier werden 51 kurze Stellen aus demAlten Testament entweder in Verse gebracht oder besprochen oder ihrInhalt allegorisch gedeutet. Die kleinen Gedichte, die entweder aus Hexa-metern oder aus Distichen bestehen, sind vielleicht in Erinnerung an Pros-pers Epigramme zu Augustinstellen gedichtet, mit denen einige eine gewisseVerwandtschaft zeigen. Es mögen später gesammelte Schnitzel sein, dieihr Dasein mancherlei Gründen und Anregungen zu verdanken haben. Aufgleicher Stufe stehen die Loci ex novo testamento in 39 kurzen Gedichtenmeist exegetischen Inhalts und in ihrer Erklärung stets belehrend; dasletzte artet in Formenspielerei aus, der Hildebert auch sonst nicht ganzfernsteht. 3
Aus der Hs. von Auxerre, dem Colbert. 1367 und Jumieges 77 und 98 gedruckt beiBeaugendre 1211—1220 und 1224—1232; Migne 1263—1272 und 1275—1282.
1 Vgl. 3, 31—48 über den Tempelbau Sa- oft aufeinander,
lomons. 3 Der Reim ist in diesen kurzen Gedichten
* Der Reim ist nirgends durchgeführt, ganz ausgeschaltet,aber Hexameter und Pentameter reimen