856 Vierter Abschnitt. Die Dichtung
Im Paris. 223 und 4103, San-Victor. 272, Ebroic. 19 Mus. Brit. Reg. 4. B. XIII, 15, aXXXII, Kopenhagen Gl. Kgl. S. 46 fol. s. XII; gedruckt bei Beaugendre 943 Miene989. Vgl. H. Walther, Das Streitgedicht im MA. S. 75. 8
Tractatus theologicus. Diese Schrift ist, falls sie Hildebert angehörtdas am meisten dogmatische unter seinen Werken. In der Vorrede stellter in Aussicht, daß er bei dunklen Stellen sich auf die alten Autoritätenberufen und das vorbringen werde, was die Weisen der heutigen Zeit dazusagen. 1 Hildebert handelt hier zuerst vom Glauben, von der Trinität, derPrädestination, von der Allmacht Gottes und der Menschheit Christidann über die Engel und ihre Ordnungen, wo eine Stelle aus Plato angeführtwird, 2 die aber im christlichen Sinne Widerspruch erfährt. Hierauf wird dasSechstagewerk, die Schöpfung des Menschen und des Weibes und der Sün-denfall erörtert. Daran schließen sich die Betrachtungen über den freienWillen und über die Erbsünde. Mit einer kurzen Betrachtung über dasGesetz schließt die Schrift, die somit einen sehr reichen Inhalt hat und derenZusammensetzung sich auf Werken Anselms von Canterbury aufbaut.
Aus einer Hs. von Lyre 3 gedruckt bei Beaugendre 1009, Migne 1067—1150.
b) Gedichte. Die große dichterische Fruchtbarkeit Hildeberts brachtees mit sich, daß man ihm in der Überlieferung eine Menge Stücke beige-legt hat, die ihm nicht angehören, da es bei vielen mittelalterlichen Ab-schreibern Sitte war, möglichst viele Gedichte bei großen Namen unterzu-bringen. Haureau hat sich hier ein besonderes Verdienst mit der Ausschei-dung von Fremdgut erworben, 4 indem er nachwies, daß die meisten der imFloridus aspectus gesammelten Dichtungen mit Hildebert nichts zu schaf-fen haben, ja daß diese Sammlung überhaupt nicht auf ihn, sondern aufPetrus Riga zurückgeht, der zur Zeit des N. 7, 1 genannten ErzbischofsSamson 5 von Reims in dessen Stadt Kanonikus und Vorsänger war, vgl.S. 826 ff. ; 6 und einige Bestandteile dieser Sammlung sind dessen Auroraentnommen. 7 Eine ganz sichere Ausscheidung wird sich allerdings nur schwervornehmen lassen, besonders weil sich Hildebert der verschiedenartigstenDichtformen bedient und der Reim als Kriterion völlig ausscheidet. Aberauch nach dem Stoffe macht sich große Verschiedenheit bemerkbar, wobeivorausgeschickt werden muß, daß die christlichen Stoffe bei weitem über-wiegen, wenn auch das antike Element keineswegs fehlt. Ich ordne hier dieeinzelnen Dichtungen nach Kategorien.
Bibeldichtung. <x) De ordine mundi gibt in 559 leoninischen Hexameterneinen kurzen Überblick über die hauptsächlichen biblischen Tatsachen von
1 Migne 171, 1067B. 6 Vgl. Haureau a. a. O. S. 301.
2 17 col. 1106D Cum Plato dixerit tria 7 Dagegen haben die dem Hildebert bei-esse principia, materiam formam et opi- gelegten Bibeldichtungen nichts mit derficem, fides catkolica unum principium om- Aurora zu tun. Die Verse Anna viro (Mignenium credit esse deum. 171, 1425), die von Max Förster (Fest-
8 Nach dem alten Katalog von Lyre aus schrift f. Johannes H o o p s, Probleme der
s. XII (Catal. gen. des depart. (8°) 2, 381) engl. Sprache u. Kultur, Heidelberg 1925,
N. 50 besaß man dort nur die Briefe Hilde- S.108f.) im Zusammenhang mit andernGe-
berts. dichten auf die hl. Anna abgedruckt sind,
4 Les melanges poetiques d'Hildebert de stammen nach Haureau nicht von Hilde-
Lavardin in Not. et Extr. 28, 2, 289—448. bert.
6 Migne 171, 1388C.